Trauer um einen der schillerndsten Torhüter der Bundesliga-Geschichte: Der einstige Nationalkeeper Manfred Manglitz ist tot.
Manglitz schrieb Geschichte als erster Torwart, der in der Bundesliga ein Tor erzielte – im Juni 1967 per Elfmeter zum 1:3 für den MSV gegen Borussia Mönchengladbach. Zu seiner Vita gehört aber auch eine lebenslange Sperre, weil er eine nicht unwesentliche Rolle im großen Manipulationsskandal von 1971 spielte.
Er wurde verglichen mit Muhammad Ali
Manglitz, geboren am 8. März 1940 in Köln als Sohn eines Buchbinders geboren. Die Entbehrungen in seiner Kindheit während und nach dem Zweiten Weltkrieg prägten ihn anders als viele Zeitgenossen: Er entwickelte sich zu einem Lebemann mit Geschäftssinn.
Als während seiner Zeit beim MSV Duisburg (damals: Meidericher SV) die ersten Autogrammkarten der Spieler gedruckt wurden, hob er sie nicht wie die meisten Teamkollegen stolz auf. Er verkaufte sie ihn hoher Auflage.
Manglitz war in Duisburg auch Co-Herausgeber der Stadionzeitung, Tankstellenpächter und einer der ersten Bundesliga-Profis, die mit Werbung Zusatzeinnahmen machten – für Zigarillos der Marke „Handelsgold“. Weil der 1,90 Meter große Manglitz auch durch selbstbewusste Sprüche auffiel, bekam er von den damaligen Boulevardmedien den Spitznamen „Cassius“ – angelehnt an Box-Ikone Muhammad Ali, der damals noch Cassius Clay hieß.
Lebenslange Sperre nach dem Bundesliga-Skandal
Für die Zebras absolvierte Manglitz 192 Spiele und wurde 1964 mit dem Meidericher SV deutscher Vizemeister. Manglitz war zudem von 1965 bis 1970 für die Nationalmannschaft aktiv und nahm an der WM 1970 in Mexiko teil, kam aber nicht zum Einsatz.
1969 wechselte Manglitz in seine Heimatstadt zum 1. FC Köln, wo er 1971 nach Aufdeckung des Bundesliga-Skandals tief fiel: Manglitz gehörte zu den zahlreichen Spielern, die im Abstiegskampf der Saison 1970/71 Bestechungsgelder annahmen, um Spiele zu beeinflussen. Er wurde lebenslang gesperrt.
Im WM-Jahr 1974 wurde Manglitz begnadigt und feierte beim 1. FC Mülheim nochmal ein kurzes Comeback in der Zweiten Liga. Zu kitten war der Karrierebruch da aber schon nicht mehr – Manglitz aber fiel abseits des Rasens auf die Füße.
Manfred Manglitz fiel in Spanien auf die Füße
Nach seiner Sperre eröffnete Manglitz in Köln die Diskothek „Old London“, bald darauf wanderte er nach Spanien aus: Er arbeitete dort als Immobilienmakler, Häuserrestaurateur, Wirt und Tennislehrer.
In seiner Wahlheimat Villajoyosa (zu Deutsch: „Die glückliche Stadt“) an der Costa Blanca lebte Manglitz besaß er ein herrschaftliches Anwesen mit Swimmingpool.
Wie der MSV Duisburg Montag mitteilte, starb Manglitz nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)