Andreas Wellinger stapelt vor dem Showdown um den Sieg bei der Vierschanzentournee (ab 16.30 Uhr im Liveticker) in Bischofshofen tief und schiebt dem führenden Japaner Ryoyu Kobayashi die Favoritenrolle zu, doch eine Legende macht Deutschlands Skisprung-Hoffnung Mut.
„Andi ist bei allen Verhältnissen stark. Das macht es aus, da vorne mitzumischen“, sagte der viermalige Skisprung-Olympiasieger Simon Ammann. Wellinger habe schon rund um den Olympiasieg 2018 „sehr genau“ gearbeitet, erklärte der Schweizer: „Diesen Weg hat er jetzt wieder gefunden.“
Als Schlüssel zum Erfolg sieht Ammann auch Wellingers Umgang mit dem Kreuzbandriss im Sommer 2019. „Ich glaube, dass er durch seine Verletzungen seinen Körper noch besser kennengelernt hat. Das macht sich jetzt bemerkbar“, sagte der 42-Jährige, der aktuell seine 25. Tournee springt.
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Wellingers Rückstand auf den führenden Japaner Kobayashi beträgt vor dem letzten Wettkampf nur umgerechnet zweieinhalb Meter. Eine Tournee-Prognose wollte Ammann nicht abgeben, er sieht Wellinger aber gut gerüstet: „Früher saß er auch schonmal als Letzter oben und hat es dann nicht ganz gebracht. Jetzt hat er gelernt, mit Drucksituationen umzugehen“, so Ammann. (Skispringen: News, Gesamtstände, Ergebnisse, Liveticker)
Wellinger selbst sieht sich nach der durchwachsenen Qualifikation in Bischofshofen im Kampf um den Gesamtsieg der Vierschanzentournee in der Außenseiterrolle. „Ryoyu Kobayashi ist einer der besten Skispringer von allen, das muss man einfach neidlos anerkennen. Ich glaube, er ist der klare Favorit, das hat er heute bewiesen“, sagte der DSV-Adler nach der Qualifikation am Freitag.
Wellinger kämpferisch: „Heißt noch lange nichts!“
Wellinger war am Freitag in der Qualifikation auf 128 Meter geflogen und lag damit 18,3 Punkte hinter dem zweimaligen Tourneesieger Kobayashi, der bei 138 Metern landete. Deutschlands Skispringer warten seit 22 Jahren auf einen Gesamtsieg bei der Tournee. „Ich wollte hier besser starten, das war noch ein bisschen hölzern. Aber das heißt noch lange nichts“, sagte Wellinger in der ARD und gab sich bei allem Respekt vor Kobayashi kämpferisch.
Am Tag der Entscheidung wird Wellinger sein übliches Programm durchziehen. „Wir werden am Vormittag eine Aktivierung machen, damit die Rezeptoren vom großen Zeh bis zu den Synapsen im Hirn funktionieren“, erklärte der 28-Jährige. Das habe in der Qualifikation ein bisschen gefehlt, aber die Qualität sei da.
Unterstützt wird Wellinger unweit seiner Wahlheimat in Salzburg von einem großen familiären Fanklub. „Es kommen Papa, Schwester, Schwager, Mama, die Freundin mit Familie, ein Kumpel – und dann noch viele mehr, aber das dauert jetzt zu lange“, sagte der zweimalige Olympiasieger.
Wellinger kennt die Schanze in Bischofshofen bestens aus zahlreichen Trainingseinheiten, 2017 schraubte er dort den Schanzenrekord auf 144,5 Meter, 2018 stand er als Dritter auf dem Podest. Doch auch Kobayashi mag die Schanze, gewann dort 2019 und 2022. Und: Bei den letzten fünf Aufeinandertreffen mit Wellinger auf der Paul-Außerleitner-Schanze ließ er den Deutschen jeweils hinter sich.