Der FC Barcelona hat sich mit Borussia Dortmund auf einen in mehrfacher Hinsicht überraschenden Wechsel von Karim Adeyemi geeinigt. Anders als heutzutage fast schon üblich gab es keine lang anhaltenden Spekulationen, von einem öffentlich ausgetragenen Transferpoker kann keine Rede sein.

Im Gegenteil: Der – noch nicht offiziell bestätigte – Deal ging erstaunlich schnell über die Bühne. Unerwartet kommt der Transfer aber auch aus sportlicher Sicht.

Karim Adeyemi wechselt zum FC Barcelona
Karim Adeyemi wechselt zum FC Barcelona Karim Adeyemi wechselt zum FC Barcelona © IMAGO/Noah Wedel

Warum holt der FC Barcelona Karim Adeyemi vom BVB?

Das Potenzial von Adeyemi ist unbestritten, die vergangene Saison war aber von Enttäuschungen geprägt. Unter BVB-Trainer Niko Kovac war der 24-Jährige häufig nur Ergänzungsspieler. Für ein WM-Ticket hat es nicht gereicht.

Warum also schlägt jetzt ein Team zu, das die Champions League gewinnen will? Bei genauerem Hinsehen lassen sich nicht nur sportliche Gründe erkennen.

Flick ist schon lange ein Adeyemi-Fan

Ein wesentlicher Faktor für den Transfer soll Hansi Flick gewesen sein. Seine Verbindung zu Adeyemi reicht bis ins Jahr 2021 zurück. Damals war der Cheftrainer Barcelonas noch Bundestrainer und berief einen gerade einmal 19 Jahre alten Adeyemi in die Nationalmannschaft – gegen den Widerstand einiger Kritiker, die den Schritt für verfrüht hielten.

Adeyemi rechtfertigte das Vertrauen prompt mit einem Tor bei seinem Debüt gegen Armenien. Schon damals schwärmte Flick öffentlich von seinem Schützling. „Wir beobachten Karim Adeyemi schon seit langer Zeit. Ich bin ihm auch als Trainer des FC Bayern München gegen Salzburg begegnet, daher kenne ich sein Potenzial. Im Angriff ist er ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann“, sagte Flick damals.

Spanische Medien berichten, Flick habe die Vereinsführung nun persönlich gebeten, den Deal über die Ziellinie zu bringen.

Dass Adeyemi in Dortmund zuletzt meist auf der Bank saß, soll die Barca-Bosse nicht weiter abgeschreckt haben. Im Gegenteil: Sie setzen laut Mundo Deportivo auf den Flick-Faktor. Der Coach soll Adeyemi wieder zur absoluten Topform führen, so wie er es auch schon mit dem schon vor dem Abschied stehenden Raphinha einst gemacht hatte.

Barcas Plan: „Die neue Obsession von Deco und Flick“

Was Adeyemi für Barça besonders wertvoll macht, ist seine Vielseitigkeit. Er kann auf beiden Außenbahnen ebenso spielen wie im Zentrum – eine Flexibilität, die im eng getakteten Terminplan mit Liga, Champions League und Pokal Gold wert ist.

Vor allem sein Tempo sticht natürlich heraus: Adeyemi zählt zu den schnellsten Spielern Europas und bringt genau jene Explosivität mit, die Flicks Offensivspiel prägt. Diese Geschwindigkeit zahlt sich aber nicht nur im Umschaltspiel nach vorne aus, sondern auch defensiv. Barcas Spielidee lebt vom sofortigen Gegenpressing nach Ballverlust – und dafür braucht es Spieler, die mit ihren Sprints sofort wieder Anschlussdruck erzeugen können.

„Das neue Geschoss des FC Barcelona“, titelte das Portal Vavel in Spanien passend. Der katalanische Sender Esport3 sprach von der „neuen Obsession von Deco und Flick. Ein Barca, das Vollgas gibt“. Der Sportdirektor und der Chefcoach setzen demnach vor allem auf Speed. Mit Adeyemi und Anthony Gordon habe man zwei der zehn schnellsten Spieler der Champions League an Bord geholt.

Transfer von Julían Álvarez soll erst noch folgen

Zusammen mit Lamine Yamal und Raphinha könnte das neue Duo eine äußerst schlagkräftige Offensive bilden. Und mit Julián Álvarez soll der eigentliche Königstransfer ja erst noch kommen. Gleichzeitig gibt es auch immer wieder Gerüchte um einen Abgang des Brasilianers Raphinha. Womöglich ist Adeyemi als Ersatz eingeplant, auch wenn er nominell einen anderen Star ersetzen soll.

Adeyemi sei „Flicks neuer Rashford“, schrieb die Mundo Deportivo. Denn sportlich schließt der Transfer zunächst eine Lücke, die eigentlich mit Marcus Rashford gefüllt werden sollte.

Die feste Verpflichtung des im vergangenen Jahr ausgeliehenen Engländers scheiterte am Gehalt: Rashford hätte angeblich rund 14 Millionen Euro pro Jahr gekostet, weshalb sein Weg zurück zu Manchester United führte.

Adeyemi günstig wie lange nicht

Adeyemi soll dagegen weniger drastisch zu Buche schlagen – finanziell ein klarer Vorteil in Zeiten, in denen der spanische Meister ohnehin mit dem Financial Fairplay jongliert.

Und: Der fünf Jahre jüngere Adeyemi könnte in Zukunft womöglich mit einem Gewinn weiterverkauft werden. Bei Rashford wäre dies wohl eher unwahrscheinlich.

Gerade beim Marktwert ergibt sich ein interessantes Bild. Vor der Weltmeisterschaft wurde Adeyemi – der schon vor vier Jahren auf Barcas Zettel gestanden haben soll – deutlich höher gehandelt. Laut transfermarkt.de fiel der Wert des 24-Jährigen im vergangenen Halbjahr um 20 Millionen Euro auf nun 40 Millionen Euro. Ein Umstand, der die Ablöse für Barça am Ende erschwinglicher machte, als man noch vor wenigen Monaten hätte vermuten können.

Letztlich zahlt Barca sogar nur 22 Millionen Euro Sockelablöse, die Summe kann auf maximal 31 Millionen ansteigen. Neben den sportlichen gibt es also auch finanzielle Gründe für einen überraschenden Deal.