Ganz Australien bebte – wegen eines 20‑Jährigen, der vor zwei Jahren als eines der spannendsten Talente der A‑League zum FC Bayern wechselte, dort den Durchbruch aber nicht schaffte. Nestory Irankunda, der Junge, der in einem Flüchtlingslager in Tansania geboren wurde und in Adelaide aufwuchs, hat im ersten WM‑Spiel der Socceroos ein Tor erzielt, das ein ganzes Land elektrisiert hat.
„Es ist eine Ehre, ein Traum wird wahr für mich. Das ist episch, wir haben gekämpft bis zum Ende und alles gegeben“, schwärmte der 20-Jährige.
Nestory Irankundas Weg auf die große Bühne des Weltfußballs begann aber weit entfernt von den Arenen, in denen er heute spielt. 2006 in einem Flüchtlingslager in Tansania geboren, wuchs er unter Bedingungen auf, die er selbst später als prägend bezeichnete. „Aus den Geschichten, die ich gehört habe, weiß ich, dass es sehr hart für meine Eltern war“, sagte er in einem dpa‑Interview.
Größtes Talent in Australien
Seine fußballerische Reise nahm in Adelaide Fahrt auf. Bei Salisbury United, einem kleinen Klub im Norden der Stadt, fiel er erstmals auf. Es war der Beginn einer Entwicklung, die in Australien schnell für Aufsehen sorgte.
Mit 15 debütierte Irankunda für Adelaide United in der A‑League – und sein damaliger Coach Airton Andrioli erkannte sofort, dass hier ein außergewöhnlicher Spieler heranwuchs. „Ich hatte in Australien noch nie ein solches Talent gesehen“, erklärte Andrioli rückblickend in einem Interview mit News.com.au. Er beschrieb Irankunda als Rohdiamanten, den es freizulegen galt.
Als Irankunda im Sommer 2024 beim FC Bayern München ankam, galt er als eines der aufregendsten Talente des australischen Fußballs. Ein Flügelspieler mit einer Endgeschwindigkeit von über 37 km/h, ein Dribbler mit Wucht, ein Spieler, der in der A‑League regelmäßig Spiele entschied. Doch in München wurde aus dem verheißungsvollen Transfer kein Durchbruch, sondern eine Episode, die schneller endete, als sie begonnen hatte.
Keine Chance beim FC Bayern
Während seiner Zeit beim Rekordmeister kam Irankunda ausschließlich für die Bayern Amateure in der Regionalliga zum Einsatz. Dort absolvierte er 15 Spiele, erzielte 4 Tore und bereitete 3 Treffer vor. Doch für einen Sprung zu den Profis reichte es nicht – dort saß er nur wenige Male auf der Bank. Die Leihe zu den Grasshopper Zürich im Januar 2025 sollte Spielpraxis auf höherem Niveau bringen, doch auch dort blieb er Ergänzungsspieler. Ein halbes Jahr später folgte schließlich der Wechsel nach England zum FC Watford.
„Es war eine schwere Entscheidung, aber mein größtes Ziel ist es natürlich, bei der Weltmeisterschaft zu spielen“, sagte Irankunda letzten Sommer gegenüber Sky Sports. „Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür, und ich muss Spielzeit bekommen – bisher habe ich keine Spielzeit bekommen.“
Beim FC Watford bekam Irankunda das, was ihm in München gefehlt hatte: Vertrauen, Spielzeit und Verantwortung. In seiner ersten Saison absolvierte er über 40 Pflichtspiele, weil der Championship‑Klub von Beginn an konsequent auf sein enormes Tempo und seine Explosivität setzte.
Auf dem Weg zum Nationalhelden?
Für die Socceroos ist der 20-Jährige heute mehr als ein Talent. Er ist ein Spieler, der eine Dimension ins australische Offensivspiel bringt, die lange gefehlt hat. Australien war traditionell stark im Kollektiv, robust, diszipliniert – aber selten individuell durchschlagskräftig. Der junge Stürmer ändert das und bewies es auch sofort in seinem ersten WM-Spiel für Australien.
Bei seinem Torjubel – Irankunda boxte in die Luft – erinnerte er an eine australische Fußballlegende: Rekordtorjäger Tim Cahill. „Er war meine größte Inspiration. Wenn es um Fußball geht, sind das er und Lionel Messi. Tim Cahill ist meiner Meinung nach Australiens Größter“, sagte Irankunda.