Der FC Bayern ist einmal mehr das Nonplusultra in der Bundesliga. Mit neun Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund zur Winterpause wird es nur eine Frage der Zeit sein, wann sich die Münchner ihren zehnten Titel in Folge holen.
Auch in der Champions League glänzt das Team des neuen Trainers Julian Nagelsmann und hat alle sechs Gruppenspiele gewonnen. Der Einzug ins Viertelfinale gilt angesichts des kommenden Gegners RB Salzburg als reine Formalie. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)
Und doch gibt es nicht nur Gewinner unter den Spielern des deutschen Rekordmeisters. Nicht nur wegen des blamablen Ausscheidens im DFB-Pokal beim 0:5 in Mönchengladbach, sondern weil Fußball eben mehr ist als die 90 Minuten auf dem Feld – gerade in Zeiten der Pandemie.
SPORT1 zeigt die Gewinner und Verlierer der Bayern in der Hinrunde.
Gewinner
Leroy Sané
Der deutsche Nationalspieler hatte eine schwierige erste Saison bei den Bayern. Die Folgen einer schweren Verletzung machten ihm da noch zu schaffen. Aber er wurde vor allem auch wegen seiner mangelnden Einsatzbereitschaft, insbesondere in der Rückwärtsbewegung, kritisiert.
Unter Nagelsmann schien sich die Misere fortzusetzen, beim 3:2-Sieg zu Beginn der Saison gegen Köln wurde er sogar von den Bayern-Fans ausgepfiffen. Dies aber löste wohl etwas aus im Offensivspieler.
Seitdem ist er wie verwandelt, kämpf um jeden Ball, ohne dabei seine Torjägerqualitäten zu verlieren. Mit fünf Treffern ist er nach Robert Lewandowski und Serge Gnabry der drittbeste Torschütze bei den Bayern. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)
Auch Nagelsmann aber hat seinen Anteil an Sanés steiler Entwicklungskurve in der Hinrunde. Seitdem er den 25-Jährigen nicht mehr nur am Flügel kleben lässt, sondern verstärkt zentral einsetzt, habe dieser „den Schalter gefunden“, erklärt der Trainer.
Jamal Musiala
Die Engländer raufen sich jetzt noch die Haare wegen Musialas Entscheidung, nicht für die „Three Lions“, sondern für die deutsche Nationalmannschaft aufzulaufen.
Der ausgebildete Offensivspieler zeigt nicht nur im DFB-Team, sondern auch bei den Bayern Top-Leistungen am Fließband. Und das nicht nur auf seiner gewohnten Position.
- STAHLWERK Doppelpass mit Herbert Hainer und Michael Rummenigge am Sonntag ab 11 Uhr LIVE im TV und im Stream auf SPORT1
Dank des erst 18-Jährigen konnten die Bayern aus der Not plötzlich eine Tugend machen. Seitdem mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka das defensive Mittelfeld ausfällt, belebt Musiala als neuer Sechser das Aufbauspiel der Bayern überraschend routiniert und erfolgreich.
Wenn er so weitermacht, dürfte er in der Rückrunde auch regelmäßiger in der Startelf stehen. Denn nur zwei Bundesliga-Spiele über die komplette Distanz – wie in der Hinrunde – sind für einen Spieler seiner Klasse viel zu wenig.
Josip Stanisic
Als Bayern-Präsident Herbert Hainer im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1 davon sprach, dass die Münchner auch Spieler einsetzten, die aus der eigenen Jugend kommen, verwies er neben Musiala auch auf Josip Stanisic.
Der 21-Jährige aus dem Regionalliga-Kader betritt zum Saisonauftakt bei Borussia Mönchengladbach erst sein zweites Pflichtspiel für die Bayern – und stand als Ersatz für den damals verletzten Benjamin Pavard auf der Rechtsverteidiger-Position prompt in der Startelf. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)
Dabei machte er seine Sache so gut, dass in der Hinrunde noch zehn weitere Spiele hinzukamen. Es wären wohl sogar noch mehr Einsätze geworden, wenn er sich im Herbst nicht zunächst mit Corona infiziert hätte und sich anschließend auch noch einen Muskelbündelriss zugezogen hätte.
Lucas Hernández
Ähnlich wie bei Sané platzte der bayerische Knoten auch beim französischen Weltmeister erst in dieser Saison so richtig.
Unter Hansi Flick noch häufig außen vor, weil die Innenverteidigung mit David Alaba und Jérôme Boateng erstklassig besetzt war, nutzte Hernández unter Nagelsmann seine Chance.
Während seinem Landsmann Dayot Upamecano noch die eine oder andere schwächere Partie im Abwehrzentrum unterlief, war Hernández die Zuverlässigkeit in Person und etablierte sich schnell als unverzichtbare Stammkraft.
Verlierer
Joshua Kimmich
Seine Klasse auf dem Feld ist unbestritten. Deshalb schmerzte es die Bayern auch so sehr, dass der Mittelfeldspieler die letzten sechs Spiele in der Bundesliga und die letzten zwei Partien in der Champions League verpasste.
