Jahrelang mussten die Frauen um einen Wettbewerb im Skifliegen kämpfen. Am Ende der vergangenen Saison hatte sich für die 15 besten Springerinnen der Traum erfüllt.

Auf dem Monsterbakken in Vikersund trug sich die Slowenin Ema Klinec mit 221m als erste Skiflugsiegerin in die Geschichtsbücher ein. Ob es jedoch auch in Zukunft weitere Skifliegen für Frauen geben wird, steht noch in den Sternen – sehr zum Ärger von Halvor Egner Granerud.

„Ich denke, dass alles großartig gelaufen ist“, zog der Norweger im polnischen Onlineportal sportsinwinter.pl eine positive Bilanz und ging sogar noch weiter: „Meiner Meinung nach war es eines der wichtigsten Wochenenden in der Geschichte des Skispringens.“

Es sei nun aber wichtig, an diesen Erfolg anzuknüpfen und so das Skispringen an sich weiter voranzubringen. „Zwei wirklich starke Produkte sind besser als eins“, betonte der zweimalige Gesamtweltcupsieger die Vorteile eines attraktiven Frauen-Wettkampfs.

Daher sei es für den Skiflug-Weltmeister mit der Mannschaft bei den Titelkämpfen 2020 in Planica „nur nervig, dass alles so langsam vorangeht. Ich wünschte mir, dass es solche Wettkämpfe häufiger geben würde.“

FIS gibt „goldene Karotte“ einfach aus der Hand

Mit dem Skifliegen der Frauen habe der Weltverband eine „goldene Karotte“ in puncto Vermarktung und Weiterentwicklung in der Hinterhand, aber die FIS ziehe es vor, diese einfach wegzuwerfen.

Zumal die Frauen in Vikersund bewiesen haben, dass sie mit den Männern mithalten können. „Ein Beispiel: Ema Klinec ist aus Luke 14 auf 222 Meter gesprungen. Das habe ich auch gemacht. Vielleicht bei anderen Bedingungen, aber ich habe Statistiken gesehen, nach denen ihr bester Sprung besser war, als der der Männer.“

Selbst einen gemischten Wettkampf im Rahmen der Raw-Air-Tour könne sich der Mann aus Oslo vorstellen. „Das ist eine wirklich gute Idee“, zeigte er sich überzeugt. Zumal es im Skispringen immer Platz für Veränderungen geben sollte.

Las Vegas? Saudi-Arabien? Granerud für alles offen

Diese Veränderung betrifft laut Granerud auch den Weltcup-Kalender. Aktuell werden innerhalb der FIS für die Zukunft auf den ersten Blick ungewöhnliche Wettkampforte wie Saudi-Arabien oder Las Vegas diskutiert. Für den Norweger selbst wäre es jedoch eine „Rückkehr zu den Wurzeln“ des Skispringens.

„Früher war Skispringen ein Sport, der den Mut der Menschen gezeigt und die Fans auf der ganzen Welt begeistert hat. In den späten 30er- und frühen 50er-Jahren sind viele Norweger nach Großbritannien und in die USA ausgewandert. Da gab es einige wirklich interessante Show-Springen auf ziemlich großen Schanzen.“

Daher sei er nicht gegen diese Gedankenspiele, zumal das Skispringen dank moderne Plastikmatten nicht mehr zwingend auf Schnee angewiesen ist. Dadurch bestünde das Potenzial, zu einem „globalen Sport“ heranzuwachsen.