Andreas Brehme und Sepp Maier: Die Helden der Weltmeistermannschaft von 1990! Der eine erzielte das entscheidende Tor per Foulelfmeter im Finale gegen Argentinien (85./1:0), der andere betreute die deutschen Torhüter.
Doch die Titelmacher hatten damals nicht nur sportlich einiges drauf, sondern auch den einen oder anderen Schelm unter sich. Olaf Thon erinnert sich im SPORT1-Podcast „Deep Dive“ bei Moderator Lenny Peteanu an amüsante Episoden – von einem Hasen-Streich an den Physiotherapeuten bis zu einem nächtlichen Umtrunk mit Trainer Franz Beckenbauer.
Ort des Geschehens war das deutsche Quartier in Erba, eine kleine Stadt in der Lombardei unweit des Comer Sees.
Vor dem Auftaktspiel wurde Wasserski gefahren, so Thon: „Ich bin davor noch nie Wasserski gefahren. Die haben mir nur gesagt: ‚Beine durchdrücken.‘ Da hast du drei Tage Muskelkater danach gehabt. Normal hätte man das nie machen dürfen wenige Tage vor dem Spiel.“
Die Aktion stand stellvertretend für die lockere Laune im DFB-Camp, nur einer konnte von der Ernsthaftigkeit selten ablassen: Physiotherapeut Adolf, kurz Adi, Katzenmeier.
WM 1990: Als Sepp Maier einen Hasen bestellte
Der Plan: „Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Rudi Völler hatten das ausgeheckt. Andi hatte gesagt: ‚Ich schmeiße mich auf den Boden und ihr präpariert vorher seinen Arztkoffer und macht da einen Hasen rein.‘“
Doch wie bekommt man einen Hasen unauffällig in ein WM-Quartier? Der Überlieferung nach soll Sepp Maier bei der Hotelrezeption angerufen und nach einem entsprechenden Tier gefragt haben.
Die Antwort: Man sei ein anständiges Hotel, hier werden keine Häschen bestellt. Maiers Retourkutsche: „Ein Kaninchen mein‘ ich doch.“ Das soll er umgehend erhalten haben.
Thon führt weiter aus: „Also alles raus (aus dem Arztkoffer, Anm. d. Red.), Hase rein, Brehme fällt um und schreit: ‚Adiii, Adiii!‘ Wir haben ihm den Koffer gebracht, er wollte aber erst nicht. Auf einmal rennt er dahin, macht den Koffer auf und da springt der Hase raus.“
Beckenbauer überzeugte Physiotherapeut vom WM-Verbleib
Vor den Augen zahlreicher Zuschauer, die dem Training beiwohnten, brachen die Spieler in Gelächter aus. Thon erinnert sich jedoch: „Das Problem war: Adi wollte aufgrund der Geschichte abreisen. Der war sauer. Franz Beckenbauer hat ihn dann beim Abendessen in den Arm genommen und wir konnten ihn überzeugen, zu bleiben.“
Eine derart gelöste Stimmung ist aus dem aktuellen DFB-Quartier im US-amerikanischen Winston-Salem noch nicht überliefert. Zwar sind Poolspielchen und Basketball-Partien an der Tagesordnung, alkoholische Zapfmöglichkeiten sind im Gegensatz zu damals aber wohl kaum vorhanden.
„Wir hatten unsere Freiheiten, Franz Beckenbauer hat eine lange Leine gehabt“, erzählt Thon: „Wenn wir abends nach dem Zapfenstreich um 11 Uhr hinter der Bar uns leise in die Zimmer bewegen wollten, hat er dann gesagt: ‚Ich habe euch schon gesehen. Ihr könnt ruhig noch hierhin kommen, lasst uns noch ein Bier trinken. Und gute Nacht. Danach haben wir nie wieder darüber gesprochen. Er hatte ein gutes Händchen.“
Dieses hatte er nicht nur neben dem Platz: Auch auf dem Feld stellte der „Kaiser“ die richtige Mannschaft zusammen – und führte sie mit Humor und einem Kaninchen zum WM-Titel.