Drei Jahre lang war Boris Becker von 2013 bis 2016 der Trainer von Novak Djokovic und führte den Serben zu sechs Grand-Slam-Titeln – darunter der lang ersehnte Erfolg bei den French Open.

Jetzt hat sich die deutsche Tennis-Legende zum Einreise-Chaos rund um die Nummer 1 der Welt vor den Australian Open geäußert – und nachdem er Djokovic zunächst in Schutz genommen hatte, auch deutliche Kritik an dessen Vorgehen geäußert. (BERICHT: Was Djokovic jetzt alles droht)

„Novak hatte wie fünf andere Spieler im Feld eine medizinische Ausnahmegenehmigung. Er hat das alles direkt mit den Australian Open geklärt, es lief professionell ab“, betonte Becker am Donnerstag im Gespräch mit der BBC.

Boris Becker: Djokovic begeht „großen Fehler“

Er verstehe den öffentlichen Aufschrei, „aber ich möchte Djokovic ein Stück weit verteidigen, denn er wäre nicht ohne eine Ausnahmegenehmigung geflogen“.

Die Entscheidung gegen eine vollständige Impfung halte er jedoch für einen „großen Fehler“, wie Becker in einem Gastbeitrag für die Daily Mail schrieb.

„Als sein ehemaliger Trainer stehe ich Novak Djokovic so nahe, dass ich ihn fast als Familie betrachten würde – aber wie in jeder Familie gibt es manchmal Meinungsverschiedenheiten“, schrieb Becker: „Und in diesem Fall denke ich, dass er einen großen Fehler begeht, wenn er sich nicht impfen lässt.“

Es sei ein Fehler, der auch Djokovics Chance bedrohe, seinen Rang als größter Spieler der Geschichte zu zementieren.

Becker sieht Djokovic-Karriere in Gefahr

Becker hatte laut eigenen Angaben Kontakt zu Djokovics aktuellem Coach Goran Ivanisevic, aber nicht zum Weltranglistenersten selbst, auf den er auch nach dem ersten Grand Slam des Jahres Probleme zukommen sieht. „Es geht nicht nur um Australien. Tatsache ist, dass wir in einer anderen Welt leben, und es wird ihm sehr schwer fallen, das Leben eines professionellen Tennisspielers zu führen, der ohne Impfung herumreist“, schrieb Becker.

Rafael Nadal hat sich im Zuge einer Pressekonferenz vor den Australian Open zu Novak Djokovic geäußert. Ungeimpfte Spieler, wie der Weltranglistenerste, dürfen nicht am Turnier teilnehmen.

Rafael Nadal hat sich im Zuge einer Pressekonferenz vor den Australian Open zu Novak Djokovic geäußert. Ungeimpfte Spieler, wie der Weltranglistenerste, dürfen nicht am Turnier teilnehmen.

Das Visum des Grand-Slam-Rekordchampions war nach dessen Ankunft in Down Under am späten Mittwochabend wegen Nichterfüllung der Pandemie-Einreisebestimmungen von den australischen Behörden widerrufen worden. (Pressestimmen: „Warum zum Teufel war er hier?“)

Djokovic befindet sich in einem Quarantäne-Hotel für Einwanderer in Melbourne. Eine endgültige Entscheidung über den Tennis-Superstar, der beim Kampf gegen seine drohende Abschiebung aus Australien einen Aufschub erhalten hat, soll nicht vor einer für Montag angesetzten Gerichtsverhandlung fallen, wie ein australischer Regierungsanwalt sagte.

Darf Djokovic noch zu den Australian Open?

Becker betonte, dass Djokovic nichts Unrechtes getan habe. (KOMMENTAR: Djokovic durfte damit nicht durchkommen)

„Er hat keine Regeln gebrochen. Sie hatten die Erlaubnis zu spielen“, meinte Becker, „aber offensichtlich haben einige Australier ihre Familien eineinhalb oder zwei Jahre nicht gesehen“.

Sollte Djokovic letztlich doch noch antreten dürfen, erwartet Becker von seinem ehemaligen Schützling eine angemessene Reaktion, rechnet aber nicht mit allzu viel Zuspruch von den Fans.

Novak Djokovic wurde nach seiner verweigerten Einreise von den australischen Behörden in ein Quarantäne-Hotel verlegt. Seine Mutter übt nun harsche Kritik am Vorgehen von Australien.

Novak Djokovic wurde nach seiner verweigerten Einreise von den australischen Behörden in ein Quarantäne-Hotel verlegt. Seine Mutter übt nun harsche Kritik am Vorgehen von Australien.

Becker erklärt umstrittenen Ruf von Djokovic

„Ich bin mir sicher, dass er in seiner ersten Pressekonferenz die richtigen Worte finden würde“, sagte Becker: „Das Tennis in Australien würde davon profitieren, wenn er spielt. Er ist einer der Größten aller Zeiten und will einen Rekord aufstellen.“

Allerdings sei Djokovic ohnehin „nie der beliebteste Typ“ gewesen: „Du kannst die Leute nicht zwingen, dich zu lieben. Und das war immer so ein bisschen sein Schicksal.“

Djokovic sei „ein feiner Sportsmann mit der richtigen Einstellung und dem richtigen Charakter“, stellte Becker klar, „er hat einfach nur eine andere Sicht aufs Leben. Er hat eine andere Vorstellung vom Essen, vom Trinken, vom Schlafen. Vielleicht ist das der Grund, warum er so erfolgreich ist, aber er ist eben nicht jedermanns Typ – das verstehe ich.“

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)