Ilkay Gündogan hat Leroy Sané vehement verteidigt. Der einstige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wies die Kritiker des aktuellen WM-Fahrers in die Schranken – verriet aber auch, was selbst ihn manchmal an Sané störe.

Leroy polarisiert. Das verstehe ich. Aber als Spieler ist es mental unheimlich schwer, damit umzugehen“, schrieb Gündogan in einer Kolumne für den Spiegel.

Ilkay Gündogan und Leroy Sané spielen zusammen bei Galatasaray Istanbul
Ilkay Gündogan und Leroy Sané spielen zusammen bei Galatasaray IstanbulIlkay Gündogan und Leroy Sané spielen zusammen bei Galatasaray Istanbul© IMAGO/Ulrich Hufnagel

Sané, so erklärte der 35-Jährige weiter, habe oft das Gefühl, „dass die Leute nur darauf warten, dass er etwas falsch macht. Ich merke, dass er mental nicht immer so frei ist, wie er es für sein assoziatives Spiel bräuchte.“

Sané? „Wenn ständig die Angst mitspielt …“

Als Profi spiele man auch für die Anerkennung des Publikums. Bleibe diese aus, sei das „wie manchmal bei Leroy, unheimlich schwer zu verarbeiten.“

Sein langjähriger Teamkollege, den er auch als Nachbarn und Freund kennt, sei „ein Spieler, der Freiraum für Fehler braucht. Nur dann kann er sich wirklich entfalten. Aber wenn ständig die Angst mitspielt, dass nach dem ersten Fehler im Spiel sofort wieder Kritik aufkommt: Wie soll Leroy da dauerhaft funktionieren?“

Sané war zuletzt nach dem 7:1-Auftaktsieg der deutschen WM-Mannschaft gegen Curacao in die Kritik geraten, weil er im Vergleich mit seinen Mitspielern in der Offensive erkennbar abgefallen war – zumindest was die Torbeteiligungen anging.

Das alleine will Gündogan aber nicht als Bewertungsgrundlage gelten lassen. Obwohl er natürlich weiß, dass die Kritik an Sané nicht grundlos immer wieder aufflammt.

Diese Probleme sieht Gündogan bei Sané

„Leroy hat seine Fehler, ja“, verriet Gündogan: „Manche Angewohnheiten stören mich auch. Wenn er zum Training erscheint und erst einmal herumalbert, wenn er laut lacht. Dann denke ich bisweilen: Wie kann der gleich bereit sein, Leistung zu bringen?“

Im Ernstfall sei Sané zwar stets zur Stelle, doch es gebe noch einen anderen Kritikpunkt: „Leroy hat ein Problem: Er lässt sich von misslungenen Aktionen auf dem Platz zu schnell herunterziehen. Er ist ein sehr emotionaler Spieler. Ich sage ihm oft, dass er daran arbeiten muss.“

Er wünsche sich, so schrieb Gündogan zum Abschluss, „dass die Menschen ein bisschen genauer hinsehen, wie Leroy Sané eigentlich wirklich ist.“ Der einstige DFB-Kapitän hofft auf mehr Unterstützung für seinen langjährigen Weggefährten, mit dem er aktuell bei Galatasaray zusammenspielt.