Es läuft die 62. Spielminute und das Publikum an der Alten Försterei erhebt sich: David Datro Fofana verlässt unter frenetischem Applaus den Platz, nachdem der Union-Neuzugang im letzten Testspiel vor Saisonstart gegen Atalanta Bergamo (4:1) zwei Tore und ein Assist beigesteuert hatte. Ein Traum-Debüt für den jungen Ivorer in seinem neuen Wohnzimmer.
Was noch vor vielen Jahren unmöglich schien, wurde im Juli 2023 Realität. Union Berlin rüstet sich für die anstehende Premierensaison in der Champions League und sicherte sich die Dienste eines Stürmers des großen FC Chelsea – auch wenn es nur eine einjährige Leihe ist.
Fofana, der morgen im DFB-Pokal beim Regionalligisten FC-Astoria Walldorf gern das nächste Glanzlicht setzen würde, ist bei weitem nicht der einzige interessante junge Stürmer, der in diesem Sommer in die Bundesliga gewechselt ist.
Auch RB Leipzig, Bayer 04 Leverkusen und Borussia Mönchengladbach besetzten ihre Sturmreihe neu – und verleihen der Bundesliga frischen Wind verleiten wollen.
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Wenig Spielzeit für Chelsea
Union-Neuzugang Fofana kam im vergangenen Winter zu den Blues und kostete den Klub rund zwölf Millionen Euro Ablöse, die an Molde BK aus Norwegen gingen. In der Premier League absolvierte Fofana jedoch nur drei Pflichtspiele und sammelte gerade einmal 68 Spielminuten.
In Berlin erhoffe sich der 20-Jährige deutlich mehr Spielanteile, Fofana soll bei seinem Stammklub Chelsea auch deshalb auf ein Leihgeschäft gedrängt haben. Dass sich der Stürmer nun bei einem anderen Klub in der Champions League und vor allem in der Bundesliga beweisen darf, freue ihn besonders.
„Union hat sich in den letzten Jahren extrem stark entwickelt und es reizt mich sehr, in der neuen Saison ein Teil davon zu sein. Der Club hat sich lange und intensiv um mich bemüht und das will ich jetzt mit guten Leistungen zurückzahlen“, wird er auf der Vereinsseite zitiert.
Union-Geschäftsführer freue sich vor allem über einen Spieler mit „hohem Tempo“ und „flexiblen offensiven Qualitäten“, die dem Union-Spiel „neue wertvolle Impulse“ verleihen würden, wie er ergänzte.
Fofana überragt in Molde
Dass Fofana auch ein Unterschiedsspieler sein kann, bewies er vor allem in seiner Zeit bei Molde BK. In 65 Pflichtspielen kam er auf 24 Treffer, feierte mit Molde 2022 die Meisterschaft. Jetzt liefert er auch im Trikot von Union Berlin – und könnte die Stürmersituation bei den Köpenickern durch seinen Fabelauftritt gegen Bergamo neu angeheizt haben.
Mit Kevin Behrens, Jordan Siebatcheu und Top-Scorer Sheraldo Becker hat der Ivorer qualitativ hochwertige Konkurrenz – eine Situation, die er bereits aus London kennt. Doch Fofana dürfte wohl Spielzeit sicher sein, denn nur dafür wurde er von den Blues an Union Berlin ausgeliehen. Wer in der Stürmerfrage derzeit die Nase vorne habe, ließ Union-Trainer Urs Fischer auch nach dem Sieg über Bergamo offen.
Neue junge Stürmer wollen Bundesliga erobern
Fofana war nicht der einzige neue Bundesliga-Angreifer, der in der Vorbereitung auf sich aufmerksam machte: Lois Openda präsentierte sich beim abschließenden Testspiel von RB Leipzig vor Saisonstart ebenfalls in Torlaune und traf beim 3:0 gegen Las Palmas gleich doppelt (24./34.).
Der Rekordtransfer der Sachsen, der für 43 Millionen Euro von RC Lens nach Leipzig wechselte, soll in der kommenden Spielzeit die Lücke des zum FC Chelsea abgewanderten Christopher Nkunku schließen.
Auch Victor Boniface betrieb rund eine Woche vor Saisonstart Eigenwerbung. Der nigerianische Neuzugang von Bayer 04 Leverkusen erzielte beim überzeugenden 4:0-Sieg über West Ham United sein erstes Tor für die Werkself und wusste auch spielerisch zu gefallen.
Der 22 Jahre alte Stürmer kam vom belgischen Erstligisten Union St. Gilloise ins Rheinland und zeigte große offensive Qualitäten, die sich Bayer satte 20,5 Millionen Euro kosten ließ. In der vergangenen Saison wurde er zudem mit sechs Treffern Torschützenkönig der Europa League.
Gladbachs Thuram-Nachfolger macht Eindruck
Einen interessanten Eindruck machte auch Gladbach-Neuzugang Tomas Cvancara in den ersten Testspielen. Der junge Tscheche soll am Niederrhein die hinterlassene Lücke von Marcus Thuram schließen, der ablösefrei zu Inter Mailand wechselte. Borussia Mönchengladbach – wo generell gerade viel im Umbruch ist – ließ sich die Dienste von Cvancara stolze 10,5 Millionen Euro kosten.
Schon nach den ersten Testspielen entstand bei den Gladbach-Fans ein gewisser Hype um den jungen Tschechen, der beim 5:1-Testsieg über den VfB Stuttgart gleich dreimal traf. Beim 2:2 gegen Montpellier fehlte de Neuzugang von Sparta Prag allerdings auf dem Spieltagsbogen – aus Gründen der Belastungssteuerung.
Hervorragend ersetzt wurde er von Sturm-Juwel Grant-Leon Ranos, der vom FC Bayern nach Gladbach wechselte und gegen Montpellier sehenswert traf. Es war bereits das zweite Tor des jungen Stürmers in den letzten drei Testspielen, der im Sturmzentrum eine echte Alternative werden könnte.