85 Minuten waren im Stadio Olimpico von Rom gespielt, als die Entscheidung nahte.

Deutschland dominierte das WM-Finale gegen Titelverteidiger Argentinien um Diego Maradona, konnte die Überlegenheit aber lange nicht in Tore ummünzen. Dann wurde Rudi Völler im Strafraum gefoult, Schiedsrichter Edgardo Codesal zeigte auf den Punkt. Der Druck war enorm.

Andreas Brehme griff sich den Ball. Der gebürtige Hamburger galt als nervenstark, war bekannt für seine Technik und dafür, dass er mit beiden Füßen nahezu gleich stark schießen konnte. Brehme blieb cool.

Der Schuss landete rechts unten im Tor, Argentiniens Keeper Sergio Goycochea war chancenlos. Deutschland führte 1:0. Wenige Minuten später war die Mannschaft von Franz Beckenbauer Weltmeister. Es war der dritte deutsche WM-Titel nach 1954 und 1974.

Vom Waldhof-Talent zum Weltstar

Geboren wurde Andreas Brehme am 9. November 1960 in Hamburg. Nach Stationen beim HSV Barmbek-Uhlenhorst und dem 1. FC Saarbrücken kam er 1981 beim 1. FC Kaiserslautern erstmals in der Bundesliga zum Einsatz. Beim FC Bayern München und Inter Mailand entwickelte er sich zu einem der besten Außenverteidiger der Welt.

Vor allem bei Inter wurde Brehme zu einem Publikumsliebling. Mit den Mailändern gewann er 1989 die italienische Meisterschaft und 1991 den UEFA-Cup.

In der Nationalmannschaft gehörte er über Jahre zu den wichtigsten Spielern. Bereits bei der WM 1986 stand er im Finale gegen Argentinien auf dem Platz, vier Jahre später folgte die Revanche in Rom – mit ihm als Matchwinner.

Brehme war mehr als nur der Elfmeter-Schütze

Viele erinnern sich nur an den Strafstoß von Rom.

Dabei war Brehme während des gesamten Turniers einer der konstantesten deutschen Spieler. Er erzielte bei der WM 1990 insgesamt drei Tore und bereitete weitere Treffer vor. Seine Freistöße, Flanken und seine enorme Spielintelligenz machten ihn zu einer Schlüsselfigur der Mannschaft von Beckenbauer.

Lothar Matthäus war der Kapitän, Rudi Völler und Jürgen Klinsmann die Angreifer – doch Brehme gehörte zu den heimlichen Architekten des WM-Triumphs.

Schwierige Jahre nach der Karriere

Während viele Fans glauben, ehemalige Weltmeister hätten finanziell ausgesorgt, sah die Realität bei Brehme zeitweise anders aus. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn – diese endete 1998 mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft beim FCK – arbeitete er zunächst als Trainer beim 1. FC Kaiserslautern und bei der SpVgg Unterhaching. Die großen Erfolge blieben jedoch aus.

In den folgenden Jahren machten immer wieder Berichte über finanzielle Probleme die Runde. Medien berichteten zudem über Steuerschulden und wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zeitweise soll ihm sogar die Zwangsversteigerung seines Hauses gedroht haben. Nach einer Alkoholfahrt und dem Entzug des Führerscheins zog Brehme die richtigen Schlüsse und berichtete in der Folge ebenfalls Betroffenen von seinen Erfahrungen.

Freunde und Weggefährten unterstützten ihn immer wieder. Auch im Fußball blieb Brehme durch Repräsentationsaufgaben und Traditionsveranstaltungen präsent.

Der plötzliche Tod schockierte Fußball-Deutschland

Anders als viele Stars seiner Generation suchte Brehme nie das Rampenlicht. Bei Fanveranstaltungen nahm er sich oft Zeit für Autogramme und Erinnerungsfotos. Gerade deshalb war die Anteilnahme riesig, als bekannt wurde, dass es ihm gesundheitlich nicht gut ging.

Im Februar 2024 starb Andreas Brehme überraschend im Alter von 63 Jahren nach einem Herzstillstand. Die Nachricht löste weit über Deutschland hinaus Bestürzung aus. Weggefährten wie Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Rudi Völler würdigten ihn als außergewöhnlichen Menschen und Fußballer.

Sein Tor lebt bis heute weiter

36 Jahre nach dem WM-Finale von Rom ist Andreas Brehmes Elfmeter noch immer Teil der deutschen Sportgeschichte.

Die Bilder sind unvergessen: der konzentrierte Blick, der Anlauf, der präzise Schuss und anschließend der Jubel einer ganzen Nation. Dieser eine Schuss am 8. Juli 1990 machte Andreas Brehme unsterblich.