Anna-Lena Friedsam riss die Arme in die Luft und jubelte mit den begeisterten Fans – auf der Bank feierte das deutsche Team ausgelassen. Die 29-Jährige hat die deutschen Tennisfrauen mit einer überragenden Vorstellung ins Finalturnier des Billie Jean King Cup geführt, nachdem Wimbledon-Viertelfinalistin Jule Niemeier zuvor den Weg zum Sieg über Brasilien geebnet hatte.

Friedsam zeigte im vierten Einzel des Qualifikations-Duells eine hochkonzentrierte Leistung, und ließ der brasilianischen Nummer zwei Laura Pigossi beim 6:1, 6:0 nicht den Hauch einer Chance. Sie besorgte der Mannschaft von Teamchef Rainer Schüttler damit den entscheidenden dritten Punkt.

„Es ist unglaublich, gestern sah es fast nach 0:2 aus und jetzt stehen wir hier als 3:1-Sieger“, sagte Friedsam wenig später unter dem Jubel der deutschen Anhänger in Stuttgart: „Es war ein goldener Tag. Heute war ich so sehr im Fokus und bin einfach nur glücklich über meine Leistung.“

Friedsam ließ keine Zweifel aufkommen, wer an diesem Tag die stärkere Spielerin war. Von Beginn an präsentierte sie sich in Topform und brachte die Arena trotz überschaubarer Zuschauerzahl immer wieder zum Beben. Auch im zweiten Durchgang überzeugte sie mit aggressivem Powertennis und spazierte schließlich locker zum Sieg.

Niemeier ringt Maia nieder

Zuvor hatte Niemeier nach einem fast dreistündigen Marathon-Match mit 7:6 (7:3), 3:6, 6:2 gegen die favorisierte Beatriz Haddad Maia gewonnen und Deutschland in Führung gebracht. „Wir haben das Momentum von gestern mitgenommen und ich freue mich, dass ich dem Team helfen konnte“, sagte eine sichtlich gelöste Niemeier: „Ich war sehr nervös und bin extrem stolz, dass ich so zurückgekommen bin.“

Niemeier, die zuvor etwas überraschend für die am Vortag siegreiche Tatjana Maria nominiert worden war, fand zunächst nicht gut in die Partie und gab schnell ihren Aufschlag ab. Anschließend aber steigerte sich die zuletzt formschwache 23-Jährige erheblich und sicherte sich zum Jubel der deutschen Fans im Tie Break den umkämpften Satzgewinn.

Nachdem sie den zweiten Durchgang abgeben musste, zeigte sich die Dortmunderin im Entscheidungssatz von ihrer besten Seite. Sie retournierte mutig und nahm Haddad Maia gleich dreimal den Aufschlag ab.

Die deutsche Mannschaft qualifizierte sich durch den Erfolg für das Finalturnier mit den zwölf besten Nationalteams im November. Der Finalort steht noch nicht fest.