Als Karl-Heinz Rummenigge am vergangenen Montag zum verbalen Rundumschlag ausholte, blieb auch Marcel Sabitzer nicht verschont.

Als einen „Luxustransfer“ bezeichnete der frühere Bayern-Boss den Österreicher, einer, der „viel gekostet“ habe. Dieser teure Luxus (15 Millionen Euro), den man sich also im Sommer leistete, habe sich „nicht so verbessert, wie man es sich gewünscht hat“.

Rummenigges Rüffel Richtung Niklas Süle, und das dürfte Sabitzers Glück gewesen sein, fiel im gleichen Sky-Interview noch eine Spur harscher aus, sodass die Kritik am Mittelfeldspieler ein bisschen unter dem Radar blieb.

Doch während Rummenigges Süle-Attacke (“brauchbarer Spieler“, „hat sich nie wirklich durchgesetzt“) größtenteils mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen wurde, traf die Sabitzer-Kritik in Schwarze.

Nagelsmann: „Sabi hatte einen sehr guten Start“

Sogar aus dem Sabitzer-Lager selbst kam man zu diesem Schluss. „Wenn man die Leistung von ihm in Leipzig beurteilt und sieht heute Bayern München, dann glaube ich schon, dass er viel, viel Luft nach oben hat“, gestand sein Berater Roger Wittmann bei Sky.

Seit Sabitzers Wechsel von RB Leipzig an die Säbener Straße blieb er meist deutlich unter den Vorschusslorbeeren, die ihn nach München begleitet hatten. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

„Sabi hatte einen sehr guten Start und die ersten drei Wochen sehr gut trainiert“, erklärte Bayern-Coach Julian Nagelsmann am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit Leipzig. (Samstag ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

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„Als der Kader dann kompletter wurde, hatte er ein paar Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden und zwei, drei nicht so gute Spiele gemacht. Dann war er auch noch verletzt, die Hinrunde ist also nicht optimal gelaufen. Er musste auch mal Linksverteidiger spielen, was natürlich nicht seine Paradeposition ist.“

Während sich seine neue Mannschaft über große Teile der Hinrunde von einem Schützenfest zum nächsten ballerte, blieb der 27-Jährige meist außen vor. Wenn er mal ins Team kam, dann blieb er blass.

Die nackten Zahlen bestätigen den Eindruck: Seit seinem Wechsel nach München war der frühere RB-Star in seinen 505 Spielminuten noch nicht an einem einzigen Treffer beteiligt.

Sabitzer bislang noch ohne Torbeteiligung

Schlimmer noch: Bei zwei seiner lediglich vier Startelf-Einsätze für den Rekordmeister gab es eine Niederlage; sowohl in Augsburg (als Sechser) als auch gegen Mönchengladbach (als Not-Linksverteidiger) zeigte er dabei eine schwache Leistung.

Sabitzer war in seinen Einsätzen für die Bayern zwar viel unterwegs (12,3 km pro 90 Minuten, in Leipzig waren es 11,6 km), allerdings weist er eine schwächere Zweikampfbilanz als zu RB-Zeiten auf (46,4 % zu 51,7 %). (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Dass Sabitzer in seinem ersten halben Jahr für die Bayern noch nicht in Schwung kam, daran dürfte auch seine Wadenverletzung schuld gewesen sein, die ihn vier Wochen im Spätherbst ausgebremst hatte.

Zudem hat es der österreichische Nationalspieler im Mittelfeld mit einer Konkurrenzsituation zu tun, die er aus Leipziger Zeiten nicht kennt.

Auf seiner Paradeposition im defensiven Mittelfeld muss sich Sabitzer nicht nur mit den eigentlich gesetzten Leon Goretzka und Joshua Kimmich messen, sondern auch noch mit Corentin Tolisso und Marc Roca, die sich beide im Aufwind befinden.

Hinzu kommt, dass der gelernte Spielmacher Jamal Musiala in defensiverer Rolle zuletzt ebenfalls überzeugte und nach SPORT1-Informationen auch weiterhin als „Verbindungsspieler“ im Zentrum neben Kimmich und/oder Tolisso trainiert.

Lob von Nagelsmann auf der PK

Auch andere Positionen sind besetzt: Auf der Zehn hat Sabitzer den unverwüstlichen Thomas Müller vor sich, auf den offensiven Flügeln ist er hinter Kingsley Coman, Leroy Sané, Serge Gnabry und Musiala sogar nur die Nummer fünf.

Bayern-Trainer Julians Nagelsmann spricht erstmals auf der Pressekonferenz über den Abgang von Niklas Süle nach dieser Saison.

Bayern-Trainer Julians Nagelsmann spricht erstmals auf der Pressekonferenz über den Abgang von Niklas Süle nach dieser Saison.

Und dennoch: Der bislang enttäuschende Neuzugang könnte die Talsohle durchschritten haben und sich peu à peu wieder dem Leistungsniveau nähern, das man von ihm aus Leipziger Zeiten kennt. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

„Ich finde, dass er die letzten zwei bis drei Wochen wieder sehr gut trainiert, viel besser als die Wochen davor“, sagte Nagelsmann noch. „Er rückt jetzt immer näher ran und entwickelt sich zu einer sehr guten Kadergröße, was wir uns auch versprochen haben.“

Dieser Meinung ist auch Wittmann, der sicher ist, dass „sowohl die Bayern-Verantwortlichen als auch die Fans der Münchner in der Rückrunde einen neuen Sabitzer sehen.“

Mit der unsicheren Entwicklung des verletzten Goretzka, der sich nun auch selbst zu Wort meldete, könnte Sabitzer in den nächsten Spielen die Gelegenheit bekommen, seinen Wert unter Beweis zu stellen – vielleicht ja schon am Samstag gegen seine alten RB-Kollegen. Nicht nur Karl-Heinz Rummenigge wird genau hinschauen.

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