Eigentlich hätte er eine Auswechslung mit donnerndem Applaus verdient gehabt. Doch als Deniz Undav am Sonntagabend gegen Finnland nach einer guten Stunde vom Platz musste, überwog im Publikum in Mainz eher die Sorge.
Zwei Tore und einen Assist hatte der 29-Jährige gerade beigesteuert und damit die WM-Stimmung im Land auf Temperatur gebracht. Und ausgerechnet dieser Mann sollte jetzt verletzt ausfallen?
Verletzung? Das sagt Deniz Undav selbst
Es sei „die untere Arschbacke“, diagnostizierte sich Undav später auf Nachfrage von SPORT1 und gab gleichzeitig Entwarnung. In ein paar Tagen sei die Blessur wieder überstanden. Vielen Fans dürfte dabei ein Stein vom Herzen gefallen sein, schließlich ist der Stürmer aktuell ein Torgarant und Publikumsliebling – quasi die „Arschbacke der Nation“.
Selbst der Bundestrainer kam – anders als noch im März – nicht darum herum, Undav zu loben und ein gutes Spiel zu bescheinigen. „Er war immer gefährlich, hat gefährliche Situationen in der Box gehabt. Wir brauchen Spieler, die das Ding über die Linie drücken. Das hat er sehr gut gemacht“, erklärte Julian Nagelsmann. Mit zwei Toren und einer Vorlage „spielst du dich nie aus der Mannschaft“, so der 38-Jährige.
Undav oder Havertz? Luxusproblem für Julian Nagelsmann
Dass der Coach im deutschen Angriff dauerhaft umdenken wird, ist trotzdem unwahrscheinlich. Als Stammkraft ist dort weiterhin Kai Havertz eingeplant. „Wir brauchen Kai. Sein Tor im Champions-League-Finale war außergewöhnlich“, sagte Nagelsmann und schwärmte weiter: „Man hat seine Bedeutung gesehen, seinen Fleiß in der Defensive, seine brutale Kopfballstärke auch defensiv bei Standards.“
Es sind Attribute, die Undav nicht vollumfänglich mitbringt. Er ist als Stürmer eher klassisch unterwegs, in der Defensive ist er weniger zu finden. Obendrein steht immer noch die Frage im Raum, ob er in der Hitze von Houston tatsächlich 90 Minuten durchsteht. Genau das hatte Nagelsmann Ende März in Zweifel gezogen. Eine Antwort dürfte es erst nach Ankunft der Mannschaft in Winston-Salem (North Carolina) geben.
Gut für Nagelsmann: Bei der Entscheidung zwischen Undav und Havertz handelt es sich um ein Luxusproblem, das der Bundestrainer schon längere Zeit nicht mehr hatte. Und: Keiner der beiden Stürmer dürfte für Ärger sorgen.
Sonderlob von Matthäus für Undav
Dafür gab es noch am Montag Lob von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. „Was mir imponiert hat in den letzten Monaten, war die Beziehung zu Julian Nagelsmann, diese Unruhe: Das steckt er weg, er lacht darüber“, sagte Matthäus der Bild.
Für Undav zähle „die Leistung auf dem Platz – seine Tore und Vorlagen sprechen für sich. Er lässt dort Taten sprechen. Für Julian Nagelsmann wird es auch schwierig werden, vielleicht wenn Kai Havertz zurückkehrt, auf ihn zu verzichten.”
Undav selbst erklärte am Sonntag: „Egal, wer spielt, der hat es verdient.“ Dabei war ihm anzumerken, dass auch er kein Interesse daran hat, so kurz vor einem Turnier für Diskussionen zu sorgen. Eine Debatte wie im März soll es nicht geben – daran halten sich alle.
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