Seinen „Last Dance“ hatte sich Felix Sturm anders vorgestellt, doch in den Box-Ruhestand startete der fünfmalige Weltmeister bemerkenswert versöhnlich. Mit reichlich Pizza und vielen Freunden ließ der 47-Jährige seinen letzten Abend als Profiboxer ausklingen und richtete noch ein paar Worte an seine Fans und Follower.

„Es war ein guter Fight. Er ist nicht ausgegangen, wie wir uns das gewünscht haben. So ist das nun mal im Sport“, sagte Sturm in einem Instagram-Video. Sein Gesicht war nach der Niederlage gegen den 14 Jahre jüngeren Granit Stein geschwollen, an der Nase, aber auch an der Stirn – und das hatte Gründe, wie Sturm süffisant bemerkte: „Granit hat einen ganz guten Job gemacht, ein bisschen viel mit dem Kopf vielleicht. Aber wir hatten einen Ringrichter, der hat das durchgeben lassen, das müssen wir akzeptieren.“

Stein hätte am Samstagabend in Stuttgart nach einem Kopfstoß in der sechsten Runde durchaus härter bestraft werden können als mit einem Punktabzug. Letztlich sah nur einer der drei Ringrichter Sturm bei diesem Halbschwergewichtskampf vorne.

Einer der erfolgreichsten deutschen Boxer verlor zum siebten Mal im 56. Profikampf und blickte dennoch zufrieden zurück. „Ich hatte eine tolle Karriere, jetzt will ich nur noch Champion für meine Familie sein. Das Leben geht weiter, ich freue mich auf das, was kommt“, sagte Sturm im Ring.

In dem auf zehn Runden angelegten Duell war der 33-jährige Stein äußerst aktiv, sorgte mit seiner angriffslustigen Art gar für hitzige Stimmung in der Halle. Präziser und technisch stärker boxte Sturm.

Für Sturm, bürgerlich Adnan Catic, endete damit eine Karriere, die mit fünf WM-Titeln (WBO, WBA und IBF) zahlreiche sportliche Höhepunkte aufwies, aber auch von Skandalen geprägt war. 2016 wurde er nach seinem WM-Sieg gegen den Russen Fjodor Tschudinow positiv auf das anabole Steroid Stanozolol getestet. Einen bewussten Dopingverstoß bestritt er, der Fall führte jedoch zu einem langjährigen Gerichtsverfahren. 2020 wurde Sturm zu drei Jahren Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung und versuchter Steuerhinterziehung, Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz sowie vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt.