Thomas Tuchel hat sich nach dem knappen Sieg gegen Mexiko im WM-Achtelfinale über die Schiedsrichterleistung beschwert. Bemerkenswert: Im englischen Lager gehört er zu den wenigen, die an der Leistung von Referee Alireza Faghani etwas auszusetzen haben.

„Das ist einfach nicht gut genug“, erklärte Tuchel bei BBC Sport. „Die Schiedsrichter sind einfach nicht gut genug, die vierten Offiziellen sind einfach nicht gut genug. Das ist das Fazit.“ Dabei brachten den deutschen Trainer besonders zwei knifflige Szenen auf die Palme. Zum einen, dass Jarell Quansah wegen groben Foulspiels des Feldes verwiesen wurde (54.), und zum anderen, als der im eigenen Strafraum zu ungestüm agierende Harry Kane einen Elfmeter verursachte (65.).

Thomas Tuchel nimmt die WM-Schiedsrichter in die Mangel
Thomas Tuchel nimmt die WM-Schiedsrichter in die Mangel Thomas Tuchel nimmt die WM-Schiedsrichter in die Mangel © IMAGO/Mark Pain

„Ist das ein klarer und offensichtlicher Fehler beim Elfmeter? Ganz sicher nicht. Sie haben eine Situation umgekehrt, in der er nicht einmal ein Foul gepfiffen hat“, polterte der Ex-Bayern-Coach.

WM 2026: Ex-Spieler widersprechen Tuchel

Die Situation um Kanes misslungene Klärungsaktion im eigenen Sechzehner, der nicht den Ball, dafür aber sehr deutlich den Fuß des mexikanischen Mittelfeldspielers Brian Gutiérrez traf, wird von Englands Experten und ehemaligen Akteuren anders bewertet als von Cheftrainer Tuchel.

So meinte Ex-Nationalmannschafts-Keeper Joe Hart: „Der Schiedsrichter hat in allen drei Situationen die richtige Entscheidung getroffen. Ich denke, er (Tuchel, Anm.) liegt falsch.“ Auch für Darren Cann, Schiedsrichter-Assistent beim WM-Finale 2010, hat Faghani korrekt entschieden. „Kane tritt dem mexikanischen Spieler leider gegen den Fuß. Es ist ein bisschen ähnlich wie bei dem Tritt von Modric, für den England im ersten Gruppenspiel einen Elfmeter bekam.“

Auch das harte Einsteigen von Quansah ist dem Ex-Referee zufolge „eine eindeutige Rote Karte“. So sagte auch Hart: „Quansah musste zurecht vom Platz.“

Tuchel wiederum sagte beim Blick auf den Platzverweis: „Der Schiedsrichter hat die Aktion während des Spiels nicht als Foul wahrgenommen, dann hat sich der VAR gemeldet und zusammen haben sie eine Entscheidung getroffen. Auf der Videoleinwand haben sie das Standbild eingeblendet. Ich hoffe wirklich, sie haben die Rote Karte nicht aufgrund eines Standbildes gegeben.“

WM 2026: Tuchel kritisiert Schiedsrichter-Ansetzungen

Tuchel führte seinen Feldzug gegen die Schiedsrichter im Interview nach der Partie fort und bemängelte die Ansetzung der Unparteiischen: „Bei einem Spiel wie diesem kommen drei VAR-Mitglieder aus Südamerika. Wenn diese Information stimmt, ist das einfach…“

Tatsächlich fanden sich mit dem Kolumbianer Nicolas Gallo, dem Chilenen Juan Lara und Juan Soto (Venezuela) drei Südamerikaner im VAR-Team für das Achtelfinale zwischen Mexiko und England.

Bei allem Schiedsrichterärger des Übungsleiters der Three Lions dürfte die Freude über den Einzug ins Viertelfinale letztendlich überwiegen. Im Viertelfinale treffen die Briten auf die Überraschungsmannschaft Norwegen (Samstag, 23 Uhr, live im SPORT1-Ticker).