Der Jubel war riesengroß, nachdem Englands zehn Mann den knappen Vorsprung gegen Mexiko tatsächlich über die Ziellinie gerettet hatten. In den letzten 15 Minuten und einer ewigen Nachspielzeit war besonders herausgestochen, der bei dieser Weltmeisterschaft noch gar nicht zum Zug gekommen war: Dan Burn.

In Deutschland gehört Burn wohl zu den eher unbekannteren Spielern im Kader der englischen Nationalmannschaft. Doch seine Geschichte ähnelt einem Märchen. Der Verteidiger und zugleich Teamkollege von Nick Woltemade bei Newcastle United gab sein Debüt für die Three Lions erst im März 2025 unter Thomas Tuchel und das im Alter von 32 Jahren.

Dan Burn verhalf seinen Three Lions mit einer starken Leistung zum Sieg
Dan Burn verhalf seinen Three Lions mit einer starken Leistung zum SiegDan Burn verhalf seinen Three Lions mit einer starken Leistung zum Sieg© IMAGO/aal.photo

Bis zu seinem Einsatz gegen Mexiko hatte Burn noch keine Minute bei dieser Weltmeisterschaft auf dem Feld gestanden. Doch die Rote Karte für Leverkusens Jarell Quansah in der 54. Minute verhalf dem inzwischen 34-Jährigen wohl zu seinem WM-Debüt.

WM 2026: Rekordleistung von Dan Burn

„Ich wollte unbedingt auf den Platz. Ich wollte die Weltmeisterschaft nicht verlassen, ohne dort gespielt zu haben“, wurde der Verteidiger nach dem Spiel von der Sun zitiert. Sein großes Ziel hat er nun bereits erreicht.

Die Mannschaft von Thomas Tuchel spielte bereits über 20 Minuten in Unterzahl, bevor sich der deutsche Trainer dazu entschied, auf eine Fünferkette umzustellen. Doch dann erzielte Raúl Jiménez per Elfmeter den Anschlusstreffer und Tuchel musste reagieren. Für die letzten 15 Minuten (plus 13 Minuten Nachspielzeit) kam Dan Burn als weiterer Innenverteidiger ins Spiel, um den Sieg über die Zeit zu bringen. Was dann folgte, war eine fantastische Defensivleistung, die sogar in einem Rekord endete.

Burn verzeichnete trotz seiner kurzen Spielzeit sechs Klärungsaktionen und stellte damit den geteilten Höchstwert in einem WM-Spiel ein. Das ist die höchste Anzahl an Klärungen, die ein Spieler, der so spät eingewechselt wurde, seit 1966 jemals verbucht hat.

„Hätte ich mir nie im Leben erträumen lassen“

Das Spiel in Mexikos Festung, dem Aztekenstadion, wird Burn lange in Erinnerung bleiben, allerdings nicht nur wegen seines Mitwirkens. „Die Stimmung war der Wahnsinn. Bei der mexikanischen Nationalhymne war ich am Ende fast taub. Es war ein unglaubliches Erlebnis. Dieses Spiel gehört in so ein Stadion“, schwärmte der 34-Jährige.

„Ich glaube nicht, dass ich diese Nacht jemals vergessen werde. Ich bin sehr stolz darauf, bei einer Weltmeisterschaft für England zu spielen. Als ich angefangen habe, hätte ich mir nie im Leben erträumen lassen, dass ich das einmal sagen würde“, sagte der Verteidiger nach dem Spiel.

Burns harter Weg zum Profi

Diese Aussage ist keineswegs übertrieben, denn Burn musste einen außergewöhnlich steinigen Weg gehen, bevor ihm der Sprung ins Profigeschäft gelang. Nachdem der Engländer in der Jugend noch von Newcastle United aussortiert wurde, spielte er nur noch nebenbei in seinem Wohnort. Außerdem absolvierte er sein Sportstudium und arbeitete bei einem Supermarkt.

„Hättest du mir damals gesagt, dass ich einmal in der Premier League spielen würde, hätte ich dich ausgelacht“, sagte Burn in einem Interview mit der Sun vor der Weltmeisterschaft. Doch mit 17 Jahren nahm seine Karriere doch noch Fahrt auf, als er vom damaligen Viertligisten FC Darlington verpflichtet wurde, mit dem er später jedoch den Abstieg in die fünfte Liga hinnehmen musste.

Trotzdem folgte der Wechsel zum FC Fulham, wo er aber vorerst nur in der zweiten Mannschaft zum Zug kam. Es folgten Leihen zu Yeovil Town und Birmingham, bevor er 2016 fest von Wigan Athletic verpflichtet wurde. Dort wurde der 1,98m große Verteidiger zum Stammspieler in der englischen Championship. Der Durchbruch erfolgte dann in der Saison 18/19, als Burn mit 26 Jahren zu Brighton & Hove Albion in die Premier League wechselte.

WM 2026: Viertelfinale gegen Norwegen

Nach drei Jahren bei Brighton wagte Burn den nächsten großen Karriereschritt und schloss sich seinem heutigen Verein Newcastle United an – ausgerechnet jener Klub, der ihn als Elfjährigen aussortiert hatte. Dort qualifizierte sich der englische Nationalspieler in seinem zweiten Jahr für die Champions League und gewann in der Saison 24/25 den EFL-Cup.

Im Finale erzielte er sogar den Führungstreffer zum 1:0 gegen den FC Liverpool. Der wohl schönste Moment seiner Karriere – zumindest bis zu seinem WM-Debüt gegen Mexiko.

Nun steht das Viertelfinale gegen die starken Norweger an. Mit seinem überragenden Einsatz gegen Mexiko hat sich Burn definitiv für weitere Minuten bei dieser Weltmeisterschaft empfohlen.