Der Grund dafür sorgte beim Rekordmeister aber eher für Unverständnis als Mitgefühl. Da er aufgrund fehlender Langzeitstudien „persönlich noch ein wenig Bedenken habe“, ließ er sich nicht impfen und fehlte daher – erst als Kontaktperson, dann als Infizierter und schließlich auch als Erkrankter.
Die Bayern reagierten und strichen ihm während der Quarantäne-Zeit das Gehalt – geschätzt knapp 400.000 Euro pro Woche.
Kimmich selbst gab sich kürzlich selbstkritisch und räumte ein, dass es ein Fehler gewesen sei, sich nicht impfen zu lassen. Sobald sein Status als Genesener ausläuft, werde er sich impfen lassen, versprach er.
Michael Cuisance
Neben Kimmich gehörte auch der Franzose zunächst zu den Bayern-Spielern, die sich nicht impfen ließen.
Er aber steht aus einem anderen Grund auf der Verlierer-Liste der Hinrunde. Insgesamt zwei Kurzeinsätze – einer in der Bundesliga und einer im Pokal – absolvierte Cuisance. Und dennoch nahm er sich heraus, vor Kurzem in Stuttgart Robert Lewandowski anzumeckern, als der ihm den Ball nicht zuspielen wollte.
Nach Bild-Informationen habe er sogar Trainer Nagelsmann einmal sein Trikot vor die Füße geworfen, als er wieder einmal nicht eingewechselt wurde. Dieses Verhalten veranlasste den ehemaligen Bayern-Stürmer Sandro Wagner in Bild TV zu der Aussage: „So ein Spieler hat bei Bayern München nichts zu suchen.“
In der Rückrunde wird man den 22-Jährigen wohl auch vergeblich suchen in München. Denn er soll – nicht zum ersten Mal – ausgeliehen werden.
Bouna Sarr
Der Senegalese gilt schon jetzt als Transferflop von Hasan Salihamidzic. Dieser hatte den Defensivspezialisten bei dessen Vorstellung in München noch als „dynamischen Rechtsverteidiger“ gepriesen, „der sehr gut zu unserer Spielauffassung passt“.
Das ist jetzt etwas mehr als ein Jahr her. Gerecht geworden ist Sarr diesen Vorschusslorbeeren auch in dieser Hinrunde nicht.
In den wenigen Einsätzen, die er hatte, konnte er nicht überzeugen. Im Champions-League-Spiel bei Dynamo Kiew im November demonstrierte er nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit, warum er auch unter Nagelsmann weiterhin einen schweren Stand haben wird: Ohne Bindung zu seinen Mitspielern wurde er auf seiner Seite häufig ausgespielt und leistete sich außerdem noch einen haarsträubenden Rückpass auf Manuel Neuer.
Marc Roca
Auch der Spanier wurde Anfang Oktober 2020 von Salihamidzic verpflichtet und fristet seitdem bis auf wenige Ausnahmen ein Dasein als Bankdrücker bei den Bayern.
Ein Aufschwung unter Nagelsmann? Eher Fehlanzeige. Lange Zeit blieb der 25-Jährige komplett außen vor. Erst in den letzten Spielen, als die Personalnot im Mittelfeld überhandnahm, griff der Trainer auf ihn zurück.
Immerhin: Nach dem klaren 5:0-Sieg in Stuttgart wurde er von Nagelsmann sehr gelobt. „Es war ein Fehler, ihn so wenig zu bringen“, gestand der Trainer nach dem Spiel. Dass er ihn in der Rückrunde viel häufiger bringen wird, wenn die Stammkräfte im Mittelfeld zurück sind, ist dennoch nicht zu erwarten.
Tanguy Nianzou
Wenn alle Mann an Bord sind, wird es auch für Nianzou schwer werden, auf Einsätze zu kommen. Auch das hat die Hinrunde in der Bundesliga gezeigt.
Fünf Kurzeinsätze auf seiner angestammten Position in der Innenverteidigung, dazu 18 Minuten gegen Bochum im defensiven Mittelfeld. So sieht die Einsatzbilanz des 19-Jährigen in dieser Bundesliga-Spielzeit bislang aus.
Besserung ist nicht zu erwarten. Dafür sind Niklas Süle und die Konkurrenz aus der Heimat des Franzosen mit Hernández und Upamecano zu stark.
Marcel Sabitzer
Bei RB Leipzig noch Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld und gefeierter Publikumsliebling, zeigt die Formkurve des Österreichers im Bayern-Trikot stark nach unten.
Kurz vor Transferschluss kauften die Münchner noch mal in Leipzig ein, um sich im Mittelfeld zu verstärken. Eine Verstärkung war Sabitzer aber in den seltensten Fällen.
Viel mehr als sein dynamisches Aufbauspiel blieben von ihm aus der Hinserie die Bilder eines verzweifelten Spielers im Gedächtnis, der nicht einmal annähernd an seine Leistungen bei RB anknüpfen konnte.
Symptomatisch dafür stand seine Leistung in Augsburg, als er durch einen Ballverlust im Mittelfeld das vorentscheidende 0:2 verschuldete und anschließend wie ein Häufchen Elend auf dem Rasen saß.
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