Im Vorfeld des WM-Halbfinals zwischen England und Argentinien (1:2) hatte die Ansetzung von Schiedsrichter Ismail Elfath für Diskussionen gesorgt. Schließlich hatte der US-Amerikaner bis dato noch keine Partie von vergleichbarer internationaler Tragweite in seiner Vita stehen. Und zunächst sah es auch so aus, als würden seine Kritiker Recht behalten.

Nach einer zugegeben schwierigen ersten Hälfte, in der Elfath erst spät die ersten Gelben Karten zückte und somit die ein oder andere Rudelbildung zu viel aufkommen ließ, kam er wie ausgewechselt aus der Kabine.

Ismail Elfath (hinten) leitete die Partie zwischen England und Argentinien
Ismail Elfath (hinten) leitete die Partie zwischen England und Argentinien Ismail Elfath (hinten) leitete die Partie zwischen England und Argentinien © IMAGO/Bildbyran

„Da sieht man, wie wichtig eine Pause für einen Schiedsrichter sein kann“, sagte der Ex-Schiedsrichter Lutz Wagner in seiner Funktion als TV-Experte bei der ARD und blickte kritisch die Entscheidungen in Hälfte eins: „Im ersten Durchgang hat einfach die Präsenz vom Schiedsrichter gefehlt. Er war nicht da, er hat keinen Zugriff gekriegt. Er hat keine Dominanz ausgestrahlt. Er hat eigentlich das Spiel nur begleitet, obwohl er es hätte führen müssen.“

„Plötzlich kommt ein anderer Schiedsrichter raus“

Mit dem Beginn des zweiten Durchgangs habe Elfath jedoch auf einem ganz anderen Niveau agiert. „Dann geht er in die Pause und plötzlich kommt ein anderer Schiedsrichter raus. 51. Minute, er zieht Gelb. Plötzlich ist er da, er strahlt Dominanz aus. Er führt auch das Spiel und plötzlich wird er auch mehr akzeptiert“, beschrieb Wagner den Start in die zweiten 45 Minuten.

„Er hat gerade noch rechtzeitig den Schalter umgelegt“, lobte Wagner, der betonte, dass der Unparteiische geschafft habe, die Spieler im Mittelpunkt zu belassen: „Und so soll es ja sein.“

Bei MagentaTV hatte Ex-Schiedsrichter Patrick Ittrich zuvor betont, dass die erste Hälfte generell schwer zu leiten gewesen wäre. „Für den Schiedsrichter ist das ein absolutes Drecksspiel, weil du eigentlich nichts richtig machen kannst. Egal, was du pfeifst, irgendeiner ist immer sauer mit dir“, hatte Ittrich verlauten lassen.

Gräfe: „So sollte man solche großen Spiele pfeifen“

Auch Manuel Gräfe war begeistert. „Elfath: Sehr gute Leistung“, schrieb der Ex-Schiri auf X: „Das ist der Grund, warum man keinen VAR braucht, und vor allem gibt es nach dem Spiel keine Diskussionen über die Schiedsrichter.“

„Kleine Fehler haben das Spiel zweimal angeheizt (1.–12. und 28.–38.), aber danach gab es sehr gute Beurteilungen von Zweikämpfen und eine klare Linie bei den Disziplinarmaßnahmen, gepaart mit einer selbstbewussten, ruhigen, aber autoritären Persönlichkeit“, meinte Gräfe, der zusammenfasste: „So sollte man solche großen Spiele pfeifen.“