Für die einen ist Mick Schumachers ehemaliger Boss Günther Steiner ein Bösewicht, für die anderen ist er Kult – in jedem Fall ist er ein Mann, der nicht um deutliche und oft auch derbe Worte verlegen ist.

Spätestens seit der Netflix-Serie Drive to Survive sind die verbalen Ausbrüche des Südtirolers bei Fans Allgemeingut – in seinem neuen, autobiografischen Buch „Surviving to Drive“ dreht der Haas-Teamchef nochmal besonders auf.

„Das Auto war das größte Stück Scheiße, das jemals gebaut wurde“, erinnerte sich der 58-Jährige da etwa an seine Anfangszeit in der Formel 1 – und plaudert aus, wie der besagte Bolide einer Traditionsmarke auch die 2019 verstorbene F1-Ikone Niki Lauda in den Wahnsinn trieb (“Niki wollte Blut“).

Was war geschehen?

Günther Steiner und Niki Lauda litten bei Jaguar

Der damalige Mittdreißiger Steiner wurde im Jahr 2001 von Lauda nach Milton Keynes gelotst, wo der Österreicher den Rennstall Jaguar führte.

Steiner, der zuvor für den Ford-Konzern in der Rallye-Weltmeisterschaft WRC tätig gewesen war, sollte das Team auf Vordermann bringen – war dabei aber mit einer Hypothek belastet: Auf die Konzeption des Jaguar R3 für die Saison 2002 hatte er nach eigener Aussage keinen Einfluss. „Es wurde entwickelt, bevor Niki (Lauda, Anm. d. Red.) und ich dazukamen.“

Umso mehr lästert er nun über den damaligen Dienstwagen von Michaels Schumachers früheren Sidekick Eddie Irvine und Pedro de la Rosa. „Das Einzige, was für das Auto sprach – und ich meine, wirklich das Einzige – war, dass es fast keinen Abtrieb hatte, sodass es auf Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Monza in Ordnung war“, schreibt Steiner: „Wenn es nicht ausfiel!“

Günther Steiner im Jahr 2002 mit Niki Lauda (M.) und dem damaligen Renault-Teamchef Flavio Briatore
Günther Steiner im Jahr 2002 mit Niki Lauda (M.) und dem damaligen Renault-Teamchef Flavio BriatoreGünther Steiner im Jahr 2002 mit Niki Lauda (M.) und dem damaligen Renault-Teamchef Flavio Briatore

Das Problem: Das Auto fiel oft aus. Sehr oft. In 17 Rennen sah Irvine, der beim Großen Preis von Italien in Monza immerhin einen Podestplatz herausfahren konnte, zehnmal nicht die Zielflagge.

„Das war immer das Problem mit Jaguar, abgesehen von all der anderen Scheiße. In fünf Saisons hatten sie 69 Ausfälle“, zählt Steiner auf.

Niki Lauda: Beinahe-Eklat bei der Präsentation

Bereits bei der Präsentation wäre es beinahe zum Eklat gekommen, erinnerte sich Steiner weiter. „Kurz vor dem Launch hatte Niki eine Besprechung mit den Technikern, und als er herauskam, war er außer sich. ‚Du weißt, dass das letztjährige Auto scheiße war, ja? Nun, anscheinend wird dieses Auto noch schlechter sein.‘“

Er habe „in meinem ganzen Leben noch nie einen so wütenden Mann gesehen“, berichtete Steiner: „Niki wollte Blut. Er war kurz davor, vor hundert Presseleuten aufzutreten und ihnen zu erzählen, was für ein großartiges Auto es sei, obwohl es ein Scheißhaufen war.“

Die Saison wurde schlussendlich zu einem Desaster. Jaguar beendete das Jahr lediglich auf Rang sieben. Lauda wurde daraufhin im November entlassen. Steiner wurde im Dezember durch David Pitchforth ersetzt.

Zwar hatte Jaguar ihm einen anderen Job im Team angeboten, aber Steiner lehnte ab. Nach einem Jahr ohne Engagement kehrte er zu dem Team, das 2004 von Red Bull übernommen wurde, für drei Jahre zurück.

Nach fünf Jahren in der freien Wirtschaft – er hatte 2009 das Unternehmen Fibreworks Composites gegründet – feierte er 2014 als Teamchef von Haas F1 Teams sein Comeback in der Formel 1.