Die Ereignisse der zwölften Etappe der Tour de France haben nicht nur in der Jury für große Diskussionen geführt. Im Fokus standen dabei insbesondere zwei Szenen. Zunächst hatte der dänische Rad-Star Mads Pedersen beim Zwischensprint Jasper Philipsen gefährlich abgedrängt. Im Zielsprint kollidierten dann Vlad Van Mechelen und Fernando Gaviria, was einen Massensturz zur Folge hatte.

Während die Jury bei Pedersen Gnade walten ließ und eine zunächst ausgesprochene Punktestrafe wieder in eine einfache Verwarnung umwandelte, wurde Van Mechelen hart bestraft – und zwar in Form einer Gelben Karte, einer Geldstrafe und eines Punktabzugs.

Mads Pedersen hatte bei der 12. Etappe Glück mit einer Jury-Entscheidung
Mads Pedersen hatte bei der 12. Etappe Glück mit einer Jury-EntscheidungMads Pedersen hatte bei der 12. Etappe Glück mit einer Jury-Entscheidung© IMAGO/Belga

Tour de France: Bestrafung gegen Van Mechelen zu hart?

Dem Belgier Van Mechelen wurde vorgeworfen, das Tempo im Zielsprint reduziert zu haben, woraufhin Gaviria sein Hinterrad touchierte, zu Fall kam und einen Massensturz verursachte.

Eurosport-Kommentator Karsten Migels sprach im TV von einer „extrem harten Bestrafung“, die er nicht verstehen könne und erhielt die volle Zustimmung von Experte und Ex-Bahnradprofi Robert Bengsch.

„Da bin ich dabei. Er ist einfach seine Linie gefahren. Fernando Gaviria hat sich am Hinterrad aufgehängt. Das war für mich seine eigene Schuld“, machte er deutlich.

Kritik an Pedersen-Begnadigung: „Das sind unterschiedliche Bewertungen“

Die Tatsache, dass Pedersen konträr dazu begnadigt wurde und die 25 Punkte für seinen gewonnenen Zwischensprint letztlich zurück bekam, wirft demnach zusätzlich kein gutes Bild auf die Jury-Entscheidung.

„Ich habe kein Problem damit, wenn Entscheidungen korrigiert werden. Das zeigt eine Größe, wenn man sagt, wir haben einen Fehler gemacht. Aber wenn Pedersen die Jungs in die Bande reinfährt und man sagt, es war doch nicht so schlimm, dann gehe ich da nicht mit. Das ist für mich schwierig nachzuvollziehen“, kritisierte Bengsch die Rennleitung.

„Das sind unterschiedliche Bewertungen. Der eine darf es, der andere nicht“, stimmte Migels zu.

Der Kommentator bemängelte in diesem Zusammenhang auch, dass Huub Artz bei einem Ausreißversuch einige Tage zuvor, gleich dreimal von der Tour-Leitung für eine diskussionswürdige Sitzposition belangt wurde, was jedoch hinterher im Communiqué keinerlei Beachtung gefunden hatte.

Die Pedersen-Beschwerde sei hingegen von der Jury recht zügig erhört worden.

Tour de France: Bevorzugung von großen Namen?

Folgerichtig steht der Vorwurf im Raum, dass die Rennleitung bei großen Namen anders reagiert als bei weniger bekannten Sportlern.

„Wenn man einen Schritt weiter geht, könnte man es auch so zusammenfasst: Der Zirkus braucht seine Helden“, verdeutlichte Migels.

„Es ist traurig und es ist eigentlich nicht zum lachen, dass es da unterschiedliche Bewertungen gibt. Ich hoffe, das verändert sich im weiteren Verlauf der Tour“, nahm Bengsch daraufhin die Rennleitung in die Pflicht.

Pedersen auf Kurs – Van Mechelen wehrt sich

Pedersen führt den Kampf um das Grüne Trikot derzeit mit 41 Punkten an und gehört als Weltmeister aus dem Jahr 2019 und Gewinner der Sprintwertungen beim Giro und der Vuelta zu den ganz großen Namen im Radsport.

Van Mechelen spielt hingegen im Kampf um die Sprintwertung keine Rolle und hat im Erwachsenenbereich noch keine nennenswerten Erfolge gefeiert. Der 23-Jährige kann die harte Strafe gegen sich nicht verstehen.

„Ich habe nicht viel dazu beigetragen oder jedenfalls nichts falsch gemacht. Ich habe kein Manöver durchgeführt. Ich bin einfach nur auf die Ziellinie gesprintet“, beschrieb er seine Rolle im Massensprint im Gespräch mit der Sporza.