Alphonso Davies ist aktuell das Gesprächsthema in Kanada. Aber er selbst schwieg. Wortlos, sein Handy ans Ohr gedrückt, lief Kanadas Kapitän durch die Katakomben des BC Place in Vancouver und ließ sein Land erneut ratlos zurück.

Wann, so lautete die Frage vor dem größten Spiel in der Geschichte des kanadischen Männerfußballs, macht der Superstar endlich mit? „Er wird spielen“, versicherte Nationaltrainer Jesse Marsch vor dem WM-Sechzehntelfinale gegen Südafrika (ab 21 Uhr im LIVETICKER). Doch so richtig glauben will ihm das niemand – zu Recht, wie sich eineinhalb Stunden vor Anpfiff herausstellte.

Alphonso Davies wartet auf seinen ersten Einsatz bei der WM
Alphonso Davies wartet auf seinen ersten Einsatz bei der WMAlphonso Davies wartet auf seinen ersten Einsatz bei der WM© IMAGO/ZUMA Press

„Ablenkungsmanöver“ um Bayern-Star Davies

Schon gegen die Schweiz (1:2) hätte der Bayern-Profi sein Comeback feiern sollen, das hatte Marsch angekündigt. Doch am Ende? Alles nur ein „Decoy“, also ein „Ablenkungsmanöver“.

Und so wurde in Kanada vor dem Start in die K.o.-Runde in Los Angeles mal wieder kräftig diskutiert. Über Marsch, dessen Kommunikation, die Rolle des FC Bayern, aber vor allem: über das Verlangen nach dem größten Star.

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte The Athletic. Marsch müsse gegen Südafrika „alles in die Waagschale werfen“, also auch: Davies. „Wir sehen ihn jetzt in großartiger Form und hervorragender Verfassung. Ich denke, er ist mehr als bereit für morgen“ sagte Marsch am Samstag – doch eine Einsatzgarantie wollte er nicht aussprechen. Er wusste genau, warum. Denn Davies fehlt in der Anfangsformation der Kanadier.

Rätselraten um Davies nimmt zu

Das Problem? Offensichtlich weiß niemand, wie es dem 25-Jährigen, der wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel seit Anfang Mai kein Spiel bestritten hat, wirklich geht. Und die Kommunikation des Trainers, so das Urteil der kanadischen Öffentlichkeit, mache die Situation nicht besser.

Seine neueste Ankündigung werde ohnehin niemand „als etwas anderes als Übertreibung auffassen“, scherzte Marsch am Donnerstag. Zuvor hatte es teils deutliche Kritik am US-Amerikaner gegeben.

Mit seinem Versuch eines „Ablenkungsmanövers“ habe Marsch inmitten aller Euphorie ein „schlechtes Bild“ abgegeben, urteilte die Vancouver Sun: „Marsch kann sagen, was er will, aber es ist mehr als klar, dass Davies’ Verfügbarkeit nicht in seinen Händen liegt.“

Die Rolle des FC Bayern in der Causa Davies

Sondern? In denen des FC Bayern? Schon vor der WM hieß es, dass man beim deutschen Rekordmeister hoffe, Davies würde frühestens in der K.o.-Phase zum Einsatz kommen. Zu groß sei bei seinem Arbeitgeber die Sorge, der Linksverteidiger könnte zu früh einsteigen und sich abermals verletzen.

Zur Erinnerung: Nachdem sich Davies im Länderspiel gegen die USA im März 2025 das Kreuzband gerissen hatte, wurde er von den kanadischen Entscheidungsträgern ohne große Untersuchungen in ein Flugzeug Richtung München gesetzt – für die Bayern-Bosse ein Unding.

Nach SPORT1-Informationen war es eine Bedingung des Rekordmeisters, dass Davies, der sich Anfang Mai eine Muskelverletzung zuzog, vor allem von den eigenen Ärzten im Verein betreut wird. Eine Entscheidung über eine WM-Teilnahme des Kanadiers wollte man keinesfalls dem Spieler und seinem Verband allein überlassen.

Marsch hob vor dem Sechszehntelfinale noch einmal die gute Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem FC Bayern hervor. Es sei zwar „nicht immer einfach“ gewesen, „weil die Beobachtung, unter der Bayern ständig steht, sehr intensiv ist“, sagte der 52-Jährige: „Aber in diesem Moment glaube ich, dass wir zusammen daran gearbeitet haben, was unserer Meinung nach das Beste für Alphonso ist.“

Marsch verspricht Davies-Einsatz – mit Nachdruck

Am Sonntag, betonte Marsch einmal mehr mit Nachdruck, werde Davies spielen. Ob von Beginn an oder nur als Joker „werden wir sehen“. So oder so wäre die Bedeutung einer Rückkehr des Kapitäns, der seit März 2025 nicht mehr für Kanada gespielt hat, nicht zu unterschätzen.

Davies könne „einen großen Einfluss haben“, hatte Marsch zuletzt betont: „Sowohl fußballerisch als auch mental. Unser Kapitän ist zurück, unser bester Spieler ist wieder in der Mannschaft. Ich finde, das ist ein ganz entscheidender Faktor.“

Auch im Land würde Davies‘ Rückkehr, gepaart mit einem Erfolg gegen Südafrika, noch mal einen Schub auslösen.

Marsch unterstreicht schließlich immer wieder, dass es ihm auch um eine langfristige Entwicklung geht. Die WM soll Kanadas Fußball auf die nächste Stufe heben. Da dürfte es kaum helfen, wenn der größte Star keine Minute spielt.

„Wir haben immer noch eine riesige Chance vor uns, unser Land weiterhin zu begeistern“, sagte Marsch.

Aber wann mit Davies?

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)