Die DFB-Krisensitzung hat die Vermutung verstärkt, die sich nach dem desaströsen WM-Aus der deutschen Mannschaft schnell breitmachte: Für Julian Nagelsmann gibt es als Bundestrainer keine Zukunft mehr – doch eine klassische Entlassung soll es zunächst nicht geben.

Nach SPORT1-Informationen sind die Verantwortlichen stattdessen darum bemüht, Nagelsmann zum Rücktritt zu bewegen.

Steht künftig wohl nicht mehr für die DFB-Elf an der Seitenlinie: Bundestrainer Julian Nagelsmann
Steht künftig wohl nicht mehr für die DFB-Elf an der Seitenlinie: Bundestrainer Julian NagelsmannSteht künftig wohl nicht mehr für die DFB-Elf an der Seitenlinie: Bundestrainer Julian Nagelsmann© IMAGO/Gribaudi/ImagePhoto

Die Gründe für dieses Vorgehen sind vielschichtig: So wollen die Bosse um DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Geschäftsführer Andreas Rettig, Sportdirektor Rudi Völler sowie Vize-Präsident Hans Joachim Watzke genau die Geschlossenheit symbolisieren, die sie in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben.

Räumt Nagelsmann seinen Posten freiwillig, dürfte das auch sein eigenes Ansehen in der Bevölkerung verbessern. Als Vorbild taugt dabei Ronald Koeman, Ex-Trainer der niederländischen Nationalmannschaft, der kurz nach dem Aus im Sechzehntelfinale gegen Marokko seinen Rücktritt verkündet hatte.

Nagelsmann-Entlassung wäre ein finanzieller Kraftakt

Wie SPORT1 erfahren hat, wiegt beim DFB das Finanzielle aber deutlich schwerer als die öffentliche Wahrnehmung. Denn durch das frühe Ausscheiden gingen den Verantwortlichen mehrere Millionen an FIFA-Prämien durch die Lappen.

Nagelsmanns Arbeitspapier ist bis Sommer 2028 gültig und bringt dem Übungsleiter geschätzte sieben Millionen Euro pro Jahr ein. Falls Nagelsmann nicht freiwillig zurücktritt, könnte er also noch rund 14 Millionen (zwei Jahresgehälter) einstreichen – auch bei einer Entlassung.

Möglich ist, dass sich der DFB und Nagelsmann bei einem freiwilligen Rücktritt in der Mitte treffen und sich auf ein Jahresgehalt als Abfindung einigen – ein Kompromiss, mit dem der DFB sieben Millionen sparen und sich auf den Kraftakt einer denkbaren Verpflichtung von Jürgen Klopp vorbereiten würde.

Für Klopp muss der DFB tief in die Tasche greifen

Der 59-Jährige soll als Head of Soccer bei Red Bull rund zehn Millionen Euro pro Jahr verdienen (Vertrag bis 2029). Ob Klopp, der die WM aktuell als TV-Experte begleitet, sich künftig mit sieben Millionen Euro pro Jahr abfinden würde, müssten die Verantwortlichen erstmal abklopfen.

Ebenso fraglich ist, ob Red Bull seinen Head of Soccer ohne eine Ablösesumme ziehen lassen würde – eine Ausstiegsklausel des Vertrags ist schließlich nicht bekannt. Für Wunschkandidat Klopp müsste der DFB also tief in die Tasche greifen.

Für den DFB und Nagelsmann gilt also: irgendwie zusammenfinden. Zum einen, um das Gesicht zu wahren. Zum anderen, um Geld zu sparen.