Die Zeit der Experimente scheint vorbei. Die BVB-Spitze schreckt nicht länger vor unbequemen Entscheidungen zurück. Erst die Trennung von Julian Brandt, nun das Aus von Klub-Ikone Sebastian Kehl – der Verein zieht die Zügel spürbar an.
Vor allem Sport-Geschäftsführer Lars Ricken schärft damit sein Profil und sendet zugleich ein Signal in eigener Sache. Denn auch seine Zukunft ist keineswegs gesichert. Darüber sprechen BVB-Reporter Oliver Müller und SPORT1-Reporter Manfred Sedlbauer im Podcast „Die Dortmund-Woche“.
BVB trifft unangenehme Entscheidung
Zu oft galt Dortmund als zu harmoniebedürftig, als Verein, der schwierigen Entscheidungen aus dem Weg geht. Dieses Image bekommt nun Risse. „Die Initiativen für diese Entscheidungen gingen von Lars Ricken und Carsten Cramer aus“, erklärt Müller.
Besonders für Ricken dürften diese Schritte alles andere als leicht gewesen sein: Mit Kehl traf es einen früheren Mitspieler und langjährigen Weggefährten.
Nach der Personalie Brandt ist es bereits die zweite harte Entscheidung innerhalb kurzer Zeit. „Ricken schärft damit auch sein Profil und beweist das, was Kehl häufig vorgeworfen wurde: Unangenehme Entscheidungen treffen zu können und nicht vor Sympathien haltzumachen“, meint Sedlbauer und ergänzt: „Man merkt, wie allein durch Carsten Cramer, der Sprecher der Geschäftsführung ist, mehr Zug in den Verein kommt.“
Ricken schärft sein Profil
Die Podcaster sind sich einig: Gerade für Ricken ist diese Profilschärfung essentiell. Denn auch er steht unter Beobachtung und muss sich beweisen. Sich hinter Kehl, der oft genug der Buhmann war, zu verstecken, ist nun keine Option mehr. Ricken steht stärker denn je im Fokus und muss liefern. Denn die nächsten kritischen Töne dürften nun ihn treffen.
Ricken hatte keinen leichten Start beim BVB: Er fand kein ungeschriebenes Blatt vor, sondern war direkt mit internen Baustellen wie der Personalie Sven Mislintat konfrontiert. „Nun will er selbst für Ordnung sorgen und umgestalten“, so Sedlbauer.
Sammer lobt die Arbeit von Ricken: „Fantastische Idee“
Matthias Sammer lobte den Transfer von Nils-Ole Book als „fantastische Idee“ und stellte damit zugleich Rickens Arbeit heraus. Sedlbauer ordnet das ein: „Das ist ja kein Wunder. Natürlich findet der externe Berater des BVB, besser gesagt der Berater von Ricken, lobende Worte. Denn auch seine Zukunft hängt an Ricken.“
Dass Ricken überhaupt zum Geschäftsführer aufstieg und Kehl übergeordnet wurde, ist maßgeblich Hans-Joachim Watzke zu verdanken. Der BVB-Präsident, der nie ein großer Fan von Kehl war, bevorzugte ihn klar. Auch nun wird Watzke wieder über Rickens Zukunft mitentscheiden.
Ricken? Watzke guckt genau hin
„Wenn es um die Geschäftsführung geht, ist der Präsidialausschuss entscheidend. Das heißt der eingetragene Präsident, Hans-Joachim Watzke, und eben dieser Ausschuss können ab dem 1. Juli entscheiden, ob der Vertrag von Ricken verlängert wird oder nicht“, erklärt Müller. Rickens Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2027. „So wie ich Watzke kenne, wird er sich die weitere Entwicklung jetzt ganz genau angucken. Ob das in der neuen Konstellation funktioniert und dann entscheiden“, so Müller weiter.
Krösche bleibt weiterhin ein interessanter Kandidat
Ob Ricken über seine aktuelle Vertragslaufzeit hinaus im Amt bleibt, ist derzeit offen. Für Müller gilt auch Markus Krösche weiterhin als interessanter Kandidat – die Geschäftsführer-Position wäre eher seine Kategorie als die des Sportdirektors, die Nils-Ole Book nun innehat.
„Ich glaube nicht, dass Ricken im Sommer schon gehen muss. Was darüber hinaus passiert, kann ich aber nicht sagen“, stellt Müller die langfristige Zukunft von Ricken in Frage. Fest steht: Der BVB treibt seinen Umbruch auf allen Ebenen voran. Vorerst scheint dieser Schritt abgeschlossen – doch die nächste Bewährungsprobe für die Verantwortlichen hat längst begonnen.