Spätestens seit der Nacht des 6. Mai in München wird Willian Pacho anders wahrgenommen. Im Rückspiel des Champions-League-Halbfinals trotzte PSG dem FC Bayern ein 1:1 ab, nach dem wilden 5:4 im Hinspiel reichte das zum Finalticket. Und Pacho? Der räumte im Zentrum kompromisslos ab und wurde zum Spieler des Spiels gekürt.
„Er hat Harry Kane in seine Tasche gesteckt“, raunte ein Klub-Insider in der L’Équipe . Der englische Torjäger des FC Bayern kam zwar in der Nachspielzeit noch zum Ausgleich, doch bis dahin prallte fast alles an Pacho ab. Ausgerechnet nach einem schwierigeren Hinspiel war es die brutale Antwort des Ecuadorianers.
In Paris gilt der 24-Jährige intern längst als Fixpunkt – „vielleicht der Beste der Welt auf seiner Position“. Trotzdem fehlte sein Name bei der Liste der 30 Ballon-d’Or-Nominierten. Dabei war Pacho schon 2024 für rund 45 Millionen Euro aus Frankfurt gekommen – als erster Ecuadorianer in der PSG-Historie.
Pacho ist in Paris unangefochten
Seitdem gilt das Pacho-Paradox: Oft ist er dominant im Schatten der Superstars der Offensive, aber selten laut und deshalb oft unter dem Radar. Er spielt nicht für Bilder, sondern für Kontrolle – mit Antizipation, Timing und sauberer Technik. Sein Ex-Trainer Renato Paiva beschreibt ihn treffend in der L’Équipe: „Er las das Spiel so gut, dass er nicht in den Zweikampf gehen oder seinen Körper einsetzen musste.“
Auch im PSG-Kader wirkt sein Auftreten eher wie ein ruhiger Strom. Er redet wenig, feiert Grätschen nicht – und strahlt trotzdem Sicherheit aus.
Sein Weg führte zuvor über Royal Antwerp (Januar 2022 bis Juli 2023), ehe er in Deutschland und dann in Paris endgültig in der Spitze ankam. Jetzt wartet das Endspiel in Budapest gegen Arsenal (Samstag, 18 Uhr). Für einen Verteidiger, der nie drängt, fühlt sich das wie die perfekte Bühne an.
Pacho selbst verweigert jede Ich-Erzählung – selbst nach Lobeshymnen. „Ohne dieses Team wäre ich kein großer Verteidiger“, sagte er und verwies auf Marquinhos und Nuno Mendes. Und genau so bleibt er: in anderer Dimension – aber ganz leise.