60 Siege in der besten Basketball-Liga der Welt.
Die Atlanta Hawks haben sich mit ihrer Fabelsaison in einen elitären Kreis gespielt.
Erst 45 Teams gelang es, die 60-Siege-Schallmauer zu durchbrechen. In dieser Saison waren nur die Golden State Warriors (67-15) besser (Die NBA-Playoffs LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).
Sogar vom Trainer der Gegner gibt es Lob im Überfluss. „60 Spiele gewinnt man nicht durch Zufall. Es scheint, dass Atlanta alle Puzzleteile zusammen hat“, lobte Knicks-Coach Derrick Fisher den Gegner nach dem letzten Duell.
Aber was ist die beeindruckende Marke wert? Gegen die Brooklyn Nets (Spiel 2, Do. ab 1 Uhr LIVESCORES) sind die Habichte in der ersten Runde klarer Favorit. Aber sind Dennis Schröder und Co. wirklich ein heißer Titelkandidat?
Die klare Antwort lautet Nein.
Statistik spricht gegen Hawks
Denn statistisch zeigt sich, die Hälfte der stolzen 60er-Teams verpasste den Titel, 17 Mannschaften erreichten nicht einmal die Finals (Alles zur NBA im Free-TV auf SPORT1: Do., 23.30 Uhr: Inside US Sports).
In der jüngeren Vergangenheit ist die Bilanz sogar noch ernüchternder. In den vergangenen zehn Jahren holten sich elf Klubs die 60-Siege-Marke, sieben davon scheiterten noch vor den Finals.
Auf den ersten Blick keine guten Aussichten für ein Hawks-Team, das alle Experten nach der Saison 2013-14 (38-44) komplett überrascht hat.
Spurs-Modell bringt Erfolg
Im Sturm eroberte das Kollektiv um Jeff Teague, Kyle Korver, DeMarre Carroll, Paul Millsap und Al Horford die NBA, zum ersten Mal wurde ein komplette Starting Five zum Spieler des Monats in der Eastern Conference gewählt.
Head-Coach Mike Budenholzer formte mit viel Fingerspitzengefühl eine echte Mannschaft, die durch Teambasketball, selbstloses Passspiel und knallharte Verteidigung besticht.
Budenholzer setzte all seine Erfahrung, die er als Assistent unter Coach-Legende Gregg Popovich (1996-2013) sammelte, mit den Hawks um und erfand die Spurs der Eastern Conference.
Große Ausgeglichenheit
Teague, Korver, Millsap und Horford wurden ins All-Star Team berufen, Schröder durfte an der Rising Stars Challenge teilnehmen.
Und genau hier liegt der Unterschied zu vielen One-Hit-Wonder-Teams. Atlanta ist nicht von ein, zwei Spielern abhängig, die Last wird auf viele Schultern weit über die Starting Five hinaus verteilt.
Schröder, Pero Antic, Shelvin Mack, Kent Bazemore und Elton Brand bescheren den Akteuren der Anfangsformation, deren Einsatzzeit nur vom Quintett der Los Angeles Clippers überboten wird, dringend nötige Pausen.
Kevin Durant sichert sich vier Mal in Folge den Scoring-Title der NBA. Nun wollen ihm James Harden, LeBron James und Co. nachfolgen. SPORT1 zeigt die zehn besten Scorer.
Schröder kann als Kettenhund wertvoll werden
Zudem liegt das Hauptaugenmerk auf der Defense, 97,2 Punkte im Schnitt bedeuten die fünftbeste Defense der Liga - und das, obwohl die Hawks bei den Rebounds (40,5) nur auf Platz 28 landen.
Gerade hier kann und sollte Schröder seine Highlights setzen.
Für die Offensive gibt es genug andere Optionen, aber seine außergewöhnliche Mischung aus drahtigem Körper und langen Armen gepaart mit schnellen Beinen besitzen nur wenige in der Liga.
Diese Meinung hat sich mittlerweile auch in den USA durchgesetzt, was eine Aussage im The Atlanta Journal-Constitution zeigt: „Kein Team im Osten hat eine Starting Five wie Atlanta, kein Team hat einen Dennis Schröder.“
Sefolosha-Situation sorgt für Wirbel
Teamgeist und Disziplin stehen bei Budenholzer über allem, doch in der letzten Woche bekam die heile Welt der Hawks einige Kratzer ab.
Antic und Thabo Sefolosha vergnügten sich vor einem Spiel im New Yorker Nachtleben und gerieten mit der Polizei aneinander.
Das Ende der Geschichte: die beiden Hawks-Routiniers verbrachten eine Nacht im Knast, doch viel schlimmer, Sefolosha brach sich bei der Festnahme das Bein und fällt für den Rest der Saison aus.
Ein schwerer Rückschlag für Hawks, die damit einen ihrer Edelverteidiger verlieren, auf den es in den Playoffs noch deutlich mehr angekommen wäre als in der Regular Season.
„Es ist nur eine kleine Ablenkung. Wenn so etwas passiert, dann ist es eben so. Wir sind nur kurz aus dem Tritt geraten, kein Grund zur Beunruhigung“, versuchte Carroll die Situation herunterzuspielen.
Rhythmus ist weg
Ganz so harmlos ist es aber nicht, dann die Hawks sind auf der Zielgeraden tatsächlich etwas mehr aus dem Tritt geraten. Von den letzten 14 Spielen gingen sieben verloren.
Zwar schonte Budenholzer seine Stars oft, Millsap kurierte seine Schulterverletzung vor den Playoffs aus, doch der Rhythmus ging ebenfalls flöten.
Die gut geölte Hawks-Maschine wieder zum Laufen zu bringen, dürfte für Budenholzer die größte Herausforderung werden. Denn einen echten Go-to-Guy – wenn es nicht läuft – gibt es nicht.