Scheichgesteuerte Klubs wie Paris Saint-Germain und Manchester City investieren Summen in ihre Mannschaften, mit denen man so manchen Kleinstaat durch die Corona-Krise lotsen könnte.
Im UEFA-Fachjargon nennt man diese Vorgehensweise Financial Mehrplay: Frankreichs Meister PSG kauft sich gerade die Avengers des Fußballs zusammen – hinten Donnarumma und Ramos, in der Mitte Wijnaldum, vorne Messi.
Der englische Meister ManCity hat diesen Sommer schon 127 Millionen Euro an Ablösesummen ausgegeben. Dabei steht das Transferfenster erst auf Kipp. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)
Den heißesten Spieler der Neuzeit haben die Scheichs aber nicht gekriegt: Erling Haaland, 21.
Haaland spielt MIT der Bundesliga
Der Norweger kickt nach wie vor in der Bundesliga. Für Dortmund. Wochenende für Wochenende sehen wir ihn diese Saison gegen Topklubs wie Fürth, Bielefeld, Mainz oder Augsburg. Da haben die Scheichs aber ordentlich geschlafen.
Oder sagen wir besser: Haaland spielt nicht IN der Bundesliga. Er spielt MIT der Bundesliga. Und zwar, wie er will. Fünf Tore erzielte er in den ersten zwei Begegnungen dieser Saison.
Drei von drei beim 3:0 im DFB-Pokal in Wiesbaden. Beim 5:2 zum Ligastart gegen Eintracht Frankfurt traf er zweimal und bereitete die restlichen drei BVB-Treffer vor. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)
Mehr als acht Scorerpunkte gehen statistisch gesehen für einen Einzelnen gar nicht bei acht Toren. Außer du flankst von rechts, rennst rein und köpfst das Ding selbst ins Tor. Das gäbe dann zwei Punkte, glaube ich.
Lewandowski kann einem leidtun
Erling ist der Scorerking. Am Samstag erwischte ich mich sogar dabei, wie mir Robert Lewandowski leidtat. (Supercup: Borussia Dortmund – FC Bayern am Dienstag ab 20.30 Uhr im LIVETICKER)
Der Typ ist Weltfußballer und hat kürzlich den ewigen Bundesliga-Torrekord (41) von Gerd Müller, Gott hab ihn selig, gebrochen. Und was machen wir? Reden alle über Haaland.
Für Dortmund und die Bundesliga ist Erling Haaland ein Glücksfall. Der Top-Torjäger zeigt sich früh in absoluter Topform. Wie sieht die Zukunft des 21-jährigen?
Schafft der Junge jetzt die 42 Tore oder nicht? (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)
Was für ‘ne dumme Frage. Natürlich schafft er die 42 Tore. Die viel wichtigere Frage ist: Welche Verletzung könnte das verhindern?
Scheichs haben alles – außer Haaland
Ach, die Scheichs tun mir schon auch ein bisschen leid.
Sie haben doch das ganze Öl, das Geld, Yachten, die teuersten Mannschaften, die besten Gewinnaussichten. Aber den Haaland haben sie nicht. Den hat der Ruhrpott.
Physikalisch gesehen kann man ihn nicht stoppen. Er ist viel zu schnell (36km/h), zu raumgreifend, zu groß, zu wendig, zu gut.
Wenn ich Innenverteidiger wäre, hätte ich Angst. Ich würde vor dem Spiel gegen Dortmund zu einem Verein wechseln, gegen den er diese Saison schon gespielt hat. (SERVICE: Bundesliga-Spielplan zum Ausdrucken)
Alex Steudel ist freier Journalist in Hamburg. Er war Bayern- und Nationalmannschaftsreporter und Chefredakteur von Sport-Bild. Heute widmet er sich in seiner Kolumne für SPORT1 auf nicht immer ganz ernstgemeinte Weise aktuellen Fußball-Themen. Die besten Steudel-Texte gibt‘s auch als Buch: Infos und Bestellung hier.