Im Sexismus-Skandal um den bei Ajax Amsterdam zurückgetretenen Sportdirektor Marc Overmars sind neue Details ans Licht gekommen.
Dabei steht allerdings nicht nur der Top-Funktionär im Mittelpunkt. „Sexismus ist Teil der Kultur des Vereins“, erklärte eine Mitarbeiterin des niederländischen Klubs im Interview mit NRC Handelsblad.
Sie ist eine von elf Frauen, die von der Zeitung zu den Vorfällen bei Ajax befragt wurde. Die weiblichen Angestellten wollten anonym bleiben, weil sie zum Teil um ihren Job fürchten. NRC Handelsblad beruft sich in einem ausführlichen Bericht – seit Dezember wird nach einem Hinweis auf unlautere Vorgänge recherchiert – auch auf Chat-Verläufe aus WhatsApp-Gruppen und weitere ungenannte Quellen.
Overmars, der laut einer Pressemitteilung des Vereins wegen des Versendens unangemessener Nachrichten an weibliche Kollegen seinen Hut nehmen musste, sei vereinsintern als „geiler Cousin“ bekannt gewesen.
Männer beurteilen weibliche Kollegen in Chat-Gruppe
Dem Bericht zufolge schickte er unter anderem Bilder von seinen Genitalien an mehrere Frauen im Klub – und das sogar von einer Toilette im Vereinsgelände aus. Drei Frauen fühlten sich offenbar belästigt.
Die befragten Ajax-Mitarbeiterinnen berichten von einer „Schwanz-Kultur“ im Betrieb. Das Verhalten gegenüber Frauen sei häufig unangebracht, inakzeptable Äußerungen blieben aber stets ohne Konsequenzen.
Auch ein Spieler soll in den Skandal verstrickt sein – der namentlich nicht genannte Profi wollte eine Mitarbeiterin offenbar davon überzeugen, sich gemeinsam an ein stilles Örtchen zu begeben und gemeinsam zu vergnügen.
„Sexismus ist Teil der Vereins-Kultur“
„Bei Ajax musst du als Frau eine ganz dicke Haut haben. Wenn du die nicht hast, gerätst du schnell unter Druck“, sagte eine der Frauen. Wie es in dem Bericht weiter heißt, wurde eine Angestellte zudem heimlich mit dem Handy fotografiert, ihr Äußeres dann anschließend in einer Chat-Gruppe von männlichen Kollegen beurteilt.
„Es ist ein enormes Machtverhältnis“, klagte eine der Frauen an. Wer dies nicht akzeptiere, sei „ganz schnell raus.“
Geschäftsführer Edwin van der Sar hatte nach dem Overmars-Aus angekündigt, den weiblichen Mitarbeitern im Klub künftig einen sicheren Arbeitsplatz garantieren zu wollen. Zu den Enthüllungen von NRC Handelsblad hatte sich der Klub nicht geäußert.