Medienwissenschaftler Christoph Bertling von der Deutschen Sporthochschule Köln sieht die aktuellen Reibereien zwischen Bundesliga-Trainern und TV-Experten als Symptom eines größeren Wandels im Profifußball.

„Man merkt, dass Vereine eigene Kommunikationswelten entstehen lassen und sie diese Kritik nicht mehr zulassen“, sagt der Wissenschaftler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SID. Dies führe dazu, dass die Personen im Rampenlicht „nicht gewohnt“ sind, „die Kritik auszuhalten“ und sie sich somit schnell angegriffen fühlen.

Früher hätten Vereine höchstens über ihre Homepages informiert, „mittlerweile hat man Content-Marketing-Maschinerien, die absolut stark funktionieren“, so Bertling. Auf diesem Wege „kann ich meine Sachen, die mir wichtig sind, selbst ganz gut kommunizieren und brauche den Journalismus nicht.“ Das habe zur Folge, dass der Journalismus automatisch mitunter zu einem kleinen „Ärgernis“ werden könne: „Alles, was von außen kommt, wird dann als Kritik gesehen, wenn es nicht in die Scheinwelt passt.“

Attacken auf TV-Experten auch „kommunikative Schutzschilder“

Wenn umgekehrt Trainer gegen Meinungsmacher in die Offensive gehen – wie Bayern-Coach Thomas Tuchel gegen Sky-Experte Lothar Matthäus oder Kölns Trainer Steffen Baumgart gegen Didi Hamann – seien das außerdem auch „kommunikative Schutzschilder“, so Bertling.

Reibereien wie jüngst zwischen Bayern-Coach Thomas Tuchel und Sky-Experte Lothar Matthäus gehörten allerdings zum Geschäft und machten dessen Reiz aus. „80 Prozent in Deutschland, wenn nicht sogar mehr“, hätten sich beim verbalen Hin und Her zwischen Matthäus und Tuchel in Dortmund „bestens unterhalten gefühlt“, schätzt Bertling: „Man muss den Respekt davor haben, wenn es kritisch wird. Es kann auch lauter werden. Die Argumente müssen im Vordergrund stehen.“

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)