Mehr Aufregung ging kaum, mehr Schmerz auch nicht. Zumindest nicht bei Kroatien. In einer packenden zweiten Halbzeit schien Ivan Perisic seine Mannschaft bei der WM mit dem Führungstreffer in der 53. Minute auf Achtelfinalkurs gebracht zu haben.
Portugal schlug aber zurück: Cristiano Ronaldo verwandelte einen Foulelfmeter zum Ausgleich (68.), ehe Goncalo Ramos die Partie in der Nachspielzeit mit dem 2:1 drehte (90.+4). Doch damit war die Nummer noch nicht durch.
WM 2026: Dramatisches Ende bei Kroatien vs. Portugal
In der 13. Minute der Nachspielzeit schien Josko Gvardiol die Kroaten doch noch in die Verlängerung zu retten. Allerdings hielt der Jubel nur kurz. Nach einer minutenlangen Überprüfung griff der Videoschiedsrichter ein und erkannte den Treffer wieder ab. Dabei ging es mithilfe des Chips im Ball um die Frage, ob der Freiburger Igor Matanovic den Ball vorher mit dem Kopf verlängert hatte und somit eine Abseitssituation entstanden war.
Die finale Entscheidung von Schiedsrichter Espen Eskas? Abseits. Es blieb beim 2:1 für Portugal – und bei großem Ärger bei den Kroaten. Denn während die Portugiesen durch den Sieg ins WM-Achtelfinale einzogen, schied Kroatien aus.
„Grausamer geht es nicht“ – Kroatien leidet
Entsprechend niedergeschlagen fielen die Reaktionen in der Heimat aus. Die nationale Presse antwortete mit Fassungslosigkeit. „Grausamer geht es nicht. Das Ende des Spiels Kroatien gegen Portugal bescherte uns ein beispielloses Drama“, titelte Sportske novosti, die wichtigste und einzige überregionale Sporttageszeitung des Landes.
Besonders am aberkannten Treffer von Gvardiol entzündete sich der Frust auf kroatischer Seite. Die Frage: Hatte Matanovic den Ball in der Entstehung tatsächlich noch mit dem Kopf berührt und damit die spätere Abseitsstellung verursacht? Die Fernsehbilder lieferten darauf keine eindeutige Antwort. Mehrere Wiederholungen ließen die vermeintliche Ballberührung allenfalls erahnen. Für die Schiedsrichter wiederum lieferte die Technik den entscheidenden Hinweis. Der mit einem 500-Hertz-Sensor ausgestattete Spielball von Adidas registriert selbst minimale Berührungen und übermittelt die Daten an den VAR.
Im konkreten Fall zeichnete das System einen kleinen Ausschlag auf, der als Beleg für eine Berührung durch den Stürmer gewertet wurde. Auch der Freiburger selbst nahm den letzten Zweifeln den Wind aus den Segeln. Er habe den Ball „leicht mit den Haaren“ gestreift, sagte Matanovic nach dem Abpfiff. An der Enttäuschung in Kroatien änderte das allerdings nichts. Das Nachrichtenportal Sata24 schrieb: „Diese schockierende Entscheidung wird sehr schwer zu akzeptieren sein. Es ist schade, dass es nicht geklappt hat.“
Wie geht es bei Modrić weiter?
„Es war ein wunderschönes Fußballspiel voller Chancen, Tore und Überraschungen. Am Ende feiern die Portugiesen einen 2:1-Sieg, ziehen in die nächste Runde ein und treffen dort auf Spanien, während die Kroaten nach Hause zurückkehren“, heißt es bei Sata24 weiter. Ähnlich fiel die Reaktion der Jutarnji list aus: „Es wird sehr schwer sein, die schockierende Entscheidung des Schiedsrichters tief in der Nachspielzeit zu verdauen. Sie waren so nah dran.“
Für Portugal geht die Weltmeisterschaft nach dem späten 2:1-Erfolg weiter. Für Kroatien hingegen dürfte das Ausscheiden das Ende einer Ära markieren: die von Luka Modrić. Ob er nach seinem 202. Länderspiel noch einmal für die Nationalmannschaft auflaufen wird, ließ der 40-Jährige offen. Sicher scheint lediglich, dass seine fünfte Weltmeisterschaft zugleich seine letzte gewesen sein dürfte.