Das WM-Finale war gerade abgepfiffen, da sorgte Leandro Paredes für den letzten Skandal des Turniers. Völlig frustriert ging er auf den Spanier Gavi los und warf ihn vor den Augen des Linienrichters zu Boden. Es gab die Rote Karte und zahlreiche Experten nahmen sich den Übeltäter wenig später mit deutlichen Worten zur Brust. Zumal die Skandal-Akte von Paredes bereits einige Kapitel umfasst. Sogar mit seinem Teamkollegen Lionel Messi gab es schon Streit.

Doch nun geriet der defensive Mittelfeldspieler mal wieder mit Gegenspielern aneinander und zeigte schon während des Spiels mit fiesen Fouls und Provokationen, dass er seine Emotionen nicht kontrollieren kann.

„Das ist unentschuldbar. Wenn wir ehrlich sind, hätte er gar nicht mehr auf dem Platz stehen können. Er hat sich da schon sieben, acht harte Fouls geleistet“, sagte Kroatien-Legende Mladen Petric im SRF. „So ein Idiot“, kommentierte ORF-Experte Andi Herzog die Prügelszene.

Paredes nach Prügelszene in der Kritik

Thomas Hitzlsperger schrieb bei X: „Ich dachte, die paraguayische Mannschaft sei schlecht, aber Paredes, E. Fernandez, Otamendi und die ganze Truppe – ekelhafte Sportler.“

Vor allem in England schlug die Szene hohe Wellen. Paredes bekam von mehreren früheren Stars die Leviten gelesen. „So etwas hat dort nichts zu suchen“, sagte Alan Shearer bei der BBC. Micah Richards äußerte sich dort ebenso deutlich: „Das ist peinlich. Paredes muss es besser wissen. Wir alle wissen, wie es ist, ein Spiel zu verlieren, aber das hier ist einfach schlecht.“

Leandro Paredes fiel mal wieder negativ auf
Leandro Paredes fiel mal wieder negativ aufLeandro Paredes fiel mal wieder negativ auf© IMAGO/Sports Press Photo

Ex-Keeper Joe Hart fügte hinzu: „Ein widerwärtiges Verhalten. Es gab nur einen Mann auf dem Platz, der Klasse bewiesen hat, und das war Lionel Messi.“ Wayne Rooney schloss die Diskussion ab: „Das überrascht mich nicht. Das haben wir von Argentinien schon früher gesehen. Es ist einfach traurig, eine sehr schlechte Verhaltensweise von ihnen.“

Paredes hatte sich offenbar provoziert gefühlt und rastete deshalb aus. „Ich stand neben Paredes, als Pedri auf uns zukam und sagte: ‚Messi hat verschossen, und jetzt geht ihr alle nach Hause.‘ Paredes hat das gehört, da hat er reagiert“, erklärte Mitspieler Lisandro Martinez die Entstehung des Eklats.

Verständnis für Paredes‘ Verhalten lässt sich trotzdem nicht aufbringen – zumal er zum wiederholten Male negativ auffiel. Verbunden damit stellen sich Fußball-Fans schon die Frage, wie viel er sich noch erlauben darf.

Wie viel darf sich Paredes noch erlauben?

Denn seit vielen Jahren benimmt sich der 32-Jährige oft völlig daneben. Bei der WM 2022 hatte der Kapitän der Boca Juniors bereits mehrere Skandale geliefert.

Im Viertelfinale gegen die Niederlande hatte der Rüpel den Ball nach einem Foul mit voller Wucht in die gegnerische Reservebank geschossen und eine Rudelbildung ausgelöst. Die Emotionen kochten hoch und es gab 15 Gelbe Karten. Nach dem 4:3 im Elfmeterschießen zeigte er sich dann als mieser Gewinner.

Er gehörte zu den argentinischen Spielern, die wenige Augenblicke nach dem entscheidenden Strafstoß von Lautaro Martinez die trauernden Niederländer verhöhnten.

Doch viel zu oft kam Paredes in der Vergangenheit mit solchen Szenen davon. Sechs Platzverweise sammelte er im Verein, im Nationalteam war es der erste. Die Referees ließen ihm auch zu oft Schubser oder Provokationen bei dieser WM durchgehen. Laut Statistik ist Paredes eher ein fairer Sportler.

Paredes verhöhnte schon England und die Niederlande

Nur 1,7 Fouls pro 90 Minuten machte er im Schnitt und sah zwei Gelbe Karten. Nur fünf Fouls machte er vor dem Finale. Zum Vergleich: DFB-Sechser Aleksandar Pavlovic machte 4,3 Fouls pro 90 Minuten. Spitzenreiter Richard Rios aus Kolumbien kommt auf 6,6 gepfiffene Vergehen pro Spiel.

Eine harte Linie wäre bei dem Mann, der auch neben dem Rasen für Eklats sorgt, aber wohl angebracht. Das machte er nach dem Halbfinale gegen England mal wieder klar, als er mit einem politischen Banner mit einer Anspielung auf den Falklandkrieg auf dem Rasen feierte. „Die Falklandinseln gehören zu Argentinien“, sagte er später lachend: „Sie werden immer zu Argentinien gehören.“

Argentiniens Spieler feierten nach dem Spiel mit einem Banner
Argentiniens Spieler feierten nach dem Spiel mit einem BannerArgentiniens Spieler feierten nach dem Spiel mit einem Banner© IMAGO/MB Media Solutions

Zuletzt hatte Paredes beim 4:1-Sieg in der WM-Qualifikation gegen Brasiliens Rodrygo einen Moment der Arroganz. Er schrie den Gegenspieler an: „Ich habe zwei Copa Americas und eine Weltmeisterschaft gewonnen – und du nichts.“

Übrigens machte Paredes während seiner Laufbahn nicht einmal vor Lionel Messi halt. Die beiden hatten 2021 drei Monate keinen Kontakt nach Aussagen von Paredes.

Auch mit Messi gab es Streit

Er spielte damals für PSG, gewann das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Barca mit 4:1 und redete öffentlich abfällig über die Stars der Katalanen. Blöd nur: Messi stand beim Gegner auf dem Rasen. Inzwischen verstehen sie sich wieder gut. Doch nun ist Paredes auch in Spanien zu einer Hassfigur geworden.