Sie werden sich gewiss auch schon ab und zu gefragt haben, warum ich anstelle dieser Kolumne nicht irgendetwas ganz anderes mache – Fußball spielen für den FC Bayern München zum Beispiel.
Die Frage hat ihre Berechtigung, definitiv. Der Gedanke, alles hinzuwerfen und hochbezahlter Sportstar zu werden, dürfte jedem von uns schon mal gekommen sein, auch mir, ganz klar.
Es ist dann aber eben doch alles leichter gesagt als getan, bei näherer Betrachtung stehen dem Branchenwechsel ein paar entscheidende Kleinigkeiten im Wege. Dinge, die ich für eine Karriere beim Rekordmeister können müsste, aber nicht kann.
Die Sache mit der Wiesn zum Beispiel, das muss ich Ihnen an dieser Stelle ganz ehrlich sagen: Das könnte ich nicht.
Ich weiß, da scheitert das alles schon an einer Selbstverständlichkeit, an etwas, was man bei Bayern eben hinkriegen muss. Lederhose an, Sepplhut auf, rein ins Käferzelt, Maß stemmen, Foto machen und instagrammen lassen: „Good times at Oktoberfest with my bro @Soundso“. Wieder nach Hause fahren. Fertig.
Ein Ritual, das schlicht zum Job gehört und von Bayern Jahr für Jahr professionell erledigt wird, zum großen Teil sogar mit Spaß dabei, wie man allenthalben kursierenden Bildern entnehmen kann. Man sieht lachende Gesichter, ausgelassenes Anstoßen und Mario Götze trägt ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Läuft bei mir“.
Wie gesagt: Ich könnte das nicht. Obwohl ich seit vielen Jahren in räumlicher Nähe zum großen Volksfest wohne, verfolge ich es seit Jahren nur noch aus der Ferne über die einschlägigen Liveticker. Körperliche Präsenz dagegen: Muss nicht sein.
Dem FC Bayern macht der traditionelle Wiesn-Besuch nach dem 5:0 in der Champions League so richtig Spaß. Und Douglas Costa lässt es im Zelt so richtig krachen
Ich kann mir denken, was Sie nun sagen werden. Jaja, werden sie sagen, Hoffmann, der elitäre Heini wieder. Und dass ich mir doch mal ein Beispiel an Pep Guardiola nehmen könnte.
Auch der schafft es ja jedes Jahr klaglos, seine Taktiktafel und seinen katalanischen Gedichtband beiseite zu legen und sich mal zünftig unters Festvolk zu mischen. Mehr noch: Er bezeichnet sich inzwischen sogar explizit als ausgemachten „Wiesn-Fan“.
Ich könnte an dieser Stelle nun einwenden, dass Pep Guardiola sich auch schon mal explizit als ausgemachten Dante-Fan bezeichnet hat, aber lassen wir das.
Ich möchte hier generell nicht das große Wiesn-Fan-vs.-Wiesn-Gegner-Fass aufmachen, das Ding ist durch und bringt uns auch nicht weiter. Eine friedliche Koexistenz der beiden Weltbilder ist möglich und nötig, ich sehe die ausgemachten Wiesn-Fans werktäglich in der S-Bahn, sie mich zum Teil auch noch, sie haben ihre Good times at Oktoberfest, ich meine anderswo, alles ist gut.
Ich muss eben nur damit leben, dass ich mit meiner Einstellung nicht zum Bayern-Profi tauge, aber das kann ich auch. Ich bin zufrieden mit meinem Leben und meinem Wiesn-Liveticker.
Der letzte Eintrag vom Tag des Bayern-Besuchs übrigens: Um 22.47 Uhr, als die meisten Spieler mutmaßlich schon wieder zu Hause waren, wurde noch eine 70 Jahre alte Exhibitionistin von der Polizei aufgegriffen, nachdem sie sich vor Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes hinter dem Hacker-Zelt entblößt hatte.
Ob sie dabei einen Läuft-bei-mir-Anstecker trug, ist leider nicht überliefert.