Mit großen Schritten bewegen wir uns auf die Playoffs der europäischen Spitzenliga, der LEC, zu. Sechs Teams trete hier gegeneinander an, kämpfen nicht nur um Ruhm, Ehre und ein sattes Preisgeld, auch die Teilnahme an den Worlds, der Weltmeisterschaft in League of Legends, steht auf dem Spiel.

Elias “Upset” Lipp ist einer der wenigen deutschen Spieler, die in der LEC an den Start gehen. Lange Jahre spielte der AD Carry für Schalke, später für Origen und ist mittlerweile für Fnatic auf der Bot Lane aktiv. Mit elf Siegen und sieben Niederlagen hat sich das Team für die Playoffs qualifiziert und muss im ersten Match gegen den Sechstplatzierten Team Vitality antreten.

Das Interview wurde von Florian Merz mit Elias “Upset” Lipp geführt.

Sport1: Hallo Elias, vielen Dank, dass du heute mit uns sprichst. Zunächst einmal: Glückwunsch zum Einzug in die Playoffs.

Upset: Danke, danke!

Sport1: Es ist ja deine erste Season bei Fnatic und du bist dabei in die Fußstapfen von einem der bekanntesten und größten AD Carries getreten. Wie war es für dich von Origen zu wechseln und die beiden ersten Splits zu erleben?

Upset: Mhm, es war sehr aufregend, gerade weil ich schon immer mit Zdravets “Hylissang” Iliev Galabov spielen wollte. Natürlich aber auch mit den anderen Spielern und generell gab mir der Wechsel die Möglichkeit mit einem sehr erfolgreichen Team zu spielen. Es läuft aber nicht so, wie ich es mir wünschen würde, aber es ist ja immer ein langer Weg und wir sind ja jetzt erst beim zweiten Split. Alles in allem versuchen wir nun den Split zu holen.

Sport1: Jetzt hast du gesagt, dass nicht alles so läuft wir du es dir wünschen würdest. Es sind viele neue bzw. mit Yasin “Nisqy” Dinçer auch alte Spieler in die Liga zurückkehrt. Meinst du, dass es damit zusammenhängt, dass sich das Team erst noch richtig finden muss?

Upset: Ja, ich glaube es gibt immer eine bestimmte Findungsphase, aber natürlich kann auch alles auf Anhieb klappen. Das ist aber die große Ausnahme. Teams brauchen einige Zeit um miteinander zu spielen und bis sich neue Spieler aufeinander eingestellt haben. Generell braucht es einfach Zeit, aber ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind.

Sport1: Jetzt haben wir ja bereits darüber gesprochen, dass ihr euch für die Playoffs qualifiziert habt, der Split und die letzten Tage aber ein großes Durcheinander gewesen sind. G2 Esports hat vier Spiele in Folge verloren und Schalke ist dieses Mal komplett weg vom Fenster. Wie hast du die letzten Tage in der Liga erlebt?

Upset: Ja, ich glaube die erste Woche ist immer schwierig, Super Weeks generell – Drei Best-of-Ones. Man kann auch nicht gegen drei Teams ordentlich trainieren; es macht die Vorbereitung auf das Wochenende sehr schwierig. Auch, ob man einen Champion während der Scrims falsch gelesen hat. Bei uns war es zum Beispiel Akali, die wir falsch eingeschätzt haben und später dann in offiziellen Spielen sehr, sehr stark gewesen ist. Wir haben die ersten beiden Spiele jetzt nicht nur wegen ihr verloren, aber sie war einer der Hauptgründe dafür. Mit der Zeit haben wir aber unsere Form gefunden und wussten, wie wir spielen wollten.

Sport1: Du hast fast drei Jahre für Schalke 04 gespielt, wie hast du den Abschied von Königsblau aus der LEC persönlich wahrgenommen?

Upset: Es ist auf jeden Fall schade, weil ich viele gute Erinnerungen an Schalke habe. Es war mein erstes kompetitives Team, wir sind zusammen aufgestiegen und das Roster selbst war komplett um mich herum aufgebaut worden. Wir haben mehrere Top-3-Stages gespielt und jetzt ist es halt super schade zu sehen, dass Schalke seinen Slot verkaufen musste. Jedoch bietet das wiederum einem anderen Team die Möglichkeit, einen neuen und starken Eindruck zu hinterlassen. Aber generell finde ich es sehr, sehr schade.

Sport1: Wir stehen kurz vor den Playoffs. Diese werden nicht wie der Ligaalltag in Bo1 ausgespielt sondern in einem Bo5. Wie stehst du persönlich zu dem Thema bzw. was ist dir für die Liga lieber: Bo1 oder Bo3?

Upset: Definitiv Bo3, weil ich glaube, dass die offiziellen Spiele einen größeren Lerneffekt besitzen. Es ist einfach gut Ligaspiele zu haben, um zu sehen, wo die Schwierigkeiten liegen und wie sich ein Team daran gewöhnt. Generell glaube ich auch, dass ein Bo3 bessere Ergebnisse für die Teams an sich liefern. Es sagt einfach mehr aus, wenn zwei Spiele gewonnen werden, als nur eines. Zudem fällt bei Bo1 die Varianz deutlich höher aus.

Sport1: Elias, vielen, vielen Dank für deine Zeit, wir drücken euch ordentlich die Daumen für die anstehenden Playoffs und hoffen darauf, dass wir uns alsbald auch wieder persönlich sehen können.

Upset: Danke! Das hoffe ich auch und bis bald!

Florian Merz, Jahrgang 1990, geboren in Oberkirch, schrieb während und nach seiner Ausbildung an der Heinrich-Hertz-Schule in Karlsruhe (Ausbildung: Fachinformatik, Systemintegration) für verschiedene...