In Spanien ist man sich einig, weshalb Real Madrid am Mittwochabend auf bittere Art und Weise aus der Champions League ausgeschieden ist.

Es lief die 86. Minute in einem packenden Viertelfinal-Rückspiel zwischen dem FC Bayern und den Königlichen (4:3), als Eduardo Camavinga in der gegnerischen Hälfte Harry Kane zu Fall brachte. Nach einem Pfiff des Schiedsrichters Slavko Vincic nahm der Franzose den Ball in die Hand und verhinderte somit eine schnelle Spielfortsetzung der Gastgeber. Bayern-Stars um Joshua Kimmich und Kane reklamierten dies beim Unparteiischen, der Camavinga die Gelbe Karte zeigte.

Schiedsrichter Slavko Vincic (r.) wird in Spanien kritisch gesehen
Schiedsrichter Slavko Vincic (r.) wird in Spanien kritisch gesehenSchiedsrichter Slavko Vincic (r.) wird in Spanien kritisch gesehen© IMAGO/Ball Raw Images

Vincic wendete sich vom Real-Star ab – und bemerkte dem Anschein nach erst wenige Augenblicke später, dass er ihn bereits acht Minuten zuvor nach einem taktischen Foulspiel mit Gelb verwarnt hatte. Folglich zückte der Slowene Gelb-Rot, Camavinga verstand die Welt nicht mehr.

Arbeloa tobt nach Abpfiff: „Ist unglaublich“

Nicht nur der 23-Jährige, der erst in der 62. Minute eingewechselt worden war, blieb nach dieser Aktion fassungslos zurück. In Spanien ist von einer großen „Ungerechtigkeit“ die Rede, Real-Cheftrainer Álvaro Arbeloa tobte nach Spielende: „Es ist unglaublich, du kannst dafür keinen Spieler vom Platz stellen. Es ist unfair, wir sind sehr wütend und aufgebracht“, sagte er bei DAZN. Der Schiedsrichter habe „das Spiel ruiniert“, Vincic hätte für die minimale Zeitverzögerung „nie im Leben“ eine weitere Gelbe Karte zücken dürfen.

In Spanien stieß Arbeloa auf Zuspruch; Ex-Schiedsrichter Alfonso Pérez Burrull wertete den Platzverweis als „völlig unverhältnismäßig“. Es grenze an „Machtmissbrauch“, Camavinga „wegen einer solchen Aktion vom Platz zu stellen. Er hält den Ball nur drei Sekunden lang, und der Schiedsrichter muss viel ausgewogener vorgehen, wenn man bedenkt, was für die Mannschaften auf dem Spiel steht, und vor allem angesichts der Auswirkungen auf das Spiel“, befand der Spanier in der Sendung „Marcador“ von Radio Marca.

Ex-Schiedsrichter nach Platzverweis empört

Sein ehemaliger Unparteiischen-Kollege Eduardo Iturralde Gonzalez ärgerte sich ebenfalls maßlos über die Entscheidungsfindung von Vincic. „Auf diesem Niveau kann man niemanden für so etwas verwarnen. Wenn man den Ball mitnimmt, kann man laut Regelwerk verwarnen. Aber hier kommt der gesunde Menschenverstand ins Spiel: Auf diesem Niveau kann man niemanden deswegen auf zehn Mann reduzieren. Das wird man ihm sicher irgendwann sagen. Es waren vier Meter aus dem Nichts… Aber Camavinga darf das nicht tun, das ist auch wahr“, wird Gonzalez in der AS zitiert.

Eine Sache war dem Spanier aber besonders ein Dorn im Auge. Die Tatsache, dass Vincic zunächst nur Gelb zeigte und vermutlich nicht wusste, dass er Camavinga bereits verwarnt hatte, ließ Gonzalez verwundert zurück. „Wenn man eine zweite Gelbe Karte zeigt, muss man sofort die Rote zeigen, aber er drehte sich um und merkte erst dann, dass es die zweite war, und ging hin, um die Rote zu zeigen. Seiner Körpersprache nach zu urteilen, scheint es, als hätte er nicht gewusst, dass es die zweite war. Und ich glaube, wenn er es weiß, zeigt er sie nicht wegen so etwas.“

Camavinga als Wiederholungstäter

Der ehemalige deutsche Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer teilt derweil die Meinungen der spanischen Ex-Referees. „In so einem Spiel kurz vor Schluss müssen die persönlichen Strafen sitzen“, sagte er im ZDF. „Zu diesem Zeitpunkt darf man so eine Gelb-Rote Karte auf der Ebene nicht geben.“

Übrigens: Schon in der vergangenen Spielzeit hatte Camavinga im Viertelfinale eine Ampelkarte wegen Spielverzögerung gesehen. Der Franzose hatte im Hinspiel beim FC Arsenal (3:0 für die Gunners) in der Nachspielzeit Gelb-Rot gesehen, da er den Ball weggeschlagen hatte.