Der polarisierende Experte und Ex-Nationalspieler Didi Hamann hat eine kuriose Anekdote mit Rudi Völler zum Besten gegeben. Bei der WM 2002 habe der damalige Teamchef Völler ihn davor bewahrt, betrunken aus dem Flugzeug zu torkeln.
Das geht aus einer Passage von Hamanns Buch „Der Spielverderber: 45 ungeschminkte Wahrheiten von Deutschlands ehrlichstem Fußballexperten“ hervor, die die Welt zitiert. „Wir flogen 2002 nach Japan zur WM. Ich kann in Flugzeugen nicht einschlafen, noch heute nicht.“ Also setzte sich Hamann zu den mitreisenden Journalisten: „Ich gesellte mich dazu, wie in der Kneipe quatschten und tranken wir, vergaßen darüber die Zeit. Zwei Stunden vor der Landung sah ich Rudi auf uns zukommen.“
Dem Vize-Weltmeister von 2002 zufolge soll sich der Teamchef der Nationalelf um den Zustand des Mittelfeldspielers gesorgt haben. „Wollte er mir einen Einlauf verpassen? Nein, er sagte bloß: ‚Didi, in zwei Stunden landen wir, es wird Zeit, wieder nach hinten zu gehen.‘ Ich merkte erst, als ich aufstand, dass ich einen sitzen hatte. Als ich zu meinem Platz zurückkam, brachte mir die Flugbegleitung sechs Becher Wasser. Rudi hatte sie bestellt.“
Hamann mit Hochachtung vor Völlers Verhalten
Wohl, um den Pegel seines Mittelfeldspielers zu senken. „Er wollte mich nicht maßregeln, sondern verhindern, dass ich aus dem Flugzeug stolpere“, erzählte Hamann und rechnete Völler diese umsichtige Reaktion hoch an: „Für mich war klar, dass ich das mit besonders großem Einsatz zurückzahle. Wir waren nicht die zweitbeste Mannschaft bei diesem Turnier, aber wir kamen ins Endspiel.“
Dort verlor die DFB-Elf in einem denkwürdigen WM-Finale mit 2:0 gegen Brasilien. Dem im Turnier sonst so überragenden Oliver Kahn unterlief ein folgenschwerer Patzer, den Ronaldo per Abstauber zur brasilianischen Führung nutzte (67.). „Il Fenomeno“ schnürte seinen Doppelpack (79.) und ließ Deutschlands WM-Traum endgültig platzen.
Dennoch eroberte eine kämpferische und leidenschaftliche DFB-Elf die Herzen der Fans. Wohl auch aufgrund der guten Verbindung zwischen Trainer und Mannschaft, wie Hamann anhand seiner Anekdote beschrieb.