Die Luft für FIFA-Präsident Gianni Infantino wird offenbar immer dünner. Nach Informationen der Sunday Times werden die Pläne, den massiv in die Kritik geratenen Boss des Weltverbandes zu stürzen, konkreter.

Es sei wahrscheinlich, dass eine Sondersitzung des FIFA-Councils einberufen werde und Infantino dabei zum Rücktritt aufgefordert werde, schreibt die gewöhnlich gut informierte Zeitung.

Gianni Infantino steht massiv in der Kritik
Gianni Infantino steht massiv in der KritikGianni Infantino steht massiv in der Kritik© IMAGO/BSR Agency

Möglich wäre auch das Einberufen eines FIFA-Sonderkongresses, wofür es die Stimmen von mindestens 43 Verbänden bräuchte. Die europäische Fußball-Union UEFA um ihren Präsidenten und großen Infantino-Gegenspieler Aleksander Ceferin könnte diese Maßnahme also im Alleingang herbeiführen.

Hindernisse für „Misstrauensvotum“ gegen Infantino

Nur: Um Infantino dann durch eine Art „Misstrauensvotum“ abwählen zu können, bedürfte es zunächst einer Satzungsänderung. Und diese wiederum setzt eine Dreiviertelmehrheit voraus. Dass Infantino aber noch immer – vor allem unter den kleineren Verbänden – Unterstützer hat, die dies verhindern würden, ist denkbar.

Sollte sich Infantino weigern, von sich aus sein Amt zur Verfügung zu stellen, dürfte mit der Unterstützung seiner Kritiker ein Gegenkandidat im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im kommenden März aufgebaut werden.

In der Öffentlichkeit werden bereits munter verschiedene Namen diskutiert. Genannt werden dabei CONCACAF-Präsident Victor Montagliani, Asiens Verbandsboss Sheikh Salman sowie PSG-Präsident und Multi-Funktionär Nasser Al-Khelaifi.

Al-Khelaifi lässt Raum für Spekulationen

Letzterer hatte allerdings am Wochenende den Wirbel heruntergespielt, indem er über einen Sprecher ein Statement verbreiten ließ: „Herr Al-Khelaifi hegt weder Ambitionen noch Absichten noch Interesse an diesem Amt bei der FIFA, ebenso wenig wie an all dem Medienrummel.“

Der Zusatz ließ allerdings weiter Raum für Spekulationen. Al-Khelaifi werde „weiterhin auf kluge und konstruktive Weise alle globalen und europäischen Fußballinstitutionen unterstützen“.

Als Vorsitzender der mächtigen Klubvereinigung European Football Clubs (EFC) und Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee wäre Al-Khelaifi so etwas wie ein Kandidat von europäischen Gnaden. Unumstritten wäre der Katarer, der auch Vorstand des TV-Senders BeIN ist, aber nicht, die Süddeutsche Zeitung bezeichnete ihn als einen „wandelnden Interessenkonflikt“.

UEFA droht FIFA mit Klage – Infantino-Unterstützung bröckelt

Auch Ceferin selbst zählt zum Kreis der Kandidaten. Die UEFA erhöhte derweil nochmals den Druck auf die FIFA und Infantino und drohte den Beteiligten am gescheiterten Investorendeal offiziell mit rechtlichen Schritten, wie zunächst der Telegraph berichtete.

Mit seinen Plänen, Anteile an der WM verkaufen zu wollen, hatte Infantino eine Welle der Kritik ausgelöst. Am Samstag beugte er sich dem Druck und gab die Bestrebungen in einem Statement auf.

Auch der Rückhalt für seine angestrebte Wiederwahl als FIFA-Präsident schwindet. Am Montag zogen die walisischen und englischen Fußballverbände ihre Unterstützung für Infantino zurück.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)