Audi hat sich in der Formel 1 ein klares Enddatum gesetzt: Teamchef Mattia Binotto will den Werksneuling bis 2030 in den WM-Kampf führen. „Unser Ziel ist 2030: Wir wollen ein Team aufbauen, das um die Weltmeisterschaft kämpfen kann“, sagte Binotto Motorsport.com.

Solider Start als Basis – aber nur Platz neun

Seit dem Einstieg zur Saison 2026, als Audi den Startplatz von Sauber übernahm, sammelt der Hersteller behutsam Daten, Prozesse – und Punkte. Nach neun Rennen steht Audi mit sechs Zählern auf Rang neun der Konstrukteurs-WM, eingefahren vom zweiten Fahrer Gabriel Bortoleto. Nico Hülkenberg wartet noch auf seinen ersten Punkt. Trotzdem: Q2 war bislang bei jedem Grand Prix drin, dreimal ging es sogar in Q3 – ein Fingerzeig, dass das Fundament stimmt.

Binotto: 2026 und 2027 sind „Jahre des Aufbaus“

Binotto bremst bewusst die Erwartungshaltung. „Wir haben uns ein Ziel gesetzt, das weit über 2026 und 2027 hinausgeht“, betont der Italiener – und definiert 2028 als erste große Zwischenstation: „Der erste Meilenstein wird für uns vermutlich 2028 sein, wenn wir einen weiteren Qualitätssprung erwarten.“ Der Fokus liegt dabei weniger auf Sonntagen als auf Strukturen: Rund 100 Mitarbeiter sind an der Strecke, im Hintergrund arbeiten etwa 1400 Menschen täglich an Chassis und Antrieb. „Die Strecke ist das Sahnehäubchen. Aber zuerst müssen wir den Kuchen backen.“

Power Unit als Baustelle

Wo das Paket R26 noch blutet, wurde in Silverstone sichtbar: Im Qualifying-Speedtrap hingen Bortoleto und Hülkenberg hinten dran – Topspeed fehlt. Audi selbst macht keinen Hehl daraus, dass der Rückstand vor allem aus dem Antrieb kommt.

Mutmacher Chassis: „Sehr stark in den Kurven“

Während die Power Unit noch nachziehen muss, lobt Binotto die Aerodynamik- und Chassis-Arbeit ausdrücklich: „Mit dem Chassis bin ich sehr zufrieden.“ Und er liefert das fahrerische Indiz gleich mit: „Jeder erkennt an, dass unser Auto in den Kurven sehr stark ist.“ Passend dazu hatte Bortoleto in Österreich das Kurvenniveau bereits auf Augenhöhe mit den etablierten Topteams eingeordnet.

Im Hintergrund wird parallel an der Fabrikstruktur gefeilt: Audi bündelt die Entwicklung zwischen Hinwil (Chassis) und Neuburg an der Donau (Power Unit) und treibt die Integration als Werksteam voran – exakt der Unterbau, der für den großen Wurf vor dem nächsten, für 2031 vorgesehenen Reglementwechsel stehen soll.