Der Name Borussia Mönchengladbach hängt wie ein Damoklesschwert über Eintracht Frankfurt. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)
Der Traditionsklub vom Niederrhein ging trotz in diesem Sommer auslaufender Verträge mit Mattias Ginter und Denis Zakaria in die aktuell laufende Saison. Die Folge: permanente Unruhe rund um diese Spieler und Verlustgeschäfte.
Ginter kam 2017 für 17 Millionen Euro und geht ablösefrei (außer er verlängert noch überraschenderweise). Zakaria kostete vor viereinhalb Jahren rund zwölf Millionen Euro. Juventus Turin holte ihn im Winter, die Ablöse kann auf acht Millionen Euro anwachsen.
Vor Ausbruch der Corona-Pandemie träumte Gladbach noch von Summen im Bereich 30 oder 40 Millionen Euro.
Mit ähnlichen Problemen hat der FC Bayern München zu kämpfen. Niklas Süle zieht zum Nulltarif zu Borussia Dortmund weiter, zudem droht auch der ablösefreie Abgang des einstigen Rekordneuzugangs Corentin Tolisso.
Das Defensivduo kostete zusammen über 60 Millionen Euro. Auch die Münchner schmerzen diese Verluste.
Bei der Eintracht laufen die Verträge von Star-Quartett 2023 aus
Es sind Warnsignale, die auch bei Eintracht Frankfurt wahrgenommen werden.
„Ganz klar ist: Wir wollen mit keinem Leistungsträger ins letzte Vertragsjahr gehen. Das, was ich bei anderen Vereinen probiere, nämlich Spieler ablösefrei zu bekommen, muss ich für die Eintracht verhindern“, kündigte Sportvorstand Markus Krösche zuletzt in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau an.
Im Juni 2023 laufen die Verträge von vier Stars aus. Daichi Kamada, Filip Kostic, Evan N‘Dicka und Tuta haben nur noch 17 Monate Kontrakt. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)
Krösche steckt dabei in einem Dilemma. Einerseits will der Sportvorstand sportliche Qualität für das Erreichen der Ziele sichern. Andererseits müssen Überschüsse erzielt und somit auch Top-Spieler verkauft werden.
Struth prophezeit: „Wird sich an ablösefreie Spieler gewöhnen müssen“
Zu verschenken haben die Hessen aber nichts. Aufsichtsratschef Philip Holzer ging zuletzt von einem Verlust in Höhe von 70 bis 80 Millionen Euro in Coronazeiten aus.
Bereits im Sommer kapitulieren und Profis unter Marktwert abgeben? Das ist keine Option für Krösche: „Wir haben natürlich einen Wert im Kopf, den wir erzielen wollen.“
Der Druck auf die Klubs wächst, die Spieler nutzen die Bosman-Regel für sich aus. Seit 1996 dürfen Profis nach Ablauf des Vertrags ablösefrei wechseln.
Berater Volker Struth prognostizierte mit Blick auf die finanzielle Lage der Vereine bereits im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1: „Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass es ablösefreie Spieler gibt.“
Eintracht kann sich finanziell kaum noch strecken
Wenn die Eintracht die Gehaltswünsche nicht erfüllen kann und ein interessierter Klub zu wenig Ablöse bietet, dann drohen Abgänge zum Nulltarif. Für die Eintracht wäre das eine beinahe schon dramatische Entwicklung. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)
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Das Problem: Der Finanzbericht zum Geschäftsjahresende 2020 zeichnete die Eintracht mit dem siebthöchsten Spieleretat (83,986 Millionen Euro) der Bundesliga aus. Noch mehr Gehalt zahlen und sich finanziell weiter strecken? Dieses Risiko kann der Klub kaum eingehen.
Dabei haben Kamada, Kostic, N‘Dicka und Tuta das Spiel der Frankfurter geprägt, den Klub in den vergangenen Jahren häufiger von der Champions League träumen lassen.
Das Quartett kostete in Vor-Corona-Zeiten zusammenaddiert vergleichsweise günstige rund 15 Millionen Euro. Sie haben ihre Marktwerte vervielfacht und zählen aktuell zur Kategorie unersetzlich.
Herkulesaufgabe für Krösche
Krösche braucht diese Einnahmen, um einen Umbruch zu meistern. Der Sportvorstand darf das Tafelsilber aber nicht weit unter Marktwert verscherbeln.
Der Druck steigt dadurch, die Konkurrenz kennt die Lage bei der Eintracht. Eine Herkulesaufgabe für Krösche, wie der bange Blick nach München und Gladbach zeigt.