Für viele Fans des FC Bayern war es fast ein kleiner Schock: Am Mittwoch vermeldete Transferjournalist Fabrizio Romano, dass sich Anthony Gordon mit dem FC Barcelona über einen Wechsel einig sei und auch zwischen den Klubs Konsens über eine Ablöse von bis zu 80 Millionen Euro herrsche. Einen Tag später machten dann auch erste Aufnahmen des Engländer am Flughafen in Barcelona die Runde.
Die Überraschung war deswegen so groß, weil sich der Engländer dem Vernehmen nach eigentlich auch mit den Bayern einig war. Die Hoffnungen hatte Sportvorstand Max Eberl jüngst auf einem Medien-Event von Bild vor dem Pokalfinale angeheizt. „Wir sind uns einig, dass wir einen Offensivspieler machen, wenn er zu finanzieren ist“, erklärte der 52-Jährige. Ob Gordon selbst wechseln will? Eberl: „Wir haben ein sehr gutes Gespräch geführt und hoffen, dass wir weiterkommen.“ Dabei machte er einen sehr zuversichtlichen Eindruck.
Doch genau in puncto Finanzierung lag bislang immer das größte Hindernis für einen erfolgreichen Deal. Schließlich forderte Newcastle über 80 Millionen Euro für Gordon – auch für den reichen FC Bayern kein Kleingeld. (NEWS: Alles zum Transfermarkt im SPORT1-Transferticker)
Fakt ist: Zu keinem Zeitpunkt war die bayerische Führungsriege bereit, für den Offensivspieler so tief in die Tasche zu greifen. Die Verhandlungstaktik war eher, dass man sich zunächst mit Gordon einigt und mit diesem Trumpf Newcastle United unter Druck setzen wollte. Es ist ein bewährtes System. Auch Harry Kane eiste man auf diese Weise einst von Tottenham Hotspur los.
Zweifel am Millionen-Mann
Fakt ist außerdem: Nicht alle Entscheidungsträger an der Säbener Straße waren zu jedem Zeitpunkt vom Sinn eines Gordon-Transfers überzeugt (SPORT1 berichtete). Die mahnenden Stimmen verwiesen darauf, dass Luis Díaz auf der linken Seite weder einen Konkurrenten noch einen Backup benötige. Schließlich ist der Kolumbianer fast nie verletzt und auch andere Bayern-Stars könnten in höchster Not den Ersatzmann geben.
Insofern ist es nur folgerichtig, dass klubintern nicht alle Beteiligten übermäßig traurig wären, sollte Gordon tatsächlich nach Barcelona wechseln. Zudem ist das Kopfschütteln über das katalanische Finanzgebaren groß. Und: Die Tatsache, dass sich der Spieler mit Barca ebenfalls einig wurde, zeigt, dass er zwar ein Wunschspieler des FC Bayern ist, der Rekordmeister aber nicht sein absoluter Wunschverein.