96 von 104 Spielen sind bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko gespielt. Mit Beginn der Viertelfinals rast die XXL-WM in die entscheidende Phase.
Acht Nationen träumen vom WM-Titel 2026. Darunter sind eindeutige Favoriten, Überraschungen und klare Außenseiter. Welche Nationen haben die größten Chancen auf den Titel?
Platz 8: Belgien
Ich trage ein halbes oder zumindest ein viertel Schweizer Herz in mir und wollte die Schweiz deshalb nicht auf den letzten Platz setzen. Für Belgien wird gegen Spanien Endstation sein. Es ist wieder einmal die letzte Chance für Belgiens „goldene Generation“. Das restliche Teilnehmerfeld ist zu gut, Belgien hat im Vergleich nicht so starke Individualisten wie andere Nationen.
Es kam überraschend, dass Kevin De Bruyne zuletzt nur Einwechselspieler war. Es hat aber mit Sicherheit auch seine Gründe. Manchmal ist es gut, dass man einen großen Charakter rausnimmt, damit sich die anderen Spieler zeigen können. Es öffnet mehr Freiheit und Entfaltungsspielraum für die anderen Profis.
Platz 7: Schweiz
Sie haben viele Hürden übersprungen. Zu Beginn des Turniers gab es Querelen unter den Spielern und um Kapitän Granit Xhaka, der natürlich polarisiert. Die Verletzung von Johan Manzambi, der eine überragende WM spielt, tut den Schweizern weh. Auch ohne ihn hat die Schweiz einen großen Zusammenhalt entwickelt. Als kleines Land solch eine Leistung zu bringen, ist beeindruckend.
Die Balance zwischen Individualisten mit einem überragenden Torhüter Gregor Kobel, der im Elfmeterschießen gegen Kolumbien zur Stelle war, und dem Teamgefüge ist vorhanden. Mit Xhaka haben sie das Herzstück dieser Mannschaft. Ich finde ihn überragend, er kann viel Gutes tun und der Mannschaft helfen – auch mit seiner Mentalität. Die Schweizer haben einen richtig guten Drive und stehen zu Recht im Viertelfinale. Dennoch glaube ich, dass sie gegen Argentinien ihr letztes Spiel bei der WM absolvieren werden.
Platz 6: Norwegen
Norwegen schreibt eine fantastische Geschichte bei der WM. Die Fans begeistern mich. Ich war auch mit ihnen am Times Square in New York City. Man muss den Norwegern einfach die Daumen drücken. Ich habe ein wenig mein Herz an die Norweger verloren. Die Mannschaft begeistert mich.
Ich finde auch Erling Haaland fabelhaft, der gegen Brasilien den Ball fast aus dem Stand einfach so ins Tor zimmert. Wenn ich aber die anderen Teams sehe, sind fünf Nationen individuell noch einmal besser.
Platz 5: Marokko
Der Ausfall von Ismael Saibari, dem Neuzugang des FC Bayern, tut Marokko richtig weh. So einen Ausfall kann Frankreich im Vergleich besser kompensieren. Wenn Mannschaften bei einer WM so weit kommen, wie es Marokko nun geschafft hat, entscheiden ab einem gewissen Punkt auch die Wechseloptionen, die Frische und die Widerstandsfähigkeiten.
Für einige Spieler Marokkos ist der Rhythmus bei einer WM neu. Nicht alle kennen es, in solch kurzer Zeit intensiv viele Spiele zu absolvieren. In diesem Punkt sehe ich Frankreich und die anderen Teams im Vorteil gegenüber Marokko. Aber im Vergleich zu 2022 ist Marokko noch einmal besser geworden. Sie sind eine Nation für die Zukunft, die dann auch um Titel mitspielen kann. Noch ist es aber zu früh und sie haben das Pech, heute gegen Frankreich zu spielen.
