Die Leichtathletik-Welt trauert um einen ihrer einflussreichsten Trainer: Der jamaikanische Sprintcoach Stephen Francis ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Das bestätigte der Weltverband World Athletics am Sonntag. Francis starb demnach am Samstag, einen Tag nach seinem 64. Geburtstag.
Francis galt als einer der Architekten des jamaikanischen Sprint-Wunders und formte zahlreiche Olympiasieger und Weltmeister. Zu den bekanntesten Athleten unter seiner Leitung zählen Shelly-Ann Fraser-Pryce, Asafa Powell, Shericka Jackson und Elaine Thompson-Herah.
Trainer von Fraser-Pryce, Powell und Jackson tot
Nach einem Studium an der University of the West Indies sowie einem MBA-Abschluss an der University of Michigan entschied sich Francis für die Trainerlaufbahn. 1999 gründete er gemeinsam mit Weggefährten den MVP (Maximising Velocity & Power) Track & Field Club in Kingston. Das Ziel: zu beweisen, dass jamaikanische Athleten mit jamaikanischen Trainern und Strukturen die Weltspitze erreichen können.
Dieses Vorhaben gelang eindrucksvoll. Unter Francis entwickelte sich MVP zu einem der erfolgreichsten Leichtathletikprogramme der Welt. Neben Fraser-Pryce, Powell und Jackson trainierten dort unter anderem Olympiasiegerin Thompson-Herah, Kishane Thompson sowie die Sprint-Zwillinge Tina und Tia Clayton.
Jamaika würdigt Francis als einen „Titanen der Leichtathletik“
Francis wird zugeschrieben, das traditionelle Modell vieler jamaikanischer Talente aufgebrochen zu haben. Statt nach der Schule in die USA zu wechseln, sollten Spitzenathleten in ihrer Heimat bleiben und dort auf Weltklasse-Niveau trainieren.
Seine datenorientierten Methoden und sein Gespür für Talente machten ihn international hoch angesehen.
Der jamaikanische Leichtathletik-Verband (JAAA) würdigte Francis als „Titan der Leichtathletik“, dessen Arbeit die nationale Sportlandschaft nachhaltig verändert habe.
Höchste Ehrung des Landes
Für seine Verdienste um den Sport wurde Francis 2017 mit dem Order of Jamaica, einer der höchsten staatlichen Auszeichnungen des Landes, geehrt.
Auch Jamaikas Premierminister Andrew Holness würdigte den verstorbenen Trainer. Francis habe mit seiner Entscheidung, eine Karriere in der Finanzbranche aufzugeben und sich ganz dem Coaching zu widmen, ein Vermächtnis geschaffen, das Generationen überdauern werde.
Mit Stephen Francis verliert die Leichtathletik einen Trainer, dessen Einfluss weit über Medaillen und Rekorde hinausging. Sein Name bleibt untrennbar mit dem Aufstieg Jamaikas zur Sprint-Nation Nummer eins verbunden.