Hallo Handball-Fans,
der HSV Hamburg sorgt aktuell mal wieder für Schlagzeilen – positiv wie negativ. Zunächst beeindruckt mich ausdrücklich die sportliche Leistung der Jungs von Trainer Michael Biegler.
Diese Entwicklung war so nicht zu erwarten. Gemeinsam mit Wetzlar ist der HSV – nicht erst seit dem Sieg bei der MT Melsungen – die Überraschungsmannschaft der Saison. Was Biegler mit dieser Mannschaft bisher erreicht hat, ist herausragend.
Pascal Hens und Adrian Pfahl rufen auf ihre „alten Tage“ Leistungen ab, die Respekt verdienen. Jogi Bitter zeigt im Tor alte Klasse. Dieser HSV fasziniert mich.
Was die Berichte über finanzielle Probleme angeht, maße ich mir keine Meinung an. Dafür fehlt mir einfach der Einblick. Es wäre für den deutschen Handball aber fatal, wenn das Projekt HSV den Bach runtergehen würde und man vielleicht sogar während der Saison Insolvenz anmelden müsste.
Wir sind in Deutschland, was das Image der DKB HBL und der Nationalmannschaft betrifft, auf einem sehr guten Weg. Ein Aus des HSV würde uns um Jahre zurückwerfen.
Diesem gerade erst so stark zusammengewachsenen Team würde dann natürlich – ähnlich wie 2014 – der nächste Aderlass drohen. Pfahl soll bereits anderswo unterschrieben haben, wird gemunkelt. Die Perspektive der Mannschaft sähe deutlich schlechter aus.
Hinzu kommt in dieser Situation, dass Biegler nach der schweren Aufgabe am Mittwoch gegen die Füchse Berlin (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im GRATIS-LIVESTREAM) bis Jahresende nicht mehr auf der Bank sitzt, weil er die Polen auf ihre Heim-EM vorbereitet.
Das hat sich der HSV aber selbst zuzuschreiben, denn eigentlich hatten sie den Polen ja das Zugeständnis abgerungen, ihr Trainingslager in Hamburg abzuhalten. Wenn die Hamburger dann nicht in der Lage sind, das zu stemmen, sind die Prioritäten für Biegler ganz klar. Das Turnier ist der Höhepunkt des polnischen Handballs schlechthin.
Es ist einfach schade, dass sich der HSV an diese Abmachung nicht hält oder halten kann. Ich kann Biegler und den polnischen Verband zu 100 Prozent verstehen. Und für die Hamburger Mannschaft ist das natürlich ein ganz herber Verlust, wenn der Cheftrainer über Wochen nicht vor Ort ist. Ich bin gespannt, welche Lösung man hier findet.
Euer Kretzsche,
Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert „Kretzsche“ wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.