Der FC Barcelona verliert im spanischen Champions-League-Kracher gegen Atlético Madrid nach Horror-Minuten vor dem Halbzeitpfiff mit 0:2. Julián Álvarez (45.) hatte die Gäste in Führung gebracht, der eingewechselte Alexander Sörloth erhöhte nach der Pause (70.).

Die Mannschaft von Trainer Hansi Flick steht vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag nun vor einer Mammutaufgabe, um das drohende Aus im Viertelfinale abzuwenden. Der ehemalige Bundestrainer blieb allerdings zuversichtlich und sagte bei Movistar+: „Wir haben verloren, aber wir hatten sehr gute Chancen. Wir geben nicht auf. Ich glaube, wir hatten viele Möglichkeiten.“

Der FC Barcelona muss die zweite Halbzeit in Unterzahl absolvieren
Der FC Barcelona muss die zweite Halbzeit in Unterzahl absolvieren Der FC Barcelona muss die zweite Halbzeit in Unterzahl absolvieren© IMAGO/NurPhoto

Eingeleitet wurde die Pleite in der 41. Minute. Álvarez spielte einen punktgenauen Steilpass zu Giuliano Simeone, der sich frei auf den Weg in Richtung des gegnerischen Tores aufmachte. Innenverteidiger Pau Cubarsí lief seinem Gegenspieler jedoch in die Hacken und brachte ihn somit zu Fall.

Cubarsís Notbremse wird doppelt bestraft

Zunächst schien der Spanier noch einmal glimpflich davonzukommen, da Schiedsrichter István Kovács nur eine Gelbe Karte verteilte. Allerdings schaltete sich der VAR um den deutschen Video-Assistenten Christian Dingert schnell ein und forderte den Rumänen dazu auf, sich die Szene noch einmal anzuschauen.

Nach kurzer Bedenkzeit revidierte der Unparteiische daraufhin seine Entscheidung und stellte Cubarsí aufgrund einer Notbremse mit einer Roten Karte vom Feld.

„Ich weiß nicht, es könnte eine Rote Karte sein oder auch nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob er den Ball ausreichend berührt hat. Der Ball war hinter ihm“, zeigte sich Flick nach dem Abpfiff kritisch.

Die unglückliche Aktion des jungen Spaniers wurde jedoch gleich doppelt bestraft. Alvarez legte sich den Ball für den folgenden Freistoß zurecht und zirkelte ihn sehenswert in den rechten Knick.

Barca fordert Platzverweis für Atlético-Star

Das Traumtor war der Höhepunkt einer ersten Halbzeit, die mit mehreren Aufregerszenen gespickt war. So forderte Barcelona wenige Minuten vor dem 0:1 noch einen Platzverweis für Atléticos Koke. Der bereits verwarnte Spanier langte gegen Lamine Yamal ordentlich zu, entkam aber einer Gelb-Roten Karte.

Barcelona hatte die Anfangsphase des Spiels bestimmt. Marcus Rashford und Superstar Yamal sorgten immer wieder für Gefahr. In der 18. Minute jubelte Barcelona über die vermeintliche Führung, doch Torschütze Rashford stand beim Zuspiel von Yamal im Abseits. Kurz darauf scheiterte der Engländer an Atleticos Torhüter Juan Musso (30.).

In Unterzahl und in Rückstand sah sich Flick zu einer deutlichen Reaktion gezwungen und nahm zur Pause deshalb einen Doppelwechsel vor. Fermín Lopez und Gavi kamen für Robert Lewandowski und Pedri in die Partie.

Eiskaltes Atlético bestraft Barca

Der spanische Tabellenführer erwischte auch nach dem Wiederbeginn einen guten Start und drängte trotz der Dezimierung auf den Ausgleich. Zahlreiche Großchancen ließ Barcelona vor allem zwischen der 50. und 60. Minute aus und wurde folglich bestraft.

Eiskalte Rojiblancos kombinierten sich gegen passive Barca-Stars in die gefährliche Zone. Dort startete Matteo Ruggeri durch und bediente den eingewechselten Sörloth am ersten Pfosten. Mit etwas Glück bezwang der Norweger dort freistehend Torhüter Joan García.

Für Atlético war der einzige Tiefpunkt des Abends die Verletzung von Verteidiger Dávid Hancko. Der Slowake war nach etwas mehr als einer halben Stunde ausgewechselt worden. Ohne Einwirkung eines Gegenspielers verletzte er sich offenbar am Sprunggelenk.

Dávid Hancko musste vom Feld begleitet werden
Dávid Hancko musste vom Feld begleitet werden Dávid Hancko musste vom Feld begleitet werden © IMAGO/ZUMA Press Wire

Barca-Frust nach vermeintlichem „Kid’s Mistake“

Größer war der Frust nach dem Abpfiff dennoch bei Barcelona. Flick und einige seiner Akteure hatten einiges an Gesprächsbedarf und redeten vehement auf den Schiedsrichter ein. Joao Cancelo sah deshalb noch eine Gelbe Karte.

Für besondere Diskussionen sorgte im Nachgang vor allem eine Szene aus der 54. Minute. Atléticos Marc Pubill legte sich einen flachen Abstoß seines Torhüters am Fünfer mit der Hand zurecht und führte diese noch einmal aus. Ein sogenannter „Kid’s Mistake“?

Das Stadion forderte lautstark einen Elfmeter, doch sowohl der Pfiff als auch eine Anmerkung des VARs blieben aus.

„Ich verstehe nicht, warum der VAR nicht eingreift“, ärgerte sich Flick und meinte: „Es ist normal, Fehler zu machen, aber in solchen Situationen – wozu haben wir denn den VAR? Das hätte ein Elfmeter und die zweite Gelbe, also die Rote Karte sein müssen.“

Uneinig waren sich derweil die Schiedsrichter-Experten in Spanien. „Das ist ein gigantischer technischer Fehler. Glasklarer Elfmeter“, meinte Iturralde González, Schiedsrichter-Analyst für AS und die Cadena SER und sprach sogar von einem Skandal.

Anders sah dies offenbar der ehemalige Schiedsrichter Alfonso Pérez Burrull. „Der Schiedsrichter entschied, dass der Ball nicht im Spiel war. Es befand sich kein Gegenspieler in der Nähe, und die Regelauslegung beruht auf Fairness und dem Verständnis für den Geist des Spiels“, erklärte er.