Er schoss schneller als Wyatt Earp, holte als einziger Nationalspieler drei Titel, doch in Erinnerung blieb Rainer Bonhof vor allem wegen einer Vorlage.

Sein Pass leitete das Siegtor im WM-Finale 1974 ein, dem Schützen Gerd Müller fühlte Bonhof sich zeitlebens verbunden. „Gerd ist ein Teil von mir“, sagt Bonhof, der am Sonntag 74 Jahre alt wird. Den an Alzheimer erkrankten Müller besuchte er noch kurz vor dessen Tod.

Die Geschichte vom wichtigsten Moment seiner Karriere wird Bonhof auch an seinem Geburtstag zum Besten geben können.

Bonhof einziger Nationalspieler mit drei Titeln

Bonhofs Lehrer in Emmerich hatte dem Lausbuben noch eine Karriere als Straßenkehrer vorausgesagt, um ein Haar wäre der Auto-Narr Rennfahrer geworden, doch sein Glück fand er beim Fußball. „Ich hatte ein Talent und habe das gnadenlos genutzt“, sagt er im Rückblick.

Und wie: Drei große Titel mit Deutschland (EM 1972 und 1980, WM 1974) hat nur Bonhof geholt.

Rainer Bonhof gewann als einziger deutscher Spieler drei Titel mit der Nationalmannschaft
Rainer Bonhof gewann als einziger deutscher Spieler drei Titel mit der NationalmannschaftRainer Bonhof gewann als einziger deutscher Spieler drei Titel mit der Nationalmannschaft© Imago

Mit „seiner“ Borussia wurde er zudem viermal deutscher Meister (1971, 1975, 1976, 1977), gewann den UEFA-Pokal (1975) und 1973 gegen seinen späteren Arbeitgeber 1. FC Köln den DFB-Pokal, zudem mit dem FC Valencia den Europapokal der Pokalsieger (1980).

Tasse Kakao das Zünglein an der Waage Gladbach-Wechsel

Begonnen hatte alles 1970 in Mönchengladbach – auch dank eines Heißgetränks. Beim ersten Treffen mit Hennes Weisweiler bestellte Bonhof einen Kakao. „Der schmeckte göttlich. Da war ich erlegen. Das war ein Punkt, der mich hat kippen lassen“, verriet Bonhof im WDR-Podcast Einfach Fußball. Zuvor hatten auch Hamburg und Bochum Interesse angemeldet.

Zu Bonhofs Markenzeichen wurden Fernschüsse und Tore, die wie ein Strich waren. „Er schießt schneller als Wyatt Earp!“, klagte anfangs der 1970er Liverpools Torhüter Ray Clemence nach einem UEFA-Cup-Spiel.

Schon 1978 widmete das Fernsehen Bonhof ein 45-minütiges Porträt. Titel: „Der Blonde, der nach Netzer kam.“ Seine Karriere ließ er beim Rivalen Köln und Hertha BSC ausklingen.

Einer der wichtigsten Siege

Als Coach war Bonhof lange Jahre Assistent von Bundestrainer Berti Vogts und auch in Kuwait und Schottland tätig. Die Borussia spielte aber immer eine dominierende Rolle in seinem Leben: „Ich bin ja immer wieder nach Mönchengladbach zurückgekommen. Das ist meine Heimat, das ist mein Zuhause.“

Bodenständig ist Bonhof bis heute geblieben, auch wenn seine Vorlage auf Müller das beinahe geändert hätte. „Ich war Weltmeister und schwebte in einer anderen Sphäre. Da hat meine Freundin gesagt: Werd‘ mal wieder der Rainer. Also habe ich entschieden, dass ich wieder normal werde. Das war einer der wichtigsten Siege.“

Wohl wahr: Mit seiner damaligen Freundin Roswitha ist Rainer Bonhof bis heute verheiratet.