Emmanuel Agassi: Ein fragwürdiger Tennis-Patriach

Emmanuel Agassi: Ein fragwürdiger Tennis-Patriach

Das Verhältnis zwischen Andre Agassi und seinem Vater Emmanuel Agassi war zeitlebens schwierig und von der cholerischen Persönlichkeit des Familienoberhaupts geprägt. Heute vor fünf Jahren trennten sich ihre Wege für immer.

Emmanuel Agassi war die prägende Figur einer Weltkarriere – nicht nur im positiven Sinne.

Der Vater von Tennis-Ikone Andre Agassi hat einen bleibenden Eindruck auf seinen Sohn hinterlassen, ehe er heute vor fünf Jahren im Alter von 90 Jahren, am 24. September 2021, in einem Hospiz in Las Vegas verstarb. Agassi bestätigte den Verlust seines Vaters damals in den Medien, ohne einen weiteren Kommentar dazu abzugeben.

Emmanuel Agassi: Tennis-Vater mit umstrittenen Methoden

Die Beziehung des 56-Jährigen zu seinem Vater und dessen „cholerischer Persönlichkeit“ war stets schwierig. In seiner 2009 erschienenen Biografie „Open“ erzählt der Ehemann von Steffi Graf von seiner Leidensgeschichte unter seinem Vater. So musste er unzählige Male gegen seinen Willen trainieren, wurde angeschrien und geschlagen. „Es gab nie Lob, nur Kritik“, erzählte Agassi einst in einem Spiegel-Interview. (So rettete Steffi Graf Andre Agassi nach seinem Absturz)

Als gebürtiger Iraner hatte Emmanuel Agassi in den 50er-Jahren zweimal als Boxer an Olympia teilgenommen, scheiterte jedoch früh. Seine extreme Leistungskultur ließ er auch seine Kinder spüren. „Ich wollte nicht spielen, aber ich musste. Es war das falsche Leben. Es war nicht meins“, erklärte der frühere Weltranglistenerste einst.

Andre war das jüngste der vier Kinder aus Mike Agassis Ehe mit Frau Elizabeth (geborene Dudley): Auch die älteren Kinder Rita, Philip und Tamara hatte Mike zu Profis formen wollen. Andre beschrieb seine älteren Geschwister als „Versuchskaninchen“, an denen der Papa die Methoden ausprobiert hätte, die er mit ihm zur Vollendung brachte.

DEINE MEINUNG

Andre Agassi – ab dem 13. Lebensjahr von Star-Coach Nick Bollettieri trainiert – entwickelte sich zu einem der besten Tennisspieler aller Zeiten, gewann acht Grand-Slam-Titel, doch der Preis war hoch.

Agassi mit heimlichem Tennis-Hass

„Ich habe zeitlebens einen heimlichen, dunklen Hass auf das Tennis gepflegt“, gestand er zudem in einem Interview mit der FAZ.

Ganz im Gegensatz zu seiner Ehefrau Steffi Graf. Deren 2013 verstorbener Vater Peter Graf war eine ähnlich patriarchale Persönlichkeit wie Mike Agassi, allerdings wollte die Deutsche auch immer freiwillig spielen. „Sie musste weder ihre Familie noch ihre Kindheit aufgeben. Im Gegensatz zu mir“, sagte Agassi.

Emmanuel Agassi (l.) mit Frau Elizabeth und den Söhnen Andre und Philip (r.)
Emmanuel Agassi (l.) mit Frau Elizabeth und den Söhnen Andre und Philip (r.)Emmanuel Agassi (l.) mit Frau Elizabeth und den Söhnen Andre und Philip (r.)© Getty Imager

Kurios: Nach Agassis Angaben war eine Begegnung seines Vaters mit Peter Graf in einem heftigen Streit und einer Beinahe-Prügelei geendet – Thema: welches der beiden Kinder die bessere Rückhand-Technik gehabt hätte.

Agassi schloss Frieden mit seinem Vater: „Gab keine ungesagten Worte mehr“

Der Groll gegenüber seinem Vater hat nach dem Karriereende des heute 56-Jährigen übrigens abgenommen. „Wir haben echten Frieden miteinander geschlossen. Am Ende gab es keine ungesagten Worte mehr zwischen uns. Ich wusste, dass er mich auf seine eigene, brutale Art geliebt hat“, verriet Agassi in seiner Biographie.

In einem Interview mit der SZ im Jahr 2010 versuchte er auch die positiven Seiten seines Vaters hervorzuheben. „Mein Vater ist unglaublich loyal. Ich wünschte, er hätte mich weniger geliebt. Er war immer großzügig“, erklärte er. Ich weiß nicht, wie er das gepackt hat: zwei Jobs, vier Kinder, stundenlang mit uns auf dem Platz stehen, diese wahnsinnige Disziplin“, zeigte er sich beeindruckt.

Ein inniges Verhältnis zwischen Vater und Sohn entstand dennoch nicht mehr.

Emmanuel Agassi bereut nichts: „Würde genau dasselbe tun“

Emmanuel Agassi wollte das Buch seines Sohnes im Übrigen nie genauer unter die Lupe nehmen. „Ich brauche sein Buch nicht zu lesen. Ich war dabei. Ich weiß genau, was ich getan habe, um aus ihm einen Champion zu machen“, machte er laut eines Berichts der Zeit deutlich.

Dementsprechend bereute er seinen Umgang mit seinem Sohn auch nie: „Wenn ich alles noch einmal machen müsste, würde ich genau dasselbe tun – außer, dass ich ihn nicht Tennis, sondern Golf oder Baseball spielen lassen würde. Da verdient man länger und mehr Geld“, argumentierte er.