Lothar Matthäus fordert nach dem blamablen WM-Aus gegen Paraguay einen radikalen Umbruch in der deutschen Nationalmannschaft.

Natürlich brauche das DFB-Team auch in Zukunft erfahrene Spieler wie Joshua Kimmich, Nico Schlotterbeck oder Jonathan Tah. Auch auf Florian Wirtz und Jamal Musiala sollte der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp setzen, betont der Rekordnationalspieler in seiner Bild-Kolumne.

Lothar Matthäus fordert eine bessere Ausbildung in Deutschland
Lothar Matthäus fordert eine bessere Ausbildung in DeutschlandLothar Matthäus fordert eine bessere Ausbildung in Deutschland© IMAGO/Pressefoto Baumann

„Aber es wird sicher auch viele neue Namen geben, die Startelf-Chancen bekommen“, schreibt Matthäus und nennt in dem Zusammenhang Finn Jeltsch, Robert Ramsak, Yann Aurel Bisseck, Kevin Schade und Adin Licina.

Auch das 16 Jahre alte Ausnahmetalent Kenneth Eichhorn, das in diesem Sommer von Hertha BSC zu Bayer Leverkusen wechselte, ist für Matthäus ein Kandidat für die Nationalmannschaft der Zukunft.

DFB-Team: Lothar Matthäus spricht sich für Tom Bischof und Said El Mala aus

Darüber hinaus fordert er, Spielern eine Chance zu geben, die den Sprung in den WM-Kader des mittlerweile zurückgetretenen Julian Nagelsmann nicht schafften.

„In Tom Bischof, der beim FC Bayern eine starke Saison spielte, und Nicolò Tresoldi, der mit 13 Toren für den FC Brügge in Belgien sogar Torschützenkönig wurde, verzichtete Nagelsmann auf zwei 21-Jährige, die uns bei der WM hätten guttun können“, schreibt Matthäus. „Ich finde, ein Bundestrainer muss auch perspektivisch denken und nominieren – erst recht, wenn er einen Vertrag bis 2028 hat! Klopp wird das tun, jede Wette.“

Kritik übt der Weltmeister von 1990 an Nagelsmann auch wegen einer anderen Personalentscheidung. „Ich habe auch nicht verstanden, warum El Mala nicht nachnominiert wurde, als Karl verletzt abreisen musste“, wundert sich Matthäus. „Stattdessen kam Ouédraogo. Immerhin ein 20-Jähriger, aber er hatte in Leipzig keine gute Saison und spielte dann auch bei der WM keinerlei Rolle.“

Matthäus: „Müssen wieder mehr Zweikämpfe trainieren“

Für den Umbruch reiche es allerdings nicht, neue Spieler im Kreis der Nationalmannschaft zu integrieren. „Ein entscheidender Punkt ist die Ausbildung von Talenten. Ich habe den Eindruck, dass da auch in den Vereinen einiges im Argen liegt“, schreibt der 65-Jährige und wünscht sich, dass in der allgemeinen Nachwuchsarbeit wieder mehr Wert auf das Leistungsprinzip gelegt wird.

Außerdem müssen man wieder „mehr Zweikämpfe trainieren, vor allem in den Jugendmannschaften – aber auch bei den Männern“, so Matthäus: „Denn nur mit technischer und spielerischer Qualität, aber ohne Robustheit hat man auf Weltklasse-Niveau keine Chance. So abgedroschen es klingen mag: Wir müssen zurück zu unseren Tugenden, die deutsche Nationalmannschaften immer stark gemacht haben.“

Diese Aufgaben müssten nun vom DFB mit Priorität angegangen werden.