Platz 4: England
England begeistert mich noch nicht so sehr, wie ich es erwartet hatte. Bei England habe ich nicht das Gefühl, dass der berühmte Knoten schon geplatzt ist. Sie haben bislang noch nicht die große Fußballkunst auf den Rasen gebracht. Sie haben Harry Kane – und das reicht in diesem Fall bislang auch. Sie haben eine überragende Mannschaft und einen Trainer, der es geschafft hat, die richtigen Spieler zu nominieren und aufzustellen. Thomas Tuchel hat viel Gegenwind bekommen und muss viele Hürden aus der englischen Presse meistern. Er hat das eindrucksvoll geschafft. Chapeau!
England tritt recht geschlossen als Mannschaft auf. Das muss man erst einmal schaffen, wenn man so viele Topstars in den eigenen Reihen hat. Trotzdem glaube ich, dass Spanien, Frankreich und Argentinien den Engländern etwas voraushaben. Ich sehe die Argentinier vor allem auf der mentalen Ebene weiter vorne als England. Bei der fußballerischen Finesse liegen die Spanier weiter vorne und die Franzosen sind einfach unfassbar stark. Deshalb habe ich England auf Platz vier.
Platz 3: Argentinien
Argentinien hat gegen Kap Verde und Ägypten alles andere als souverän und gut gespielt. Deswegen habe ich sie nur auf Platz drei gelistet. In der Vorbereitung auf die WM habe ich gedacht: ‚Wow, wie gut sind die Argentinier?‘ Gegen Kap Verde kam dann das böse Erwachen. Trotz des mutmaßlich leichten Turnierbaums marschieren sie nicht so locker durch die WM, wie ich erwartet hatte. Sie waren am Rande des Scheiterns.
Die Spiele gegen Kap Verde und Ägypten haben Argentinien viele Körner gekostet. Aber: Sie haben es geschafft, zwei enge Spiele auf ihre Seite zu ziehen. Deswegen glaube ich, dass die Argentinier nicht totzukriegen sind. Sie nehmen so viel Energie und Positivität aus ihrem Comeback gegen Ägypten mit. Sie spielen alle für ihren Superstar Lionel Messi und das setzt Kräfte frei. Sie sind Krieger und Mentalitäts-Monster, die wir auch bei uns in Deutschland gerne hätten.
Platz 2: Spanien
Sie sind ein wenig holprig in das Turnier gestartet. Sie sind so ein bisschen die Turniermannschaft geworden, die wir Deutschen mal waren. Sie werden von Spiel zu Spiel besser, verfügen über Individualisten auf Weltklasse-Niveau. Ihr Spiel ist fluide, der Ball läuft gut in den eigenen Reihen. Sie haben feine Fußballer, die Mentalität mitbringen und auch wissen, wie gut sie sind. Sie treten unheimlich selbstbewusst auf und haben individuell mehr Möglichkeiten als zum Beispiel Argentinien.
Spanien hat zudem noch kein Gegentor bei der WM kassiert. Diese Defensivlust ist entscheidend bei einer WM. Mannschaften, die gut verteidigen wollen und können, kommen sehr weit. Das können die Spanier. Aufgrund des Turnierbaums glaube ich dennoch, dass im Finale Frankreich auf Argentinien treffen wird, weil Frankreich Spanien im Halbfinale besiegen wird.
Platz 1: Frankreich
Wenn ich die Franzosen sehe und mir den Kader anschaue, bleibt mir nichts anderes übrig, als Frankreich als Topfavorit auf den Titel anzusehen. Ich kann mir bei Frankreich nicht vorstellen, dass sie straucheln. Die Dichte und Breite des Kaders ist einmalig. Sie sind als Team zusammengewachsen und haben es gelernt, Spiele zu gewinnen.
Kylian Mbappé bekommt in jedem Spiel seine Chancen. So eine Qualität kann nicht jedes Land auf den Platz bringen. Zudem hat Frankreich Wechseloptionen, wie sie keine Nation auf der Welt hat. Sie sind der klare Topfavorit auf den Titel.