Als ein „Wunder“ bezeichnete Ralph Hasenhüttl den Erfolg von RB Leipzig. Sportdirektor Ralf Rangnick konnte den Einzug des Aufsteigers in die Champions League nur „schwer in Worte fassen“.

Doch im Schatten des millionenschweren Bundesliga-Neulings hat Mitaufsteiger SC Freiburg ebenso Sensationelles geleistet – mit deutlich begrenzteren finanziellen Mitteln.

„Sie haben unendliche Möglichkeiten und die setzen sie sehr gut ein“, zollte Christian Streich den Leipzigern einst im November Respekt. „Man macht es nicht immer gut, wenn man wahnsinnige Möglichkeiten hat.“

Maximaler Erfolg mit Mini-Etat

Wie man aber auch mit dem zweitkleinsten Etat der Liga um den Einzug in den Europapokal mitspielen kann, zeigen die Breisgauer eindrucksvoll. Nach den Zahlen des Magazins Sporting Intelligence verdient ein Freiburger Profi (0,42 Millionen) durchschnittlich nicht einmal halb so viel wie ein Leipziger Spieler (0,96 Millionen).

Trainer Christian Streich vom SC Freiburg erzählt, wie ein Quartett-Abend mit seinem Sohn ihm überraschende Erkenntnisse vor dem Bundesliga-Finale bescherte.

Trainer Christian Streich vom SC Freiburg erzählt, wie ein Quartett-Abend mit seinem Sohn ihm überraschende Erkenntnisse vor dem Bundesliga-Finale bescherte.

Die Relation aus den verfügbaren Mitteln und dem Ertrag macht aus Freiburgs Höhenflug im Grunde eine Sensation – die Leistungen von Bayern München, Hoffenheim oder Leipzig verblassen daneben.

Mit einem Sieg am Samstag gegen den FC Ingolstadt (ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) könnte der Sport-Club bereits den Startplatz in der UEFA Europa League sichern – und wäre damit zum vierten Mal in seiner Geschichte international dabei. Eine Leistung, die der millionenschweren Konkurrenz aus Hamburg, Wolfsburg, Leverkusen oder Schalke die Schamesröte ins Gesicht treiben müsste, hinkt man doch jeweils den eigenen Ansprüchen weit hinterher.

Hitzfeld adelt Streich

Dass der Erfolg der Breisgauer ganz eng mit Trainer Streich verbunden ist, dürfte mittlerweile ein offenes Geheimnis sein. Und doch war es dem früheren Meistercoach Ottmar Hitzfeld zuletzt ein Anliegen, dies noch einmal zu betonen.

Nach dem Sieg gegen Schalke bleibt Christian Streich gewohnt bescheiden und verteidigt sogar das Auftreten des Gegners. Markus Weinzierl lässt keine Ausreden zählen.

Nach dem Sieg gegen Schalke bleibt Christian Streich gewohnt bescheiden und verteidigt sogar das Auftreten des Gegners. Markus Weinzierl lässt keine Ausreden zählen.

„Mein Trainer des Jahres ist Christian Streich. Er leistet über Jahre hinweg sensationelle Arbeit. Freiburg hat mit das niedrigste Budget der Bundesliga, was Streich dort leistet, geht mir immer zu sehr unter“, sagte der Champions-League-Sieger mit den Bayern und Borussia Dortmund der Sport Bild: „Er hält die Mannschaft immer wieder oben, obwohl fast jedes Jahr die besten Spieler verkauft werden. Er muss immer wieder unbekannte Spieler holen und aufbauen. Das wird aus meiner Sicht überhaupt nicht gewürdigt.“

Immerhin wissen die Freiburger Anhänger, die Arbeit Streichs zu würdigen. Nach den zurückliegenden Heimsiegen gegen Leverkusen (2:1) und Schalke (2:0) wurde der 51-Jährige, der seit mittlerweile fünfeinhalb Jahren die SC-Geschicke bestimmt, zum Feiern vor die Fankurve zitiert. „Ohne Christian fangen wir nicht an“, skandierten die Anhänger.

Freiburgs Erfolg weckt Begehrlichkeiten

Ohne den Christian, oder den „Krischdjan“ – wie Streich in seiner alemannischen Mundart sagen würde – hätten die Fans wohl in der Tat weit weniger Anlass zum Jubeln. Doch nicht nur seine überragende Arbeit als Trainer macht Streich mittlerweile zu einem Aushängeschild der Liga.

Während die Fasnacht tobt, bereitet sich Freiburg auf das Spiel gegen Dortmund vor. Doch Christian Streich findet Zeit, über seinen Lieblingsbrauch zu schwärmen.

Während die Fasnacht tobt, bereitet sich Freiburg auf das Spiel gegen Dortmund vor. Doch Christian Streich findet Zeit, über seinen Lieblingsbrauch zu schwärmen.

In seinen Pressekonferenzen nimmt der SC-Coach auch mal zu gesellschaftspolitischen Themen fernab des Fußballs Stellung. Dennoch bleibt Streich definitiv ein Fußball-Verrückter, der es aber geschafft hat, das Geschäft richtig einzuordnen.

Und so nimmt es der Familienvater mit Gelassenheit zur Kenntnis, dass er und seine Kaderplaner Jochen Saier und Klemens Hartenbach wohl wieder ihre besten Spieler – allen voran Vincenzo Grifo und Maximilian Philipp – nach Saisonende abgeben müssen. Immerhin: Der Vertrag des umworbenen Keepers Alexander Schwolow wurde am Dienstag verlängert.

„Wir wissen schon, was auf uns zukommt und wen wir unter Umständen verlieren“, sagte Streich. Und wenn es so kommt, fängt der Coach eben wieder mit seiner Arbeit an – und die ist nicht nur nach Ansicht von Hitzfeld sensationell.