Olav Kooij hat das erste Kräftemessen der Sprinter bei der Tour de France für sich entschieden und den Tagessieg auf der fünften Etappe errungen! Der Niederländer vom Team Décathlon CMA CGM setzte sich auf dem 158,3 Kilometer langen Teilstück von Lannemezan nach Pau mit einem beherzten Schlussspurt vor dem Deutschen Max Kanter (XDS Astana) und Tim Merlier (Soudal Quick-Step) durch.

„Es war ziemlich nervös im Feld“, sagte Kanter, der zuvor auch beim Zwischensprint geglänzt hatte, in der ARD: „Jeder wollte vorne fahren, dadurch ist es halt extrem stressig gewesen. Jeder wollte in der richtigen Position sein.“ Kanter selbst gelang das hervorragend, wie er bei Eurosport schilderte: „Ich habe versucht, noch einmal in den Windschatten zu kommen, aber der Abstand war schon zu groß. Aber es war ein guter Start, darauf kann man aufbauen.“ 

Max Kanter (r.) wurde auf der 5. Etappe der Tour de France hinter Olav Kooij
Max Kanter (r.) wurde auf der 5. Etappe der Tour de France hinter Olav KooijMax Kanter (r.) wurde auf der 5. Etappe der Tour de France hinter Olav Kooij© IMAGO / Photo News

Tour de France: Keine Veränderung im Gesamtklassement

Pascal Ackermann (Kandel/Jayco-AlUla) und Phil Bauhaus (Bocholt/Bahrain Victorious) an seinem 32. Geburtstag verpassten eine Platzierung in den Top-Ten. Die deutschen Radprofis müssen trotz der Topleistung von Kanter, der seinem größten Karriereerfolg ganz nahe kam, weiter auf den ersten Etappensieg bei der Tour seit fünf Jahren warten. Auf der ersten von nur fünf Etappen, bei denen sich die „reinen“ Sprinter Siegchancen ausrechnen dürfen, ließen es die Topfavoriten gemütlich angehen.

So gab es im Gesamtklassement keine Veränderungen. Torstein Träen von Uno-X Mobility bleibt vor Sean Quinn (EF Education-EasyPost) an der Spitze und ist weiterhin Träger des Gelben Trikots. Tadej Pogacar (UAE Team Emirates – XRG) steht vor dem zeitgleichen Jonas Vingegaard (Team Visma / Lease a Bike) auf Platz vier und rollte am Mittwoch mit dem großen Hauptfeld aller Favoriten über die Ziellinie. Florian Lipowitz vom deutschen Team Red Bull–Bora–Hansgrohe behauptete Rang elf.

Lange Soloflucht bestimmte die fünfte Etappe

Zuvor prägte Baptiste Veistroffer das Renngeschehen. Der Franzose vom Team Lotto Intermarché setzte sich unmittelbar nach dem scharfen Start aus dem Feld ab und machte sich auf einen langen Soloritt. Das Peloton ließ den Ausreißer gewähren und schlug ein kontrolliertes Tempo an. Immer wieder warf Veistroffer einen Blick über die Schulter, doch im Hauptfeld zeigte zunächst niemand Interesse daran, die Verfolgung zu organisieren. Sein Vorsprung wuchs zwischenzeitlich auf mehr als dreieinhalb Minuten an. 

Vor dem Start hatte Veistroffer noch damit gerechnet, Teil einer drei- oder vierköpfigen Ausreißergruppe zu sein, wie er in einem Interview vor dem Start schilderte. Die Etappe des Vortages hatte er bewusst genutzt, um Körner zu sparen – in der Hoffnung, nun mit voller Energie angreifen zu können. Dass ein Soloritt gegen das geschlossene Peloton auf Dauer kaum Aussicht auf Erfolg haben würde, zeichnete sich allerdings früh ab. Ganz ohne Lohn blieb sein beherzter Auftritt dennoch nicht: Veistroffer erhielt die Goldene Startnummer für den kämpferischsten Fahrer.

Tour de France: Das steht am Donnerstag an

Die morgige sechsten Etappe der Tour de France stellt das Peloton vor die bislang größte Herausforderung dieser Rundfahrt. Von Pau führt die Strecke mitten hinein in die Pyrenäen: Über den Col d’Aspin und den legendären Col du Tourmalet geht es hinauf zur Bergankunft in Gavarnie-Gèdre. Während das Finale inmitten eines spektakulären Nationalparks erstmals Teil der Tour ist, zählen die beiden Anstiege zuvor seit mehr als einem Jahrhundert zu den ikonischsten Prüfungen der Frankreich-Rundfahrt. 

Gerade die spezielle Kombination aus den traditionsreichen Pässen und dem vergleichsweise moderaten Schlussanstieg verleiht der Etappe ihren besonderen Reiz. Wer im Kampf um das Gelbe Trikot Zeit gutmachen will, kann kaum bis zum letzten Anstieg warten. Die entscheidenden Attacken dürften schon am Tourmalet erfolgen – rund 40 Kilometer vor dem Ziel.