Seit über zwei Jahren ist Max Eberl mittlerweile Sportvorstand des FC Bayern. Dabei erlitt er Tiefschläge, die er einfach so hinnahm, und Höhen, die er öffentlich nicht auskostete. Jetzt, wo er nach den warmen Worten von Uli Hoeneß wieder gute Zeiten erlebt, bleibt Eberl weiterhin dabei: Siegesgeheul verkneift er sich.

„Wie sagt man? Don’t believe the hype, don’t believe the drama. Ich mache meinen Job“, erklärte der 52-Jährige während der PR-Reise in Korea. Damit macht er sich das ewige Mantra von Vincent Kompany zu eigen. Der Trainer lebt es seit seinem Amtsantritt vor.

Max Eberl (l.) und Uli Hoeneß am Tegernsee
Max Eberl (l.) und Uli Hoeneß am TegernseeMax Eberl (l.) und Uli Hoeneß am Tegernsee© IMAGO/Kirchner-Media

Immerhin gab Eberl zu: „Natürlich haben mich die Worte (von Uli Hoeneß; Anm. d. Red.) am Donnerstag sehr gefreut. Da mache ich gar keinen Hehl draus. Man hört lieber Lob als etwas Kritisches.“

Fakt ist: Hoeneß stützt den Sportvorstand aktuell mit aller Kraft. Dass er sich sogar dafür entschuldigte, am Tag vor dem Pokalfinale in Berlin „naiv“ gewesen zu sein, spricht Bände und ist ein Punktsieg für Eberl.

FC Bayern: Hoeneß lässt Raum zur Interpretation

Fakt ist aber auch: Die Aussagen des Klub-Patrons sind auf den zweiten Blick nicht vollkommen wasserdicht und lassen weiterhin Raum für Interpretationen. Hoeneß‘ genauer Wortlaut ist interessant.

Am Tegernsee sagte er auf SPORT1-Frage über Eberls Chancen auf eine Vertragsverlängerung: „Im Moment, glaube ich, 100 (Prozent).“ Das klingt so, als könne sich das in Zukunft noch ändern und obendrein so, als sei sich Hoeneß selbst nicht ganz sicher. Glauben heißt schließlich nicht wissen.

Der Ehrenpräsident lässt damit auch durchblicken, dass er nicht allmächtig ist. Seit seinem Wechsel vom Aufsichtsratsvorsitzenden zum einfachen Mitglied des wichtigen Gremiums betont Hoeneß das selbst immer wieder.

Wie steht der Aufsichtsrat zu Eberl?

„Sie implizieren, dass unser Aufsichtsrat nichts zu sagen hat. Haben Sie sich mal die Mühe gemacht, festzustellen, welche Persönlichkeiten im Aufsichtsrat der FC Bayern AG sind? Da bin ich ein kleines Licht dagegen“, fuhr er im Sommer 2019 einen Reporter an und verwies auf all die Bosse von DAX-Unternehmen, die beim Rekordmeister mitreden dürfen.

Angesichts der Tatsache, dass selbst Hoeneß zugibt, nicht alles allein entscheiden zu können, bleibt also die Frage, wie sich die anderen Männer in der Führungsriege positionieren – allen voran der Aufsichtsratsboss.

„Ich gehe mal davon aus, dass Uli das so gemeint hat, dass wir mit der momentanen Transferperiode sehr zufrieden sind“, sagte Herbert Hainer jüngst über das Hoeneßsche Loblied auf Eberl.

Das klingt nach Wertschätzung, aber nicht nach schierer Begeisterung. Zumal der Klub-Präsident auch darauf verwies, dass es schließlich die Forderung des Aufsichtsrats an Eberl gewesen sei, Geld einzunehmen.

Hoeneß preschte wohl etwas zu weit nach vorne

Also Anweisung umgesetzt – mehr nicht? Ein wunder Punkt des Sportvorstands, dem monatelang vorgeworfen wurde, nicht sparsam genug zu sein. Hainers Aussagen könnte man – mal wieder – so deuten, dass Eberl zu seinem Glück gezwungen werden musste.

Für den Sportvorstand bedeutet das, dass die „im Moment 100“ Prozent in der Realität wohl eher als 99 Prozent zu verstehen sind und Hoeneß einen Millimeter zu weit nach vorne preschte.

Dass Eberl mittlerweile über genügend Erfahrung verfügt, wie genau man beim FC Bayern auf Zwischentöne achten muss, beweist er aktuell mit seiner Zurückhaltung. Er traut dem Hype wohl tatsächlich nicht. Denn zur Wahrheit gehört auch: Hoeneß entschuldigte sich lediglich für den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Spiegel-Interviews, nicht für seine Aussagen per se.