Als die „neue Zeitrechnung“ bei RB Leipzig begann, grinste Martín Demichelis, die Haut braun gebrannt und die Haare grau meliert, brav für die Kameras. Und natürlich waberte auch der Name Jürgen Klopp durch den Raum, während der neue Trainer in typisch argentinischer Manier schnell klar machte, worum es ihm geht: Leidenschaft, Aggressivität – und irgendwann der Angriff auf den FC Bayern.

„Im Fußball ist alles möglich. Bei Bayern müssen wir ehrlich sein: Wir müssen uns nicht mit Bayern messen. Aber unser Ziel ist immer, uns zu verbessern und näher an Bayern heranzurücken“, sagte Demichelis bei seiner Vorstellung am Montag. Genau dafür haben die RB-Bosse den früheren Star-Verteidiger der Münchner geholt: Demichelis soll den Glanz der Weltbühne zum sächsischen Bundesligisten bringen.

Martín Demichelis hat mit RB Leipzig viel vor
Martín Demichelis hat mit RB Leipzig viel vor Martín Demichelis hat mit RB Leipzig viel vor © IMAGO/HMB-Media

Ole Werner führt RB Leipzig in die Champions League – und muss gehen

Sein Vorgänger Ole Werner hatte Leipzig in der abgelaufenen Saison nach einem Jahr ohne Europapokal mit Tabellenplatz drei zurück in die Champions League geführt. Dennoch musste er nach nur einem Jahr im Amt gehen.

Die Klubführung, so Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer, sei Werner und seinem Team „sehr dankbar, dass sie den Umbruch in einen Aufbruch verwandelt haben.“ Nun beginne jedoch „eine neue Zeitrechnung.“

Zwar sei RB zurück in der Königsklasse, so Schäfer, „aber ich glaube, wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen – weder die einzelnen Spieler noch wir als Klub. Wir haben große Ambitionen. Diesen wollen wir Schritt für Schritt gerecht werden.“

Martin Demichelis erst Meister, dann Absteiger – und jetzt zurück in der Bundesliga

Dabei blende der Klub die laufenden Verhandlungen von Red-Bull-Fußballchef Jürgen Klopp mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) über eine Anstellung als Bundestrainer aus. Er und sein Team hätten „den vollen Fokus hier in Leipzig“, so Schäfer.

Und dort schauten am Montag alle auf Demichelis, der einen Vertrag bis 2028 erhielt. Der 45-Jährige, der von 2003 bis 2010 für die Bayern spielte, wurde 2023 bei seiner ersten Station als Chef einer Profimannschaft mit River Plate auf Anhieb argentinischer Meister.

Danach ging es zum CF Monterrey nach Mexiko, zuletzt übernahm er im Februar den RCD Mallorca in Spanien, hauchte dem Klub neues Leben ein, konnte den Abstieg jedoch nicht verhindern.

Seinen Vertrag auf der Baleareninsel hatte er danach verlängert, doch dann fragte Leipzig an. „Der Fußball ist verrückt, verrückter als das Leben“, sagte Demichelis, für den Deutschland „schon fast meine zweite Heimat“ sei.

Viel Arbeit für Demichelis

Insofern musste er nicht lange überlegen: „Trainer eines großen Bundesligavereins zu sein, ist ein Traum.“ Vor dem Pflichtspielauftakt am 22. August in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Eintracht Trier wartet nun einiges an Arbeit auf den neuen Mann.

Am Freitag bat er seinen Betreuerstab zum Teambuilding auf den Golfplatz, bevor es am Montagnachmittag erstmals gemeinsam auf den Trainingsplatz ging. Dort fehlten noch die WM-Fahrer David Raum, Assan Ouédraogo, Nicolas Seiwald, Lutsharel Geertruida, Antonio Nusa – und Yan Diomande.

Rund um den Ivorer, den in diesem Sommer einige Top-Klubs jagen, wird es auf dem Transfermarkt noch spannend. Schäfer will ihn gerne noch ein Jahr halten, Demichelis sagte am Montag lediglich, man erwarte, „dass er zurückkommt.“ Sicher ist derweil die Rückkehr von Brajan Gruda, den RB erneut von Brighton & Hove Albion ausleiht.