Der geschätzte Marktwert von Cole Palmer beträgt aktuell 110 Millionen Euro – genauso viel wie der eines gewissen Florian Wirtz. Der große Unterschied: Der eine gilt als die große Hoffnung bei der WM für Deutschland und der andere hat es nicht einmal in den Kader der englischen Nationalmannschaft geschafft.
„Viele schwierige Entscheidungen“ habe Thomas Tuchel in den vergangenen Tagen treffen müssen, so drückte es der Nationaltrainer Englands bei der Kadernominierung aus. In der Folge gab er an, sich „erleichtert“ zu fühlen: Er sei „bereit, loszulegen“. Doch wer eben nicht loslegen darf, ist Palmer.
Dabei schien die Karriere des 24-Jährigen vor nicht allzu langer Zeit nur eine Richtung zu kennen. Das letzte Mal, als Palmer in den USA auf dem Platz stand, führte er den FC Chelsea mit zwei Treffern und einer Vorlage im Finale quasi im Alleingang zum Titel der Klub-Weltmeisterschaft. Anschließend überreichte ihm US-Präsident Donald Trump sogar den Goldenen Ball, die Auszeichnung zum besten Spieler des Turniers.
Der Höhenflug endet abrupt
Zu diesem Zeitpunkt dürfte Palmer wohl noch fest davon ausgegangen sein, dass sein nächster Aufenthalt in den USA die Chance bieten würde, Tuchel und England zum großen Triumph zu führen. Doch dazu wird es nicht kommen.
Der Wechsel von Manchester City zum FC Chelsea hätte für Palmer anfangs nicht besser laufen können. 25 Tore und 15 Vorlagen konnte der Engländer in seiner Debüt-Saison 23/24 bei den Blues beisteuern. Dazu die Ehrung zum „PFA Young Player of the Year“. Eine Auszeichnung, die an den besten jungen Spieler (maximal 21 Jahre alt) der Saison im englischen Fußball verliehen wird.
Auch in der Folgesaison konnte Palmer noch mit guten Leistungen hervorstechen, wenngleich er nicht an seine hervorragende Premierensaison anknüpfen konnte. Am Ende standen auch in dieser Spielzeit starke 32 Scorerpunkte auf seinem Konto. Dazu der Sieg in der Conference League und der Gewinn der Klub-Weltmeisterschaft. Doch so erfolgreich sollte es nicht weitergehen.
Palmer mit durchwachsener Saison
Eine hartnäckige Leistenverletzung warf Palmer zu Beginn der abgelaufenen Saison 25/26 wochenlang zurück, sodass der Engländer in den ersten 13 Premier-League-Partien nur dreimal auf dem Platz stand. Auch nach der überstandenen Verletzungspause kam Palmer nicht so richtig in Fahrt. Er erzielte am Ende zwar zehn Tore in 26 Premier-League-Einsätzen, doch es fehlten diese besonderen Momente, die ihn in den vergangenen Spielzeiten ausgemacht haben.
„Ich glaube, er leidet vor allem unter einer schwachen, individuellen Form im Verein. Er war über die gesamte Saison hinweg nicht so entschlossen und einflussreich wie in den vergangenen Spielzeiten“, begründete Tuchel seine Entscheidung, Palmer nicht mit zum Großevent nach Nordamerika zu nehmen.
Auch für England lief es zuletzt nicht optimal: Palmer verpasste acht der zehn möglichen Länderspiele im vergangenen Jahr. Die beiden Freundschaftsspiele im März bestritt der 24-Jährige, konnte dabei allerdings nicht hervorstechen. „Er hatte bei uns keinen großen Einfluss. Seine Bilanz bei uns war einfach nicht herausragend, nicht gut genug, um zu sagen: ‚Egal was passiert, er kommt.‘ Das ist nun mal die Realität“, führte Tuchel weiter aus.
Rückschlag oder Chance?
So hart diese Entscheidung sportlich für Palmer ist, könnte er auf lange Sicht auch davon profitieren. Nach 52 Pflichtspielen und mehr als 4200 Einsatzminuten in der Vorsaison wirkte der Engländer über weite Strecken körperlich ausgelaugt. Die fast nicht vorhandene Pause im Sommer 2025 nach Conference-League-Sieg und Klub-WM-Titel dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben.
Nun bekommt Palmer erstmals seit langer Zeit eine echte Pause. Zeit, um seinen Körper vollständig zu regenerieren – und Zeit, um sich gezielt auf die neue Saison beim FC Chelsea vorzubereiten. Eine gute Vorbereitung wird dringend nötig sein, denn durch die 1:2-Niederlage gegen Sunderland am letzten Premier-League-Spieltag verpassten die Blues sogar die Qualifikation für das internationale Geschäft.
Palmer wird seinen Platz als Leistungsträger beim FC Chelsea so schnell nicht verlieren. Zudem kann er sich jetzt deutlich früher als die WM-Fahrer mit dem neuen Coach Xabi Alonso auf die neue Saison vorbereiten. Was für Palmer zunächst als Strafe wirken dürfte, könnte sich langfristig als eine unerwartete Chance auf einen Neustart entpuppen.